Was tun gegen den Pflegenotstand?

Was tun gegen den Pflegenotstand?

5700 Pflegekräfte fehlen im Saarland bis 2030. Auch die Kosten schnellen in die Höhe. Was können Kommunen und Kreise tun? Das war gestern Thema bei der Hauptversammlung des Landkreistages.

Die Zahlen, die der Landkreistag (LKT) gestern vorgelegt hat, sprechen eine deutliche Sprache: Zwischen 2007 und 2013 ist die Zahl der Pflegebedürftigen im Saarland um 14 Prozent auf 34 100 Menschen gestiegen - bis 2030 werden mehr als 40 000 Menschen zu versorgen sein. Gleichzeitig schnellten die Kosten für die Hilfe zur Pflege, also die Mittel, mit denen die Kommunen Pflegebedürftige unterstützen, die ihren Pflegeaufwand nicht aus eigenen Mitteln stemmen können, in die Höhe. So seien zwischen 2012 und 2014 die Kosten bei der Hilfe zur Pflege um 17 Prozent auf rund 74 Millionen Euro angewachsen, sagte der LKT-Vorsitzende, der Saarlouiser Landrat Patrik Lauer (SPD ). Wie im Saarland die gesundheitliche und pflegerische Versorgung angesichts einer älter werdenden Gesellschaft in der trotz Bevölkerungsrückgangs der Anteil der Menschen mit Versorgungsbedarf steigt, gesichert werden kann und welchen Beitrag Kommunen und Kreise hierzu leisten können, war gestern Thema der Hauptversammlung des Landkreistags in Perl-Borg.

Um den Anstieg der Pflegekosten in den Griff zu bekommen, sprachen sich Landkreise, Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU ) und der Sozialverband VdK für eine Stärkung der ambulanten Pflege aus, wie sie von den meisten Menschen auch gewünscht werde.

Im Interesse der pflegebedürftigen Menschen müssten Landkreise sowie die Kranken- und Pflegekassen stärker zusammenarbeiten. Der VdK warnte vor einem Pflegenotstand . "Trotz steigender Ausbildungskapazitäten werden im Jahr 2030 alleine im Saarland 5700 Pflegekräfte fehlen", sagte der VdK-Vorsitzende Armin Lang. Wichtig sei daher auch die Prävention. So plädierte er dafür, im Saarland den "präventiven Hausbesuch bei Senioren" zu erproben, mit dem die Pflegeheimaufnahmen vermieden werden sollen.

Ministerin Bachmann erklärte, das Land werde in jedem Landkreis eine halbe Stelle für Seniorenlotsen finanzieren, die ältere Menschen, die noch nicht pflegebedürftig sind, aber allein leben, unterstützen. Auch müsse mehr dafür getan werden, die hohen Abbrecherquoten bei den Auszubildenden in der Pflege zu senken. Eine Entlastung der Pflegenden gehe nur mit mehr Personal. So habe das Land mit 21 Partnern am Mittwoch offiziell den Pflegepakt gestartet, mit dem Ziel, bis 2020 eintausend zusätzliche Stellen in der Pflege zu schaffen. Der LKT beschloss gestern offiziell, Mitglied des Pflegepaktes zu werden.

Die Leiterin des Arbeitsbereiches Innovative Versorgungsformen und Gesundheitssystemforschung an der Universität in Frankfurt/Main, Antje Erler, stellte der Versammlung Beispiele aus anderen Bundesländern vor, wie Kommunen dort versuchen, ihre gesundheitliche Versorgung neu zu organisieren. Neben dem demografischen Wandel und seinen Folgen müsse dabei auch der Nachwuchsmangel bei Hausärzten im ländlichen Raum berücksichtigt werden. Es müssten Modelle geschaffen werden, die auch den veränderten Wünschen der Nachwuchsmediziner Rechnung trügen. So scheuten viele das Risiko der eigenen Praxis und bevorzugten ein Angestelltenverhältnis sowie die Arbeit im Team. Auch feste Arbeitszeiten und flexible Arbeitszeitmodelle wünschten sich viele junge Ärzte. Kommunen könnten durch lokale Gesundheitszentren attraktive Arbeitsmodelle schaffen, in denen Ärzte und andere Gesundheitsberufe zusammenarbeiten. Es gebe auch Kommunen, die Medizinstudenten finanziell förderten und diese dazu verpflichteten, zumindest eine Zeit lang in ihrer Gemeinde tätig zu sein.

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