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SZ-Lokalausgabe Merzig-Wadern am Tag der Krönung von Elisabeth II.

Die SZ am 2. Juni 1953 : Frostschäden und ein neuer Sportplatz

Es gibt Tage, die Geschichte schrieben – sei es, weil an ihnen erstmals Menschen auf dem Mond landeten, sei es, weil Deutschland völlig unerwartet erstmals Fußballweltmeister wurde, weil der Eiserne Vorhang fiel oder sei es wegen schlimmer Naturkatastrophen oder Terrorattentaten. Doch was hat sich an diesen geschichtsträchtigen Tagen bei uns in der Region getan? Womit hat sich unsere Zeitung an diesen historischen Terminen beschäftigt? Wir haben im Archiv geblättert und nehmen Sie mit auf eine kleine Zeitungs-Reise in die Vergangenheit.

Als Elisabeth II. am 2. Juni 1953 zur Königin von Großbritannien und Nordirland gekrönt wurde (siehe Info), gehörte das Saarland noch nicht zur Bundesrepublik Deutschland. Das zum damaligen Zeitpunkt teilautonome Saarland verfügte daher über ein eigenes Rotes Kreuz – das Saarländische Rote Kreuz (SRK). Eben jenes SRK strahlte im Jahr 1953 offenbar Attraktivität aus, wie der Artikel „Orscholz gründet eine SRK-Ortsgruppe“ zeigt. Die SZ-Lokalausgabe „Kreisanzeiger für Merzig und Wadern“ berichtete, dass in Orscholz schon lange der Wunsch nach einer eigenen Ortsgruppe bestanden habe. Der Gründungsversammlung im Hotel „Zur Saarschleife“ sei eine lange Vorarbeit vorausgegangen. Jakob Heisel wurde zum Vorsitzenden des jungen Ortsverbandes gewählt. Er stellte den Anspruch an sich selbst, „die neue Ortsgruppe in Orscholz stark und stets einsatzbereit zu machen“.

Das Saarland hatte damals nicht nur ein eigenes Rotes Kreuz, sondern mit dem Franken auch eine eigene Währung. Um viel Geld ging es beim Bau des Sportplatzes in Haustadt – schließlich musste die Gemeinde laut dem Artikel „Sportplatzfrage in einem neuen Stadium“ Grundstücksankäufe tätigen. So erhielten Karl Spurk und Johann Schumacher für 23 Ar jeweils 200 000 Franken. An Matthias Adam überwies die Gemeinde Haustadt für 21,89 Ar sogar 280 000 Franken. Angesichts der angekauften Grundstücke zeigte sich der „Kreisanzeiger für Merzig und Wadern“ zuversichtlich: „Die Lösung der Sportplatzfrage war eigentlich noch nie in eine derart greifbare Nähe gerückt. Sollten nun damit alle Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt sein, wird es uns freuen, der sportliebenden Jugend von Haustadt endlich zu einem eigenen Platz gratulieren zu können.“

An der Mosel sorgten derweil Frostschäden für Sorgenfalten. Im Artikel „Besichtigung der Frostschäden im Amtsbezirk Perl“ heißt es: „Der in der Nacht zum 11. Mai aufgetretene Frost hat im Wein- und Obstbau schwere Schäden verursacht. Das Thermometer sank in dieser Nacht auf fünf Grad unter Null.“ Vor allem in den tieferen Lagen sei ein großer Schaden entstanden. Jedoch sei auch die positive Wirkung von Präventivmaßnahmen deutlich geworden: „Die Beheizung der Weinberge in Frostnächten hat sich, wie festgestellt werden konnte, zu 90 Prozent bewährt.“ Winzer, die auf Prävention setzten, durften folglich mit finanziellen Hilfen von der saarländischen Regierung hoffen: „Von Seiten der Regierung ist daher in Aussicht genommen, den Wein- und Obstbau durch Beihilfen zur Beschaffung von Frostschutzgeräten zu unterstützen.“

Bleiben wir noch für einen Moment an der Mosel, wo Bundespräsident Theodor Heuss eine „Rundreise durch das Moselland“, so der Titel des Artikels, absolvierte. Bei einem Besuch in Prüm lobte der Bundespräsident den „ungebrochenen Lebenswillen der Eifeler Bevölkerung“. Die „Schaffensfreude der Eifelbevölkerung“ habe zur Beseitigung der Kriegsschäden beigetragen, so Heuss. Auch bei den touristischen Attraktionen der Region machte er Station. So wurde der Bundespräsident „an der ehrwürdigen alten Porta Nigra in Trier“ von einer Menschenmenge empfangen. Danach machte sich Heuss einen persönlichen Eindruck von der Restauration der Liebfrauenkirche. Laut Artikel zogen die „kunstvoll und volkstümlich gemalten Madonnenbildnisse“ das Staatsoberhaupt in ihren Bann. Insbesondere das Madonnenbildnis der Abteikirche St. Matthias habe es ihm angetan.

Die Kreisstadt Merzig erhielt derweil Besuch von einer internationalen Delegation. Deren Mitglieder stammten dem Artikel „Westeuropäische Wirtschaftserzieher an der unteren Saar“ zufolge aus dem Saarland, Frankreich, Österreich, Luxemburg, Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz sowie den Niederlanden. Über den Anlass des Besuchs schrieb der „Kreisanzeiger für Merzig und Wadern“: „Im Rahmen einer Besichtigungsreise durch das Saarland besuchten die Teilnehmer der internationalen Hochschultagung westeuropäischer Wirtschaftserzieher auch die untere Saar.“ Nach einem Empfang im Merziger Rathaus ging es in Mettlach weiter, wo die Reisegruppe die Mosaikplattenfabrik von Villeroy & Boch in Augenschein nahm.

Zum Schluss noch ein Blick in das Kinoprogramm. Das Eden-Theater Merzig entführte sein Publikum zum Beispiel in die Welt der Spionage. Der Film „Der Kurier des Kaisers“ spielte in der Schlussphase des Ersten Weltkrieges und zeigte ein österreichisch-französisches Ehepaar zwischen den Fronten der Geheimdienste. In den Augen des „Kreisanzeigers für Merzig und Wadern“ handelte es sich dabei um den „großen Spionagefilm des Jahres“. Und das Kino Saalbau-Lichtspiele Merzig präsentierte den Streifen „Ein Platz an der Sonne“ mit der legendären Elizabeth Taylor in der Hauptrolle.

Alle Teile der Serie „Zurückgeblättert“ gibt es im Internet:

www.saarbruecker-zeitung.de/
zurueckgeblaettert