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Vom Soldat zum Gastwirt

Perl Von SZ-Redakteur Christian Beckinger

Perl. Dass das Gasthaus "Alte Maimühle" in Perl seit kurzem einen neuen Betreiber hat, ist auch Paul Walser zu verdanken: Der Berater des Berufsförderungsdienstes (BFD) bei der Bundeswehr in der Merziger Kaserne auf der Ell hat Frederik Theis dabei unterstützt, den Weg aus dem Bundeswehrdienst zurück in einen Zivilberuf - hier in die berufliche Selbstständigkeit - erfolgreich zu beschreiten. Acht Jahre lang diente Frederik Theis, heute 30, als Soldat auf Zeit an verschiedenen Bundeswehr-Standorten, 2007 begann seine berufliche Wiedereingliederung, bei der ihn der BFD unterstützte. Dazu ist der Bund auf Grund seiner im Soldatenversorgungsgesetz definierten Fürsorgepflicht verpflichtet, erläutert Walser: "Nur die wenigsten Soldaten auf Zeit schaffen es, als Berufssoldat übernommen zu werden. Am Ende ihrer Dienstzeit sind sie aber mehrere Jahre aus dem 'normalen' Berufsleben raus. Das würde ihnen enorme Schwierigkeiten bereiten, nach dem Ausscheiden aus der Bundeswehr eine Beschäftigung zu finden." Im Falle von Frederik Theis war es so, dass er unmittelbar nach der Schule seine Bundeswehr-Laufbahn begann - also ohne Ausbildung. "Berufssoldat war zwischenzeitlich für mich schon eine Alternative, aber das hat sich im Laufe der Zeit gewandelt", sagt er heute. So begann schon 2006, gut ein Jahr vor Ablauf seiner Dienstzeit, seine Vorbereitung auf die Eingliederung in einen Zivilberuf. Er wurde 15 Monate lang vom Bundeswehr-Dienst freigestellt, machte eine Ausbildung zum Restaurantfachmann, unter anderem im Victors' Residenz-Hotel Schloss Berg in Nennig. Ausbildung zum SommelierParallel dazu besuchte er die Deutsche Wein- und Sommelierschule in Koblenz, wo er sich zum Weinfachmann (Sommelier) ausbilden ließ. Im Juni 2007 absolvierte er seine Prüfung zum Restaurantfachmann vor der IHK Trier. 2008 legte er vor der saarländischen Industrie- und Handelskammer die Ausbilder-Eignungsprüfung an. Damit hatte er alle notwendigen Qualifikationen in der Tasche, um in die gastronomische Selbstständigkeit einzusteigen. In der Alten Maimühle, die sich seit Jahrzehnten im Besitz der Familie Theis befindet, will Frederik Theis jetzt alte Traditionen fortführen: Nach mehr als zehn Jahren unter Fremdbewirtung möchte er das Gasthaus neben dem Perler Bahnhof in die Zukunft führen. Unter anderem mit einer umfangreichen Vinothek will Theis seine Gäste ansprechen. Mehr als 200 Weine aus verschiedenen Anbauflächen der moselfränkischen Region kann er nach eigenen Angaben in der Gaststätte offerieren. Dazu kommen typische regionale Speisen.Wie Paul Walser hofft auch Markus Grunenberg, der Leiter des BFD in Trier, dass Frederik Theis der Einstieg in die Selbstständigkeit gelingen wird. Wobei ihn eines zuversichtlich stimmt: "Unsere Eingliederungsstatistik weist eine Erfolgsquote von über 90 Prozent aus." Schon in der Grundausbildung gibt es für jeden Zeitsoldaten ein erstes Informationsgespräch über die Leistungen des BFD, später folgen Einzelberatungen. Paul Walser: "Wir machen alles, von der Schul- über die Berufsausbildung bis hin zum Studium." Er betreue derzeit auf der Ell 548 aktive und etwa 160 ehemalige Soldaten. Beim BFD gebe es zudem eine eigene Stellenbörse, in der Unternehmen und Betriebe Ausbildungs- und Arbeitsplätze anbieten.


StichwortDen Berufsförderungsdienst (BFD) bei der Bundeswehr wurde schon 1958, kurz nach Aufstellung der Bundeswehr selbst, gegründet. Er ist in verschiedene Betreuungsteams untergliedert, die an den einzelnen Standorten im Saarland angesiedelt sind. Der BFD ist Teil des Kreiswehrersatzamtes Saarlouis, sein Sitz befindet sich allerdings in Trier. Aufgabe des BFD ist es, die ausscheidenden Zeitsoldaten durch schulische und berufliche Bildung am Ende der Dienstzeit erfolgreich in einem Zivilberuf zu etablieren. Die berufliche (Wieder-) Integration der Soldaten beginnt bereits in deren aktiver Dienstzeit durch ein umfassendes allgemeinberufliches, berufsspezifisches und berufsaufbauendes Bildungsangebot. Der zeitliche und finanzielle Umfang der Förderung richtet sich nach der Dauer der Zeit, für die der Soldat sich bei der Bundeswehr verpflichtet hat. Für eventuell notwendige Umschulungs- oder Ausbildungsmaßnahmen werden die Soldaten zudem zwischen drei und 24 Monaten vom Dienst freigestellt und erhalten eine Übergangsbeihilfe. cbe