Wie aus Fremden Freunde werden

Die meisten der Flüchtlinge, die in der Gemeinde Perl leben, stammen aus Syrien, der Rest aus Eritrea oder dem Irak. Viele von ihnen haben hier ein neues Zuhause gefunden, auch wenn die Sprachbarrieren hoch sind.

Schon über zwei Jahre ist es her, dass in Perl die ersten Flüchtlinge eingetroffen sind. Genau genommen war das im Januar 2014, wie die Gemeinde mitteilte. Seitdem haben die Perler 142 Personen aufgenommen, von denen heute noch 112 (89 Erwachsene und 23 Kinder) in der gesamten Gemeinde Perl leben - 69 in Perl , 18 in Nennig, 15 in Oberleuken, je 4 in Besch und Sinz und 2 in Oberperl. Die meisten kommen aus dem syrischen Raum, der Rest aus Eritrea und dem Irak.

Und seit 2014 kümmert sich das ehrenamtliche Flüchtlingsteam in einer "Rundumbetreuung" um diese Menschen. Die Helfer begleiten die neu angekommenen Flüchtlinge durch die ersten Tage. Sie fahren mit ihnen zu Behörden, zum Jobcenter oder zur Landesaufnahmestelle, nehmen Termin-Planungen jeglicher Art wahr, betreuen die Kinder, wenn die Erwachsenen zu Terminen müssen oder Deutschkurse besuchen. Sie helfen bei kleineren Handgriffen im Haushalt oder bei Problemen im Alltag. Auch sind durch ihre Hilfe bereits einige Jugendliche in Vereine innerhalb der Gemeinde integriert worden.

Reden mit Händen und Füßen

Die Unterstützung aus der Perler Bevölkerung wachse, so die Helfer. Auch die Kooperation mit der Gemeinde läuft gut, was auch die Flüchtlinge selbst bestätigen. Mit der Unterhaltung hapere es jedoch noch; sie läuft mal auf Deutsch, mal auf Englisch oder mal "mit Händen und Füßen"; jeder lernt langsam vom anderen. In einem von der CEB Merzig in der Grundschule in Perl durchgeführten Deutschkurs hat Deutschlehrer Wilfried Zielke aus Oberleuken in 320 Stunden in drei Monaten einigen die deutsche Sprache näher gebracht: 28 haben den Kurs begonnen, aber nur 18 haben durchgehalten. Die anderen, so Zielke, seien teils in andere Kurse wohnortnäher abgewandert oder hätten kein Interesse mehr gezeigt.

Für viele Flüchtlinge ist es wichtig, den Kontakt zur Bevölkerung und zu Vereinen herzustellen. Deshalb hatte das Helferteam im Oktober ein Kennenlern-Fest organisiert. Seit einigen Wochen veranstaltet das Team an jedem Mittwoch-Nachmittag ab 15 Uhr in der Grundschule Perl im alten Schultrakt ganz oben unterm Dach eine Kaffee- und Gesprächsrunde, zu der alle Bürger eingeladen sind. In lockerer Atmosphäre werden hier deutschsprachige Kontakte aufgenommen.

"Wir wollen, dass die Bevölkerung uns nicht als eine Gefahr ansieht, sondern als neue Bürger der Gemeinde", äußerten sich die vier jungen Syrer Adel-Abu Zeineh, Adeeb M.Ali Abo Ras, Baraa Mosatat und Yasser Hadla gegenüber der SZ. Sie sehen Deutschland als ihre neue Heimat an. Sie wollen hier lernen und in einen Beruf einsteigen. Denn viele von ihnen hätten in ihrer Heimat keinen Berufsabschluss machen können. Deshalb würden sie sich über jede Beschäftigung freuen. "Wir wollen arbeiten, wir wollen helfen, zum Beispiel im Altenheim, wir wollen ins Gespräch kommen mit der Perler Bevölkerung."

Wille zur Integration

Darum haben sie auch schon in Perl einige Aktionen gestartet, unter anderem eine Reinigungsaktion in der Einkaufsmeile von Perl , wo sie den achtlos weggeworfenen Müll von der Bahnhofstraße, der Triererstraße bis zur Grundschule in der Hubertus-von-Nell-Straße eingesammelt haben. Auch unterstützen sie das Helferteam tatkräftig bei der Ausgabe der Tafel und Kleiderkammer sowie bei den Kaffee-Nachmittagen. "Das ist gut für unsere Integration." Die Leute in Perl seien sehr freundlich und hilfsbereit, auch die Gemeinde helfe bei ihren Integrationsbedürfnissen und bei der Arbeitssuche. Diese offene Herzlichkeit, so hoffen die vier jungen Syrer für alle Asylanten, könne viel dazu beitragen, dass aus "Fremden" sehr schnell "Freunde " werden können.