Von Nennig in die Provence: Wie Familie Colling eine neue Heimat fand

Nennig : Ein Leben (fast) wie Gott in Frankreich

Von der Obermosel in die Provence: Wie sich Karl und Martina Colling aus Nennig ihren Auswanderertraum erfüllten.

Leben wie Gott in Frankreich: Für Karl (64) und Martina Colling (62) ist dieser Traum Wirklichkeit geworden. Oder?

Mirabel-aux-Baronnies in der Provence, die Wahlheimat der saarlaendischen "Auswanderer" Karl und Martina Colling, die in ihrem Haeuschen auch zwei Ferienwohnungen betreiben. Foto: Rolf Ruppenthal. Foto: Ruppenthal
Eine Attraktion:  die Carrières  de Lumières, eine imposante Multivisions-Schau  mit Musik in den  Höhlen eines ehemaligen Steinbruchs. Foto: Ruppenthal

 Rückblick: Nachdem Karl Colling in Pension gegangen war – er arbeitete 32 Jahre lang beim Europäischen Parlament –  ist er mit seiner Ehefrau vor einigen Jahren von Nennig nach Südfrankreich gezogen, genau genommen in die Provence – des wärmeren Klimas und der Gesundheit wegen. Ein mutiger Schritt, wie sich erst danach herausstellen sollte, denn ein solcher Wechsel vom idyllischen Nennig an den Fuß des Mont Ventoux ins noch idyllischere Mirabel aux Baronnies funktioniert auch bei bester Vorbereitung alles andere als reibungslos.

Lavendel - eines der besonderen Markenzeichen der Provence. Foto: Rolf Ruppenthal. Foto: Ruppenthal
Avignon - hier mit seiner berühmten  „halben“ Bruecke an der Rhone - ist gerade einmal 40 Kilometer von  Mirabel-aux-Baronnies entfernt. Foto: Ruppenthal

 Heute leben die Collings im eigenen Häuschen am Rande des lauschigen Örtchens, vermieten das ganze Jahr über zudem zwei Ferienwohnungen. Bis dahin war es jedoch ein langer, steiniger und mühevoller Weg – viel aufwendiger als die beiden „Auswanderer“ ursprünglich gedacht hatten.

Die grandiose Landschaft rund um Mirabel-aux-Baronnies können Karl und Martina Colling tagtäglich genießen. Foto: Ruppenthal
Die Märkte in der Provence haben  viel  für die Besucher zu bieten. Foto: Ruppenthal

Schon der Umzug geriet zum Abenteuer. In zwei Etappen – einem kleinen und einem ganz großen Umzug – ging es mit zwei Lkw und mehreren Containern nach Südfrankreich. Aber trotz allem Aufwand, vieler Ideen und sorgfältiger Planung sollte ein vollständiger Neuanfang notwendig werden.

Auch der Hausbau verlief keineswegs so wie geplant. „Hier gehen die Uhren anders als bei uns im Saarland“, erklärt dazu Karl Colling. Und auch die südfranzösischen Handwerker haben ihre ganz spezielle Mentalität. Für alles brauchte es mindestens zwei Anläufe, manchmal sogar etliche mehr – das war nervenaufreibend, erinnert sich das Ehepaar. Die Küche musste völlig neu konzipiert werden, denn mit der vorgegebenen, gänzlich unmöglichen Aufteilung wollte sich insbesondere Martina Colling nicht zufrieden geben. Auch in Sachen Toilettenbau hatte man in Südfrankreich gänzlich andere Vorstellungen. Toiletten ohne Waschbecken akzeptierten die Collings nicht, und Waschbecken ohne Anschluss wie von den Handwerkern praktiziert, brachten die beiden Saarländer mehr als einmal auf die Palme.

 Inzwischen steht das Haus, und alles ist nach den Wünschen von Karl und Martina Colling realisiert worden, auch wenn es lange Zeit ein wahrer Hindernislauf war.

Das Haus mit seinen Ferienwohnungen, eine 80 Quadratmeter, die andere 50 Quadratmeter groß, hat mehr als einmal inzwischen seine Feuerprobe bestanden. Zahlreiche Freunde und Saarländer haben hier inzwischen ihre Ferientage verbracht, waren von der Region, aber auch von ihren Gastgebern begeistert. „Die prächtige Landschaft und das Wetter hier hat uns für all die Mühen mehr als entschädigt“, versichern Karl und Martina Colling.

Nach einem turbulenten und heißen Sommer ist jetzt etwas Ruhe in Collings neuen Wohnort Mirabel-aux-Baronnies und ihre Wohnanlage Gites Josiol eingekehrt. In diesem Jahr führte gar die Tour de France nur wenige Meter von der Haustür der Collings entfernt auf dem Weg gen Paris vorbei. „Und die beiden vergangenen Sommer waren auch extrem heiß“, erinnert sich Karl Colling. Da kam den Besuchern der Swimmingpool unmittelbar vor der Haustür gerade recht. Und auch die direkte benachbarte Freiluftküche leistete da ideale Dienste. Aber auch im Winter kommen Besucher, zumal die Preise dann günstiger sind.

Ganz schön kühl kann es dann werden, insbesondere wenn der Mistral aus den Bergen bläst. Ein zumeist blauer Himmel auch im Winter verwöhnt die Besucher dann dennoch. „Und wir hatten auch schon Weihnachten und Silvester bei 16 bis 18 Grad“, führt Martina Colling dazu aus, zumeist ideale Temperaturen zum Wandern und zum Radfahren. Der legendäre Mont Ventoux liegt direkt vor der Haustür, selbst das attraktive Avignon ist nicht weit, gerade einmal 40 Kilometer, entfernt. Und jede Menge berühmte Weinbauorte gibt’s en masse in direkter Nähe.

Der Kontakt in die Heimat ist bei den Collings aber nie abgerissen und so kommen viele Freunde und Bekannte aus dem Saarland und dem Grünen Kreis immer wieder gerne nach Mirabel-aux-Baronnies. Die Mund-zu-Mund-Propaganda tut ihr Übriges. Gute Freunde sorgen zudem für einen gut funktionierten „Kurierdienst“, so dass das gute saarländische Bier und die Lyoner fast nie ausgehen. Ansonsten gibt es hier fast alles nur wenige Fußminuten entfernt in der idyllischen Ortsmitte zu kaufen. Es läuft inzwischen also gut bei den Collings in Südfrankreich. Zuversichtlich sieht man deshalb der näheren Zukunft entgegen.

 „Ewig werden wir wahrscheinlich aber auch hier nicht bleiben“, meint ein nachdenklicher Karl Colling dazu. „Irgendwann geht’s wieder zurück in die Heimat, der Gesundheit und der für uns doch besseren medizinischen Versorgung im Saarland wegen“, ergänzt Martina Colling. Bis dahin wollen sie noch ein wenig leben – eben wie Gott in Frankreich, und mit ihren Besuchern aus dem Saarland vergnügliche Tage verbringen.

Kontakt: mcolling@gmx.fr, Tel. (0033) 475-270573, Tel. (0049) 151-235-24662, www.provence- comfort.de.