Schließung der Klinik in Wadern frustriert Bürger

Wadern : Nächtliche Odyssee eines Patienten

Nasenbluten: 40 Minuten dauerte es, bis einem Patienten aus Wadern in einer Saarbrücker Klinik geholfen wurde – ein Erlebnisbericht.

Seit fast einem Jahr blickt Helga Raschke von ihrer Wohnung aus auf das leere Gebäude, in dem am 30. November 2017 die Lichter ausgegangen sind: auf das verlassene Waderner Krankenhaus. Die Behauptung von Gesundheitsministerin Monika Bachmann, im Nordsaarland sei man trotz Klinikschließung ja bestens versorgt, muss der Frau aus Wadern angesichts ihrer Erfahrungen wie eine schallende Ohrfeige vorkommen.

„Ein Familienmitglied bekam vor einigen Nächten starkes Nasenbluten, das trotz Anwendungen aller bekannten Notmaßnahmen nicht zum Stillstand kam“, berichtet sie. „Der schließlich alarmierte Krankenwagen kam innerhalb von 15 Minuten. Die Kliniken in Losheim, Merzig oder Hermeskeil durften nicht angefahren werden, da diese keine HNO-Versorgungen hätten.“

Es habe die die Wahl zwischen Trier, Homburg oder Saarbrücken gegeben. „Wir entschieden uns für das Caritas Klinikum in Saarbrücken, weil es dorthin für die Angehörigen noch die beste öffentliche Verkehrsanbindung gibt.“ Nach 40 Minuten Fahrt wurde die Klinik erreicht. „Dort wurde die Blutung zum Stillstand gebracht, und der Patient wurde für vier Tage stationär aufgenommen“, schreibt Raschke.

„Im Frühjahr 2017, als das Waderner Krankenhaus noch nicht geschlossen war, war dieses Problem schon einmal aufgetreten. Ein hilfsbereiter Nachbar fuhr das Familienmitglied als Notfall in der Nacht zum Waderner Krankenhaus. Dort wurde sofort geholfen, ohne eine lange Fahrt im Krankenwagen. Die Blutung wurde gestillt, und am übernächste Tag konnte der hiesige HNO-Arzt das Problem vollends in den Griff bekommen.“

Wadern hatte nach den Worten von Helga Raschke bis zur Schließung ein Krankenhaus, dessen Ärzte und Pfleger zu jeder Stunde erreichbar waren. „Wo gehen oder fahren wir heute bei solchen Notfällen hin? Wohin bei Knochenbrüchen, Schnittverletzungen, Gallenkoliken oder sonstigem?“, fragt sie bange. „Das alles und vieles mehr hat unser Krankenhaus geleistet. Aber mit solchen Kleinigkeiten kann man natürlich nicht das große Geld verdienen“, sagt sie. „Ist ein Krankenhaus für die Menschen da oder für ein gewinnbringendes System?“

Menschen, die wie die Gesundheitsministerin an der Saarschiene leben, sieht die Wadernerin im Fall des Falles wirklich bestens versorgt. „Aber im Nordsaarland herrscht eine riesige Versorgungslücke“, sagt sie und fügt mit Bitterkeit hinzu: „Nur das Ablassen von Kerosin hier im Norden klappt prima. Und mit Fluglärm sind wir hier auch allerbestens versorgt.“

„Wie gerecht ist Deutschland, wie gerecht das Saarland?“, fragt Helga Raschke. Sie antwortet sich selbst: „Ungerecht.“