Wetter: Starkregen sorgte für Überschwemmungen

Wetter : Starkregen sorgte für Überschwemmungen

Die Feuerwehren im Landkreis waren vielerorts ohne Pausen im Einsatz. Noch kein Überblick über mögliche Schadenshöhe.

Vollgelaufene Keller, überschwemmte Straßen und Schlammlawinen: Viele Feuerwehren im Kreis Merzig-Wadern waren am Donnerstagabend und Freitagmorgen im Dauereinsatz. Grund dafür war anhaltender Starkregen, der auf das Sturmtief „Burglind“ am Mittwoch dieser Woche folgte und der an vielen Orten zu lokalen Überschwemmungen führte.

Christian Thul, Sachbearbeiter für  Katastrophenschutz bei der Kreisverwaltung, bezeichnet die Vorkommnisse aber ausdrücklich nicht als Hochwasser: „Die Saar hat einen hohen Pegel, aber die Situation ist unkritisch. Wir haben den Stand der Saar hier in der Region gut im Griff. Von Hochwasser kann keine Rede sein.“ Kleinere Bäche seien ausgeufert, stellen aber keine Bedrohung dar, erklärt Thul weiter. Von den ausgiebigen Regenfällen am heftigsten betroffen waren das gesamte Stadtgebiet Merzig sowie die Gemeinden Beckingen und Losheim. Mettlach und Weiskirchen blieben nach Thuls Worten verschont. Hier musste die örtliche Feuerwehr nicht ein einziges Mal ausrücken.

„Es waren hauptsächlich nur Wasserschäden, um die wir uns kümmern mussten“, informiert Christian Thul. „Oberflächenwasser, verursacht durch den Starkregen, ist in viele Wohnungen und Keller gelaufen und hat diese unter Wasser gesetzt.“ Ebenso mussten auch überflutete Straßen geräumt werden. Von Hängen habe sich teilweise auch Schlamm und Geröll gelöst und sind auf die Straßen gerutscht.

In Merzig war fast das gesamte Stadtgebiet betroffen, berichtet Stadt-Wehrführer Ralf Bernardy. 40 Einsätze gab es in Merzig, 25 davon waren in der Innenstadt. „Zwischen 18 und 21 Uhr am Donnerstagabend hatten wir insgesamt 40 Einsätze. Schwerpunkte waren die Innenstadt und Brotdorf“, teilt Bernardy weiter mit. Am Donnerstagabend schwoll der Seffersbach, der mitten durch die Merziger Innenstadt fließt, bedrohlich an. Der Pegel erreichte fast das Niveau der angrenzenden Straßen im historischen Kern der Kreisstadt, das sonst eher gemächliche Gewässer verwandelte sich in einen reißenden Strom. Allerdings blieben die Anwohner des Seffersbaches von Überschwemmungen verschont. In den Stadtteilen Silwingen, Mondorf und auf dem Bietzerberg blieben die Keller der Bewohner trocken und die Straßen frei.

Rund 20 Einsätze zählte Bernhard Ludwig, stellvertretender Gemeindewehrführer von Beckingen. Schlammmassen wälzten sich in  Haustadt im Bereich Neue Welt den Abhang hinunter. Der sintflutartige Regen hatte Bäche über die Üfer treten lassen – wie in Düppenweiler in der Lohwiese und in der Annastraße in Hargarten. Zudem kämpften die Einsatzkräfte gegen vollgelaufene Keller  – unter anderem in der Dillinger Straße in Beckingen. An dem Neubau des Seniorenheimes in Oppen verstopften Sand und Geäst, die die Wassermassen mit sich rissen, das Regenfallrohr. Die Folge: Der Keller lief voll und musste  ausgepumpt werden. „Zum Glück kamen die Alarmierungen nacheinander, so dass wir die Einsätze nach und nach abarbeiten konnten“, sagte Bernhard Ludwig. 70 bis 80 Feuerwehrleute seien in der Zeit von 17 bis 23 Uhr im Einsatz gewesen. Kurz nach neun am Freitagmorgen mussten die Beckinger Wehrleute noch einmal ausrücken: in der Dillinger Straße war erneut ein Keller wollgelaufen, der ausgepumpt werden musste.

Zwei Einsätze registrierte die Feuerwehr in der Gemeinde Perl. In Hellendorf war nach Aussagen von Michael Nittler, dem stellvertretenden Wehrführer der Gemeinde, ein Kellerbereich vollgelaufen, der ausgepumpt werden musste. Und in Büschdorf drohte ein Keller vollzulaufen mit Wassermassen, die sich auf einer Wiese hinter dem Anwesen angesammelt hatten. Land unter wurde vom Leinpfad an der Mosel in Nennig gemeldet.

Nicht ausrücken mussten nach Worten von Gemeindewehrführer Thomas Jager die Löschbezirke aus der Gemeinde Mettlach.  Um auf der sicheren Seite zu sein, bereitete der Bauhof der Gemeinde den Hochwasserschutz an der Schiffsanlegestelle in Mettlach vor. Das teilten die Verantwortlichen aus dem Rathaus mit. Auch die Stadt Wadern blieb von größeren Überschwemmungen verschont, erklärte Bürgermeister Jochen Kuttler gegenüber der SZ. „Ich wüsste von keinen dramatischen Zwischenfällen“, sagte der Rathauschef. Ohnehin gebe es in Wadern eher Probleme mit Starkregen als mit dauerhaften Niederschlägen. Allerdings sei in der Vergangenheit in der Hochwaldstadt auch sehr viel in den Hochwasserschutz investiert worden.

Jede Menge zu tun hatten indes die Wehrleute in der Gemeinde Losheim am See – und das nicht nur wegen den gewaltigen Schlamm- und Wasserlawinen, die den Ortsteil Rissenthal heimsuchten (siehe hierzu separaten Bericht auf Seite C3). Überflutete Straßen und Keller gab es am Donnerstagabend zudem auch in Wahlen und Bachem. In Wahlen waren nach den Worten von Losheims Löschbezirksführer Andreas Brausch die Bereiche Urwahlener Straße, Im Neef sowie die Ortsmitte in der Nähe der Mehrzweckhalle betroffen. „Da stand das Wasser bis zu einem halben Meter hoch auf der Straße“, sagte Brausch. Die Feuerwehr versuchte, das betroffene Gebiet mit rund 200 Sandsäcken abzusichern. In Wahlen mussten die Einsatzkräfte am Freitagmorgen noch einmal ausrücken, weil in der Straße Am Grauenstein ein weiterer Wassereinbruch drohte. Probleme gab es auch in einigen Straßen in Bachem, hier drohte nach Brauschs Worten sogar das Feuerwehrgerätehaus überflutet zu werden. „Wir hätten nicht gedacht, dass es uns wieder so heftig triftt“, bilanzierte Brausch, nachdem die Losheimer Wehr bereits am Mittwoch während des Sturmtiefs gut zu tun gehabt hatte.

Hochwasser auch am Seffersbach in Merzig, der am Abend zeitweise bedrohlich anstieg. Foto: Ruppenthal
Keine seltene Szene am Donnerstag:  Feuerwehr und Anlieger öffneten gemeinsam verstopfte Kanalschächte. Foto: Ruppenthal
Am Merchinger Bach hatte die Feuerwehr in der Nacht zum Freitag  alle Hände voll zu tun. Foto: Tom Becker
Die Verbindungsstraße zwischen Hilbringen und Fitten wurde am Donnerstagabend überflutet. Foto: Tom Becker
Der Rotensteinerweg glich einem Nebenfluss des Seffersbachs, der dort extrem über die Ufer gestiegen war. Foto: Ruppenthal

Zu allem Unglück war am Donnerstagabend in einem Wohnhaus in Niederlosheim noch ein Brand ausgebrochen. Allein dort waren nach Brauschs Worten rund 80 Feuerwehrleute zur Brandbekämpfung ausgerückt (siehe Bericht auf dieser Seite). Insgesamt dürften nach seinen Schätzungen allein am Donnerstag gut und gerne 120 Frauen und Männer von der Feuerwehr im Einsatz gewesen sein. Brausch: „Gut, dass die Arbeitgeber unserer Mitglieder mitgespielt haben, so hatten wir genügend Kräfte zur Verfügung.“

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