Wandern im Saarland: die Traumschleife Dolinenweg bei Perl-Nennig

Wandern bei Perl : Unterwegs auf Perls neuer Traumschleife

Über etwas mehr als neun Kilometer führt der Dolinenweg bei Nennig durch Wälder, Berge und – natürlich – vorbei an Dolinen.

Ich bin nicht allein. Rund 150 Männer, Frauen, Kinder und Hunde in allen Altersklassen haben sich nicht von der Kategorie „mittelschwer“ oder der prognostizierten Gesamtlänge von etwa 9,4 Kilometern abschrecken lassen. Wir alle haben uns am Landgasthaus „Die Scheune“ in Perl-Nennig mit festem Schuhwerk eingefunden und freuen uns auf die Teilnahme an der Eröffnungswanderung auf der Traumschleife Dolinenweg. Ich selber, ein Neu-Saarländer, den dieses große Interesse zunächst mal doch etwas überrascht, weiche dem Wanderführer Edi Klein beim Start nicht von der Seite. So viel vorweg: Nach der Wanderung über diese perfekt ausgeschilderte Traumschleife mit tollen Blicken ins Moseltal, durch abwechslungsreiche Wälder, gepflegte Weinberge und vorbei an den namengebenden Dolinen überrascht mich diese Begeisterung der Saarländer nicht mehr.

Beim Start in Nennig lässt mich anfangs der kontinuierliche Aufstieg in den Wald – zugegeben – ganz schön schnaufen. Aber Klein beruhigt: „Das hier ist die einzige etwas anstrengende Steigung.“ Die anderen Wanderer sind da offensichtlich deutlich fitter, so bleibt die große Gruppe erstaunlich dicht beisammen. Selbst ohne den Wanderführer wäre die Orientierung ein Kinderspiel. Überall weisen kleine Hinweisschilder den Weg, und da, wo es was Interessantes zu sehen gibt, sorgen informative Texte schnell für neue Erfahrungen.

So lerne ich unter anderem, was dieser neuen Traumschleife ihren Namen gegeben hat. Als Dolinen (vom slawischen dolina – „Tal“ – abgeleitet), bezeichnet man trichterförmige Senken in Karstgebieten, wo das Erdreich durch unterirdische Wasseradern abgesackt ist. Dass solche geologischen Phänomene auch hier zu bewundern sind, beweist dieser attraktive Dolinenweg.

Dass unserem Wanderführer Klein die ihm anvertraute Pflege der Traumschleifen im Kreisgebiet Merzig-Wadern eine Herzensaufgabe ist, bestätigt er auf Schritt und Tritt. Bei den Stürmen der letzten Wochen auf den Wanderweg gefallene Äste räumt er automatisch mit geschickten Fußtritten aus dem Weg. Und ein kleiner Waldbereich, wo die Stürme ernsthaften Schaden angerichtet haben, ist aus Sicherheitsgründen vorab abgesperrt worden – nicht mal eine passende Umleitung suchen wir Wanderer hier vergeblich.

So folgen wir dem Dolinenweg in herrlicher Ruhe durch den Wald. Einmal grüßen uns Reiter beim Vorbeireiten. Klein sagt: „So liebe ich es, wenn sich Waldbenutzer bei ihrer individuellen Nutzung der herrlichen Landschaft gegenseitig verstehen.“ Dass dies nicht immer so störungsfrei verläuft, wird mir wenig später klar, als sich knatternde Motorräder auf unserem schmalen Waldpfad nähern. Prompt erscheinen zwei Motorradfahrer. Wohl aus dem Wissen, dass sie hier nichts zu suchen haben, haben sie die Kennzeichen abmontiert. Dumm gelaufen: Plötzlich stehen ihnen mitten im Wald 150 Zeugen gegenüber, bei denen sich die Helmmaskierten, von Klein zur Rede gestellt, nur noch stotternd entschuldigen können. Was soll’s – weiter geht’s.

Zwischendurch registriere ich mit stiller Bewunderung, wie einige Mütter ihren Nachwuchs in Kinderwagen über mehrere steile Engpässe des Dolinenweges manövrieren. Klar packen da Mitwanderer mit an.

So führt uns dieser neue Dolinenweg mit „mittelschwerem Schwierigkeitsgrad“ durch traumhafte Landschaftsbilder. Nach rund drei Stunden grüßt beim Gang durch einen Weinberg von Ferne schon wieder Victor’s Residenz-Hotel Schloss Berg. Und genau dort am Ausgangspunkt unserer Wanderung ist bereits alles vorbereitet für unsere Ankunft.

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