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Rückblick auf die Wahlen im Grünen Kreis

Merzig-Wadern : Was die Parteispitzen zum Wahlausgang sagen

Manche haben dazugewonnen, andere verloren: Nach der Kommunalwahl ziehen die Parteien im Grünen Kreis Bilanz.

Bunter haben die Entscheidungen bei den Kreis- und Kommunalwahlen die Stadt- und Gemeinderäte im Grünen Kreis gemacht. Eindeutiger Sieger: die Grünen. „Wir haben überall kräftig zugelegt“, zieht Kreisparteichef Klaus Borger erste Bilanz am Tag nach der Auszählung der Stimmen. „Im Kreistag haben wir unsere Sitze von einem auf vier erhöht, ebenso im Merziger Stadtrat. In Perl liegen wir bei 14,6 Prozent und haben 8,3 Prozent dazu gewonnen.“

Nach den Worten von Borger sind die Grünen jetzt in allen Stadt- und Gemeinderäten vertreten. „In Losheim und Weiskirchen sind es die Mitglieder der Grün-Alternativen Liste, mit der wir seit Jahren eng zusammenarbeiten.“ Das Wahlergebnis nennt er ein deutliches Zeichen in die Zukunft. „Es sind ganz viele junge Leute, die sich von uns Lösungen auf Zukunftsfragen erhoffen“, sagt er. So müsse dem Klimawandel entgegengewirkt werden. Wichtig sei der Erhalt der Biodiversität mit ihren drei großen Bereichen, die eng miteinander verzahnt sind: die Vielfalt der Ökosysteme, die Vielfalt der Arten und die genetische Vielfalt innerhalb der Arten. Und auch der Dialog mit den Bürgern sei honoriert worden.

Klare Priorität legten die Kandidaten auf ÖPNV, Rad- und Fußverkehr sowie die Reaktivierung der Bahnstrecke Lebach-Jabach-Wadern-Merzig-Losheim am See. „In dieser Frage werden Kreis und Stadt zusammenarbeiten“, kommentiert Borger die Empfehlung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und der Allianz Pro Schiene. „Es geht nicht um Posten bei einer Zusammenarbeit mit einer anderen Partei, sondern nur um Inhalte, Inhalte, Inhalte.“

Die FDP kann nach den Worten ihres Kreisvorsitzenden Bernd Altpeter in allen Kommunen Verantwortung übernehmen. Zugewinne gab es in Perl, Beckingen und Mettlach, zudem gelang der Wiedereinzug in den Merziger Stadtrat. Die 10,1 Prozent von Angelika Hießerich-Peter, die für die Liberalen als Bürgermeisterin in Merzig kandidierte, nennt er „eine Marke, auf die man aufbauen kann“. Was den FDP-Mann allerdings nicht zufrieden stimmt: Die Mehrheit, die CDU und FDP bislang im Kreistag hatte, ist weggeschmolzen. „Ich habe der Union immer gesagt, wenn ihr einen Sitz verliert und wir einen hinzugewinnen, bleibt alles beim Alten.“ Doch der Wähler habe anders entschieden: „Die CDU hat zwei Sitze verloren, wir aber keinen hinzugewonnen.“ Er vermutet, dass es jetzt auf eine schwarz-grüne Koalition im Kreistag hinausläuft.

„Das werden Gespräche ergeben, die geführt werden“, sagt CDU-Kreisparteichef Marcus Hoffeld, der bei den Ergebnissen „Licht- und Schattenseiten“ sieht. Als Erfolg verbucht er den Wahlsieg von Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich mit 62,6 Prozent. Dies sei „der Lohn für ihre engagierte und tolle Arbeit“. Auch die Bestätigung, die ihm die Wähler mit 57,1 Prozent für seine zweite Amtszeit als Merziger Bürgermeister gaben, freut ihn, ebenso dass seine Parteifreunde aus Mettlach in den SPD-dominierten Orten wie Orscholz, Nohn oder Saarhölzbach die Mehrheit holten. Allerdings musste seine Partei im Merziger Stadtrat Einbußen von fünf Prozent hinnehmen. Bitter nennt er den Verlust der absoluten Mehrheit der Perler CDU im Gemeinderat, ebenso den der Beckinger Parteifreunde. Traurig sei auch, dass der CDU-Bürgermeisterkandidat Norbert Müller in Losheim es nicht in die Stichwahl geschafft hat. „Wir müssen lernen, wie wir besser werden können, von den Parteifreunden, die gute Ergebnisse einfahren, lernen“, sagt er. Die CDU sei bei der Kommunalwahl trotz Verlusten stärkste Partei geblieben. Nach diesem Warnschuss gelte es, das verlorengegangene Vertrauen wieder zurück zu gewinnen, mahnt er. „Wir müssen uns zusammensetzen und die Ergebnisse genau unter die Lupe nehmen.“

Das ist eine Aufgabe, die auch SPD-Kreisparteivorsitzende Martina Holzner angehen will. War es die Affäre um das Flüchtlingshotel auf Kappelt in Saarhölzbach oder war es die Konsequenz von Sozialdemokraten, die sich nach Bekanntwerden des Skandals von Getreuen der Hauptprotagonisten lossagten: Über die Gründe, warum die Sozialdemokraten in Mettlach so abgestraft worden sind, will sie nicht spekulieren. „Wir müssen alles analysieren und überlegen, wie es weitergeht“, sagt sie und verweist auf die Liste guter Kandidaten, die sich zur Wahl stellten.

„Natürlich hätten die Ergebnisse mancherorts besser sein können“, räumt sie ein und verweist auf den Verlust der Ortsvorsteher in Orscholz und Saarhölzbach. Auch in Besseringen habe die SPD im Ortsrat die Mehrheit einbüßt. Dagegen habe die SPD das bislang von der CDU dominierte Schwemlingen gewonnen, ebenso wie den Beckinger Ortsteil Reimsbach, in dem die Christdemokraten lange den Ortsvorsteher stellten. „Im Löstertal hat Eric Meyer nur 17 Stimmen weniger erhalten als der Amtsinhaber – ein Ergebnis, das erfreulich überraschte.“ Auch in Perl sei es für die Genossen gut gelaufen.

„Das Ergebnis halten und einen Zugewinn machen“, hatten sich die Linken nach den Worten ihrer Doppelspitze, Max Hewer und Dagmar Ensch-Engel, als Ziel gesetzt. „Das ist uns gelungen. Wir konnten auf Kreisebene rund 900 Stimmen dazu gewinnen und beide Kreistagsmandate verteidigen“, sagt Kreisparteichef Hewer. Reinhold Engel und Ewa Tröger sollen laut Hewer in das Gremium einziehen. In Perl habe die Partei das beste Kreistags-Ergebnis für diese Gemeinde überhaupt erzielt. Die erneute Wahl ist nach Ansicht von Ensch-Engel die Bestätigung ihrer Politik.

Bei der Stadtratswahl Merzig haben die Linken laut ihrer Parteispitze rund 300 Stimmen zugelegt, bei der Gemeinderatswahl in Losheim um 100. Auch in den Gemeinden Weiskirchen und Mettlach konnten die Mandate gehalten werden. Zwar wurden in der Gemeinde Beckingen Stimmen verloren, räumen Hewer und Ensch-Engel ein. Positiv bewerten sie, dass die Linken statt in drei nun in fünf Ortsräten vertreten sind. Mit zwei Vertretern seien die Linken auch im Beckinger Gemeinderat vertreten: Ensch-Engel (MdL) und Hansi Oehm. Den Sprung in den Waderner Stadtrat habe man nicht geschafft, allerdings den in die Ortsräte von Merzig und Mettlach. „Unser Fokus wird auf sozialen Themen wie Bildung, Jugend, Ortskerne, Gesundheitsversorgung und Mobilität liegen“, sagt Max Hewer.

Bernd Altpeter Foto: LandkreisMerzig-Wadern
Dagmar Ensch-Engel Foto: BeckerBredel
Marcus Hoffeld Foto: Klaus Kulle/KLAUS KULLE
Max Hewer Foto: Reinhold Engel
Klaus Borger Foto: Klaus Borger
Josef Dörr Foto: BeckerBredel
Martina Holzner Foto: SPD-Landtagsfraktion/Tom Gundelwein

Künftig wird auch die AfD im Grünen Kreis mitmischen – im Kreistag sowie im Stadtrat von Merzig und in den Gemeinderäten von Weiskirchen, Beckingen und Losheim. „Stellen wir in der Gemeinde Losheim am See nur ein Gemeinderatsmitglied, so ziehen wir in allen Gremien in Fraktionsstärke ein“, sagte AfD-Landesvorsitzender Josef Dörr. Dass seine Partei im Grünen Kreis im Wahlkampf kaum in Erscheinung trat, war nach seinen Worten der späten Entscheidung geschuldet, im Grünen Kreis zu kandidieren. „Wir haben alle Unterlagen in letzter Minute beantragt“, verrät er.