Die SZ am 11. Februar 1990 Der Blick ging in Richtung Osten

Merzig-Wadern · Es gibt Tage, die Geschichte schrieben – sei es, weil an ihnen erstmals Menschen auf dem Mond landeten, sei es, weil Deutschland völlig unerwartet erstmals Fußballweltmeister wurde, weil der Eiserne Vorhang fiel oder sei es wegen schlimmer Naturkatastrophen oder Terrorattentate. Doch was hat sich an diesen geschichtsträchtigen Tagen bei uns in der Region getan? Womit hat sich unsere Zeitung an diesen historischen Terminen beschäftigt? Wir haben im Archiv geblättert und nehmen Sie mit auf eine kleine Zeitungs-Reise in die Vergangenheit.

 Die Lokalausgabe der SZ für Merzig-Wadern am 11. Februar 1990.

Die Lokalausgabe der SZ für Merzig-Wadern am 11. Februar 1990.

Foto: Dirk Ley

Als am 11. Februar 1990 in Südafrika das Ende der Apartheid eingeläutet wurde (siehe Infokasten), war in Deutschland die bevorstehende Wiedervereinigung das alles beherrschende Thema.

Beispiele hierfür lassen sich auch in der „Rundschau für Merzig-Wadern“ finden – so hieß damals die SZ-Lokalausgabe für den Grünen Kreis. So berichtete der Artikel „Informieren über Europa-Markt“ über die Kontakte der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Merzig-Wadern in die (noch existierende) DDR. Der Leser erfuhr, dass „querbeet durch die Branchen“ ein großes Interesse an Joint Ventures mit Unternehmen aus Ostdeutschland bestehe.

Teilweise hätten Firmen aus dem Grünen Kreis auf eigene Faust Kontakte in die DDR geknüpft. Im Artikel wurde die Notwendigkeit der Koordinierung der Aktivitäten hervorgehoben. Und dazu sei die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung bereit. Der Schlusssatz lautete daher: „Und die will man leisten.“ – zum Beispiel über eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft in Frankfurt/Main.

Die politischen Umwälzungen in Mittel- und Osteuropa beeinflussten auch die Bundeswehr. Der Artikel „Bataillon bestätigte guten Ruf“ berichtete über einen Besuch des Generalleutnants Gert Verstl in der Kaserne „Auf der Ell“ in Merzig. Darin wurde der Generalleutnant unter anderem danach gefragt, welche Auswirkungen die jüngsten politischen Entwicklungen auf die Bundeswehr hätten. In seiner Antwort ging Verstl auf Überlegungen ein, die Sollstärke der Bundeswehr zu reduzieren, um  sich „auf die gegenwärtige Situation einstellen“ zu können. Tatsächlich hat sich der Personalbestand der Bundeswehr seit dem Ende des Kalten Krieges erheblich verkleinert. Standen 1990 noch 458 752 aktive Soldaten im Armeedienst, so ist diese Zahl laut dem Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages bis 2019 auf 182 219 Soldaten zurückgegangen.

Von einer Reise in die DDR handelte der Artikel „An einem stillen Wintertag in Meißen“. Gerd Meiser, langjähriger Reporter der SZ, berichtete über „winkelige Gassen und elende Straßen, die jene verlodderte Atmosphäre ausstrahlten, die den DDR-Städten eigen ist“. Er brachte seine Enttäuschung über „die Tristesse dieser berühmten Stadt Meißen“ zum Ausdruck.

Jedoch entschädigte der Anblick der Albrechtsburg den Besucher aus dem Saarland – eigenen Worten zufolge war Meiser „überwältigt“. Bei seiner Besichtigung fiel ihm auf, dass die frühere Residenz der sächsischen Kurfürsten einer Renovierung bedürfe. Beim Blick auf die Albrechtsburg fühlte sich der Autor „in eine romantische, längst vergangene Zeit“ zurückversetzt. Meiser bedauerte, dass er keine Zeit für eine Führung hatte – er war auf Durchreise zur Meißener Porzellanmanufaktur.

Nicht nur die DDR, sondern auch Rumänien war von den politischen Umwälzungen betroffen. Mit einem Hilfsgütertransport der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in das südosteuropäische Land beschäftigte sich der Artikel „Unsere Hilfe ist gefordert“. Peter Bost, damals Leiter des Awo-Heims in der Kreisstadt, richtete an Bürger und Unternehmen die Bitte, Lebensmittel zur Verfügung zu stellen.

Aber auch Kinderkleidung werde dringend benötigt. Im Artikel hieß es, dass Bost persönlich dabei sein werde, wenn sich der nächste Sattelzug in Richtung Rumänien in Bewegung setze. Als Ankunftsorte wurden die Dörfer Birthälm und Reichesdorf im Kreis Sibiu (Hermannstadt) genannt – dort lebten damals laut Artikel überwiegend Menschen deutscher Abstammung.

Einen internationalen Neuzugang konnte derweil die SG Perl/Besch präsentieren. So berichtete die SZ unter dem Titel „Griechischer Trainer bei der SG Perl/Besch“ über die Ankunft von Dimitri Doudouktsidis an der Mosel. Der Inhaber der Trainer-A-Lizenz ging im Auftrag des Saarländischen Fußballverbandes in die Vereine und gab Trainingstipps. Laut Artikel übernahm er die B- und C-Jugend der SG. Zur Begrüßung erhielt Doudouktsidis ein (nicht näher beschriebenes) Gastgeschenk.

Für die Handballer der HSV Merzig-Hilbringen stand hingegen das „Schlagerspiel gegen Spiesen“ an, so die SZ-Lokalausgabe für Merzig-Wadern. Dabei konnten die Gäste aus dem Landkreis Neunkirchen mit einem ehemaligen Bundesliga-Spieler aufwarten. Jerzy Klempel hatte schon für Frisch Auf Göppingen gespielt und 19 Tore in einer Begegnung erzielt.