60 Jahre VHS: VHS vermittelt seit 60 Jahren Wissen

60 Jahre VHS : VHS vermittelt seit 60 Jahren Wissen

Es ist ein Bildungsauftrag, den die VHS Merzig-Wadern seit 60 Jahren ernst nimmt. Jetzt war es an der Zeit, sich und die Dozenten zu feiern.

„Unsere Volkshochschule ist vielfältig, sympathisch und kompetent“ – mit diesen und weiteren lobenden Worten hat Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich der Volkshochschule Merzig-Wadern zu ihrem 60-jährigen Bestehen gratuliert. Die VHS biete Menschen die Möglichkeit, „für kleines Geld Wissen zu erwerben“, sagt sie bei der Geburtstagsfeier am Donnerstag in den Räumen der Sparkasse in Merzig. Damit sei sie sowohl für Menschen da, die einfach neugierig seien, als auch für solche, die aus beruflichen Gründen dazu lernen müssten oder wollten.

„Ob es wohl eine Statistik gibt, wie viele Menschen mal einen VHS-Kurs belegt haben?“, fragt Moderator Georg Gitzinger gleich zu Anfang nach der Begrüßung durch den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Metrrzig-Wadern, Frank Jakobs, und dem ersten von mehreren Musikstücken von Nicole Kremer zusammen mit Sebastian Lehnert und Marlon Besse. Gleich darauf erzählt Gitzinger von seinen eigenen Erfahrungen: Er selbst habe einen Gitarrenkurs belegt und Neugriechisch gelernt. Und auch die Landrätin plaudert über ihre eigenen Erfahrungen mit der VHS: Sie habe vor Jahren an der VHS einen Schreibmaschinenkurs belegt und somit gelernt, schnell auf der Maschine zu schreiben „Das ist eine der wichtigsten Schlüsselqualifikationen, die ich habe“, schmunzelt sie.

Musik, Sprachen, berufliche Bildung und mehr – das Angebot der VHS hat sich in 60 Jahren immer wieder gewandelt. „Wir setzen pro Jahr über 200 Dozenten ein, um die zurzeit 780 Kurse pro Jahr durchzuführen“, erläutert Torsten Rehlinger, Vorsitzender der VHS Merzig-Wadern, die aktuelle Situation. Zudem bietet er einen Rückblick auf die Entwicklung der Bildungseinrichtung. Gegründet wurde die VHS als Volkshochschule Merzig am 21. September 1957.

Den ersten Vorsitz übernahm der damalige Merziger Bürgermeister Gerd Caspar. „Sehr schnell folgten in den kommenden Jahren musische Beschulungen und Wettbewerbe sowie Bildungskurse im Erwachsenenbereich und Firmenschulungen bei Villeroy & Boch“, führt Rehlinger aus. Bald darauf schloss sich die VHS Merzig dem Verband der Volkshochschulen im Saarland an, 1962 folgte der Eintrag ins Vereinsregister.

Im Jahr 1966 zog die Volkshochschule ins ehemalige Mädchengymnasium um und weitete 1968 ihre Tätigkeit auf den gesamten Kreis Merzig-Wadern aus. Ab 1970 wurde der musische Bereich mit Gründung der Musikschule ausgebaut.

„Ein Wandel kam dann zum 1. Januar 1977, als der Landkreis als korporatives Mitglied der VHS im Kreis Merzig-Wadern beitrat“, erzählt Rehlinger weiter. Er bezeichnet dies als „Geburtsstunde des Ausbaus zu einer modernen Institution für die Erwachsenenbildung“. Im gleichen Jahr wurde aus der Musikschule ein eigener Verein. 1982 erfolgte der Umzug in die ehemalige Villa Thees, die heute allein von der Musikschule genutzt wird. In den 80er Jahren erweitere die VHS ihr Angebot mit der Eröffnung eines eigenen Nähstudios und der Gründung einer Schule für Wassersport.

Ihren heutigen Standort bezog die Volkshochschule mit dem Erwerb des Radegundisheims 1988, erklärt Rehlinger weiter: „Diese Gebäude dienen heute als Hauptstandort und Zentrale der Volkshochschule im Landkreis Merzig-Wadern.“ Mit der Auflösung der Personalunion von Volkshochschule und Musikschule gab es nach seinen Worten einen Schub im Bereich der EDV und in der Zusammenarbeit mit Unternehmen. „Seit Mitte der 90er Jahre hat die Volkshochschule sich zu einem modernen Dienstleistungszentrum auf neuestem Stand im Bereich der Qualifizierung von Mitarbeitern und im Bereich der Erwachsenenbildung entwickelt“, erklärt er stolz.

Die Untermalung von Rehlingers Worten liefert eine Bildpräsentation, die sein Vater Hans Rehlinger zum Geburtstag zusammengestellt hat. Hier gibt es Einblicke in die ehemaligen Räumlichkeiten, frühere und heutige Kurse und vieles mehr – sehr zum Vergnügen des Publikums. Fotos wie das eines Projekts namens „Wir bauen eine Klärgrube“ sorgen für deutliche Lacher aus den Reihen der Besucher.

Doch nicht nur die Vergangenheit der Einrichtung ist ein Teil der Geburtstagsfeier. „Wir freuen uns auf die kommenden Jahre“, betont Frank Jakobs von der Sparkasse Merzig-Wadern bereits bei seinem Willkommensgruß.

Dass die Volkshochschulen in der Zukunft einen wichtigen Teil zur Gesellschaft beitragen müssen, weiß Doris Pack. „Sie sind ein Teil der Zivilgesellschaft“, betont die Präsidentin des Verbandes der Volkshochschulen im Saarland, „ohne diesen Teil wäre die Gesellschaft ärmer“, sagte sie. In einem Impulsreferat beschreibt sie drei Aufgaben, die die Volkshochschulen in der Zukunft haben. Zunächst sei es wichtig, Menschen vor Ort die Möglichkeit zu geben, mit aktuellen Entwicklungen Schritt zu halten. Gerade, wenn es um Medienkompetenz oder beruflichen Wiedereinstieg gehe, bestehe die Gefahr, beim raschen Wandel in den Bereichen Computer und Internet abgehängt zu werden.

Ihr zweites Anliegen ist es, dass Zuwanderern geholfen wird. Als „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ bezeichnet sie es, dass Menschen aus anderen Ländern „mit uns leben und kommunizieren“. Mithilfe von berufsbezogenen Sprachkursen könne dann auch die Integration in den Arbeitsmarkt gelingen. Der dritte wichtige Punkt sei für sie die Grundbildung von Geringqualifizierten. Defizite in den Bereichen Lesen, Schreiben und Rechnen würden in Betrieben und Berufsschulen oft nicht als Priorität betrachtet. Hier böten die Volkshochschulen Wege, Grundkompetenzen zu erlangen. Insbesondere hinsichtlich der hohen Anzahl von Analphabeten betont sie: „Da muss noch viel geleistet werden.“

Die Volkshochschulen seien „ein Muss für die Bildung, ein Muss für die Herzensbildung und ein Muss für die Zivilgesellschaft“. Als Abschluss ihrer Rede greift sie noch einmal die Worte auf, die bereits die Landrätin zu Anfang benutzt hat: „Wir sind vielfältig, sympathisch und kompetent – das zeichnet uns aus.“