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Sie stellvertretende Grünen-Landesvorsitzende im Saarland ist auch Erntekönigin

Serie Saar-Königinnen : Eine Königin, die mit der Politik liebäugelt

1931 wurde erstmals eine Deutsche Weinkönigin gekürt. So entstand die Tradition, ein Produkt mit einer Repräsentantin zu bewerben. Auch im Saarland werben „Königinnen“ für Produkte und Regionen. Wir stellen sie vor. Diesmal: die Orscholzer Erntekönigin Jeanne Dillschneider.

Man hätte es sich nicht besser ausdenken können. Passend zum Besuch der Orscholzer Erntekönigin in Orscholz’ Partnerstadt Varades im französischen Departement Loire Atlantique hat Orscholz mit der 23-jährigen Jeanne Dillschneider eine Hoheit, die sich selbst als „Kind dieser Partnerschaft“ bezeichnet. Der Vater aus Orscholz, die Mutter aus Varades, beide lernten sich beim Städteaustausch kennen. In diesem Jahr wird die 61. Erntekönigin offiziell zum Weinfest nach Varades reisen und dort für viel Aufmerksamkeit sorgen. Als Kind beider Orte und in perfekter Zweisprachigkeit ist sie die geborene Mittlerin. „Ich bin auch froh, dass das Saarland die deutsch-französische Freundschaft so sehr pflegt. Das ist mir persönlich sehr wichtig“, sagt die junge Frau, die in Saarbrücken Jura studiert und kurz vor dem Ersten Staatsexamen steht.

Aufgewachsen ist sie in Orscholz, dort besuchte sie die Grundschule, dort stand sie schon mit fünf Jahren beim Orscholzer Erntedank- und Heimatfest am Bühnenrand und bewunderte die Krönungsfeierlichkeiten. „Seit 61 Jahren gibt es eine Erntekönigin und immer war es eine Orscholzerin. Über meine beste Freundin Sarah Streit wurde ich animiert, Ernteprinzessin zu werden. Aus dem Kreis der Prinzessinnen rekrutiert sich dann stets die Königin.“ Vor allem im Herbst reise sie nun mit ihren Prinzessinnen Alexandra Behrend und Seline Gehren zu Dorf- und Stadtfesten. 20 Termine sind das, über Winter ist es ruhig. Der absolute Höhepunkt sei jedoch das Enrntedankfest im eigenen Ort, das tausende Besucher anziehe, einen Krönungsabend und einen Festumzug biete.

Inzwischen haben junge Leute die Organisation übernommen, ohne die alten Elemente abzuschaffen. Die Tradition wird gepflegt und verbindet Jung und Alt. Jeanne trägt Dirndl. Auch das liege bei jungen Leuten im Trend. Tracht sei wieder angesagt, vor allem im Herbst. Zum Interview kommt Jeanne mit einer Blumenkrone, der Bezug zur Landwirtschaft soll deutlich werden. „Als Produktkönigin werbe ich für die Landwirtschaft.“

Und die ist nicht nur Idyll. Die ist auch Beruf mit Schwierigkeiten und Mühen. „Als politisch interessierte Frau lerne ich vieles über die Hintergründe und spreche mit vielen Menschen, zu denen man als Königin leicht Kontakt bekommt.“ Politisch ist Jeanne I. (die Erste) durchaus. Die junge Juristin ist stellvertretende Landesvorsitzende der Grünen und kandidiert in Saarbrücken auf aussichtsreichem Platz für den Stadtrat.

„Ich bin nicht im Ortsrat von Orscholz, weil man sich dort kommunalpolitisch engagieren sollte, wo man wirklich lebt. Und ich studiere und wohne nun mal in Saarbrücken.“ Dort will sie juristisch und politisch weiterkommen. Fachlich im Arbeitsrecht und politisch vielleicht auch mal im Landtag: „2022 sind die Grünen wieder dabei“, sagt sie. Grün ist auch ihr Dirndl. Die Blumenkrone möchte sie tauschen, gegen ein grünes Mandat.