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SZ-Lokalausgabe Merzig-Wadern am Tag des Grand Prix-Sieges von Nicole

Die SZ am 24./25. April 1982 : Bäume, Bewerber und ein bisschen Frieden

Es gibt Tage, die Geschichte schrieben – sei es, weil an ihnen erstmals Menschen auf dem Mond landeten, sei es, weil Deutschland völlig unerwartet erstmals Fußballweltmeister wurde, weil der Eiserne Vorhang fiel oder sei es wegen schlimmer Naturkatastrophen oder Terrorattentaten. Doch was hat sich an diesen geschichtsträchtigen Tagen bei uns in der Region getan? Womit hat sich unsere Zeitung an diesen historischen Terminen beschäftigt? Wir haben im Archiv geblättert und nehmen Sie mit auf eine kleine Zeitungs-Reise in die Vergangenheit.

Während Nicole beim Finale des Grand Prix Eurovision de la Chanson in Harrogate (England) mit „Ein bisschen Frieden“ Geschichte schrieb (siehe Infokasten), herrschte im Landkreis Merzig-Wadern auf der politischen Ebene dicke Luft. In der Wochenendausgabe des „Anzeigers für Merzig-Wadern“ für den 24. und 25. April 1982 ging Georg Rupp von der Kreis-CDU mit der politischen Konkurrenz hart ins Gericht. Sein Leserbrief an die SZ-Lokalausgabe hatte passenderweise den Titel „SPD hat keine eindeutige Antwort“. Insbesondere Karl Borger, Sprecher des SPD-Arbeitskreises Ökologie, wurde zur Zielscheibe von Rupps Kritik. Borger diffamiere die CDU und wisse nicht, was er wolle, so Rupp. „Ist die SPD nun für oder gegen Kernenergie?“, fragte er und beantwortete seine eigene Frage: „Die SPD selbst hat keine eindeutige Antwort.“ Zudem warf Rupp Borger Panikmache vor und warnte vor Jobverlusten: „Ob der SPD-Arbeitskreis wohl bereit ist, die Schließung der Dillinger Hütte zu verlangen, weil Schwefel und andere Abgase der Umwelt schaden?“

Das war nicht die einzige Erwähnung von Rupp in dieser Ausgabe des „Anzeigers für Merzig-Wadern“. Der Artikel „CDU hält Heerschau“ kündigte dessen Anwesenheit beim Kreisparteitag der Christdemokraten in Weiskirchen an. Das allgegenwärtige Atomkraftwerk (AKW) Cattenom stand auch hier auf der Tagesordnung. So ging es darum, wie die Messungen der Auswirkungen des AKWs auf die Umwelt zu finanzieren seien. Diesbezüglich sei der Bund in die Pflicht zu nehmen, so die Kreis-CDU. Außerdem stand eine „Landesakademie für musisch-kulturelle Jugendbildung“ auf dem Forderungskatalog der Christdemokraten. Zudem solle sich der Kreis Merzig-Wadern für die Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur einsetzen.

Das Pflanzen von Bäumen gilt heute als eine der Maßnahmen, mit denen der Klimawandel aufgehalten werden soll. Dass das keine neue Forderung ist, zeigt der Artikel „Fünf Bäume gepflanzt“. Darin berichtete der „Anzeiger für Merzig-Wadern“ im April 1982 über die Anpflanzung von fünf Laubbäumen in Tünsdorf. Diese befanden sich laut Artikel „zwischen Kindergarten und Sportplatz“ in dem Mettlacher Ortsteil. Als Stifter der Bäume wurden der Obst- und Gartenbauverein, der VfB Tünsdorf sowie die Gemeinde Mettlach genannt. Auch die Kleinsten hätten sich ins Zeug gelegt: „Beim Pflanzen der Linde war die E-Jugend des VfB Tünsdorf besonders aktiv. Sie übernahmen (sic) sozusagen die Patenschaft für diesen Baum, um ihre Verbundenheit mit der Natur zu beweisen.“ Ob die Nachwuchskicker dem Umweltschutz später treu blieben, ist nicht bekannt.

Bei vielen Kindern sehr beliebt ist der Zirkus. Über einen Auftritt des Zirkus Sarandi in Düppenweiler berichtete der „Anzeiger für Merzig-Wadern“. Der Zirkus sei „Immer noch faszinierend“, so der Titel des Artikels. Insbesondere die Elefantendame Tanja habe die Jungen und Mädchen in dem Beckinger Ortsteil in ihren Bann gezogen. Die SZ-Lokalausgabe stellte ihren Lesern die rhetorische Frage: „Wann sieht man auch schon einen Elefanten im Ort, der sich zudem noch im Weltmeisterschaftsjahr im Toreschießen versucht?“ Außerdem habe der erst drei Jahre alte Clown Banane das Publikum mit seinem Trompetenspiel begeistert.

Weniger euphorisch zeigten sich im April 1982 das Arbeitsamt Saarlouis und dessen Nebenstelle in Merzig. So schöpften die Betriebe im Landkreis Merzig-Wadern laut dem Artikel „Ausbildungsangebot hat sich sehr verschlechtert“ ihre Kapazitäten nicht aus. Für Mädchen und junge Frauen gebe es zu wenige Stellen in den Bereichen Verwaltung und Büro sowie im Waren- und Dienstleistungssektor. Für drei offene Stellen als Arzthelferin bewarben sich beispielsweise insgesamt 24 Frauen. Besser sehe es für junge Männer aus. Auf 130 Stellen kämen 123 Bewerber. Insbesondere Bäcker, Fleischer, Maler und Lackierer seien gefragt.

Eine Gruppe, die es besonders schwer hatte, einen Ausbildungsplatz zu erhalten, waren dem Artikel zufolge Absolventen der Sonderschule für Lernbehinderte. Und das, „obwohl die Betriebe, die Plätze zur Verfügung stellen, gefördert werden“. Bis zur beruflichen Inklusion war es im April 1982 noch ein weiter Weg.

Alle Teile der Serie „Zurückgeblättert“, die bislang erschienen sind, finden sich auch im Internet.

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