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Kolumne Das Wort zum Alltag
Schneller, höher, stärker

Das olympische Feuer in Pyeong­chang – für unseren Kolumnisten ein Hoffnungszeichen.
Das olympische Feuer in Pyeong­chang – für unseren Kolumnisten ein Hoffnungszeichen. FOTO: Yonhap / dpa
Citius, altius, fortius – schneller, höher, stärker, das ist das Motto der Olympischen Spiele. Es stammt von Pierre de Coubertin, einem Gründer des IOC im Jahr 1894, der es von einem Dominikanerpater übernahm. Wer vor Beginn der Spiele die Kommentare verfolgte, meinte, ein fehlgeleiteter Geist, eben alles schneller, höher, stärker zu Geld zu machen, würde die Spiele insgesamt zerstören. Sie seien „eine Multimilliarden-Investition“, die von kaum einem Land mehr gestemmt werde. Sie verlangten riesige Waldrodungen und Stadien, die anschließend keiner braucht. Dazu kommt das Problem Doping. Die „Geschichte des Betruges sei ebenso lang wie die der Spiele“ und es sei an der Zeit, dass „Glaubwürdigkeit wieder eine olympische Disziplin“ werde. Da kann man schon die Lust an den Spielen verlieren. Je länger diese andauern, beobachte ich bei mir nun eine steigende Lust. Schuld sind die Athleten. Ihre packenden Einzelschicksale, spannende Wettkämpfe und beeindruckende Leistungen lassen mich doch an das sportliche Ideal glauben. Sie geben einfach alles, um dabei zu sein und vielleicht ganz oben zu stehen.

Für Pfarrer Jürgen Hünten, den Seelsorger der Athleten, ist der olympische Gedanke im biblischen Satz „Ihr seid das Licht der Welt“ zu finden. Die Athleten repräsentieren so viele verschiedene Sportarten und Länder. Wenn Sportler aus Israel und dem Iran oder aus Süd- und Nordkorea nebeneinander einziehen, dann „leuchte das olympische Feuer als Hoffnungszeichen“ auf. Vielleicht brauchen wir solche Hoffnungszeichen, um in der Welt, in der globalen und vielleicht auch in unserer kleinen, dieses Licht zu entdecken. Citius, altius, fortius – dieses Motto sollten wir einfach nur positiv umlenken. Machen wir die Welt schneller, höher, stärker zu einem friedlichen, menschlichen und lebensförderlichen Ort.


Rainer Stuhlträger, Dekanatsreferent im Dekanat Losheim-Wadern