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Der neue Obermoselwein ist da
Trauben trotzten den Widrigkeiten des Wetters

Bei der Jungweinprobe in der Vinothek der Perler Maimühle stellen Weinkönigin Ruth Capl (Vierte von rechts) und Prinzessin Lisa Schmitz (Fünfte von links) den neuen Weinjahrgang vor, zusammen mit den saarländischen Obermosel-Winzern (von links) Georg Baron von Hobe-Gelting (Weingut Schloss Thorn), Markus Foetz (Moselland EG), Peter Petgen (Weingut Karl Petgen), Simon Ollinger (Bio-Weingut Ollinger-Gelz), Gerd Petgen (Sekthaus Petgen), Helmut Herber (Ökonomierat Herber), Edgar Gales (Weingut Gales) und Markus Hartmann (Weingut Willy Hartmann).
Bei der Jungweinprobe in der Vinothek der Perler Maimühle stellen Weinkönigin Ruth Capl (Vierte von rechts) und Prinzessin Lisa Schmitz (Fünfte von links) den neuen Weinjahrgang vor, zusammen mit den saarländischen Obermosel-Winzern (von links) Georg Baron von Hobe-Gelting (Weingut Schloss Thorn), Markus Foetz (Moselland EG), Peter Petgen (Weingut Karl Petgen), Simon Ollinger (Bio-Weingut Ollinger-Gelz), Gerd Petgen (Sekthaus Petgen), Helmut Herber (Ökonomierat Herber), Edgar Gales (Weingut Gales) und Markus Hartmann (Weingut Willy Hartmann). FOTO: Ruppenthal
Perl. Die saarländischen Obermosel-Winzer präsentieren am Freitag, 20. April, in Saarbrücken beim SZ-Weinforum (14 bis 18 Uhr) und dann am Samstag und Sonntag, 21. und 22. April, in Perl den neuen Weinjahrgang aus dem Saarland. Von Martin Trappen

Kälte, Regen und Schädlinge – schon das Jahr 2016 hatte die Perler Winzer auf Trab gehalten. Doch 2017 sollte sich als noch deutlich schwieriger herausstellen. Das verriet Gerd Petgen, Präsident des Saarländischen Winzerverbandes, bei der traditionellen Jungweinprobe für die SZ-Redaktion Merzig-Wadern am vergangenen Freitag im Restaurant Maimühle in Perl. „Nicht lange nach der Jungweinprobe im vergangenen Jahr setzte plötzlich der späte Frost ein“, erinnerte sich der Winzerpräsident. „Bei der Probe hatten wir noch mit einem traumhaften Jahr gerechnet, aber diesen Traum machte der heftige Frost im April schnell zunichte. Zahlreiche Reben gingen bereits zugrunde, bevor sie auch nur eine Chance hatten, zu blühen.“ Der Frost hat Petgens Worten zufolge allen Perler Winzern zu schaffen gemacht, hinzu kam für einige noch häufiger Hagelschlag. Dieser sei jedoch lokal beschränkt gewesen. „Das hängt alles vom Glück ab“, erläuterte Gerd Petgen, „bei einem Hagelschauer können schon ein paar hundert Meter den Unterschied machen, ob die eigenen Reben davon betroffen sind oder nicht.“


Dadurch sei ein „extremer Jahrgang“ 2017 entstanden, der zwar einen nur geringen Ertrag hervorgebracht habe, dafür aber für ungewöhnliche Aromen in den etablierten Weinsorten sorgte – und nach Petgens Auffassung für „kräftige, kernige, variantenreiche“ Tropfen.

Was der Jahrgang 2017 für Weinliebhaber bereithält, das demonstrieren die Obermosel-Winzer auf ihrem traditionellen „Proufdach“ am kommenden Wochenende (21./22. April) in Perl. Und auch bei der SZ in Saarbrücken können Weinfreunde den neuen Jahrgang aus dem Saarland kosten – beim SZ-Weinforum am Freitag, 20. April, einen Tag vor dem „Proufdach“ (siehe „Auf einen Blick“).



Zehn Weine – neun aus dem Jahr 2017 und einen aus dem Jahr 2016 – haben die Perler Winzer bei ihrer Jungweinprobe vorgestellt. Den Probier-Reigen eröffnete ein trockener Elbling vom Bioweingut Ollinger-Gelz aus Sehndorf. Den Tropfen beschrieb Simon Ollinger als „unspektakulär, aber für einen Elbling nicht ganz typisch“. Der Wein komme sehr ausgewogen daher, mit einer Säure von sechs Gramm pro Liter und einem Restzucker von fünf Gramm pro Liter sowie einem Alkoholgehalt von elf Prozent (Preis: sechs Euro).

Dabei hätten sich die Probleme der Winzer der Region auch auf dem Bioweingut bemerkbar gemacht, berichtete Ollinger. „Wir hatten wirklich einen historisch geringen Ertrag beim Elbling, 60 Liter pro Hektar, das war der niedrigste Ertrag seit Bestehen des Weinguts“, verriet der junge Winzer aus Sehndorf. In ihrem Biobetrieb sei dies besonders aufgefallen, da bei Ollinger-Gelz ausschließlich von Hand gelesen werde.

„Wir drehen wirklich jede einzelne Traube in der Hand um“, erzählte Simon Ollinger.

Nummer zwei bei der Verkostung war ein trockener Weißburgunder, den Edgar Gales vom gleichnamigen Weingut aus Nennig vorstellte. „Er ist voluminös, fruchtig, elegant“, beschrieb Gales den Tropfen. „Wir hatten im vergangene Jahr vor allem mit viel Fäulnis zu kämpfen“, erzählte der Winzer, eine Folge des frühen Frosts. „Der Jahrgang hat sich generell durch eine frühe Blüte ausgezeichnet“, ergänzte Gales. Die Chancen auf einen guten Jahrgang seien im Prinzip bereits im Juni vorbei gewesen, denn danach folgte nur noch schlechtes Wetter. „Erstaunlich ist, dass die Trauben dennoch reif geworden sind und wir sogar ein gutes Mostgewicht erreicht haben, sprich eine hohe Masse des Mostes im Verhältnis zu seinem Volumen“, betonte Gales. Trotz aller Schwierigkeiten sei der 2017er in Sachen Weinqualität für ihn einer der schönsten Jahrgänge, betonte Gales. Sein Weißburgunder hat eine Säure von fünf Gramm pro Liter, Restzucker von sechs Gramm pro Liter und zwölf Prozent Alkohol. Der Preis pro Flasche: 7,50 Euro.

Für die Winzer-Genossenschaft Moselland stellte Markus Foetz aus Perl einen trockenen Weißburgunder vor. Er beschrieb ihn als „fruchtig und harmonisch“. Der Weißburgunder erscheint unter der Moselland-Produktlinie „Akzente“, in der die Basisweine der Genossenschaft versammelt sind. Die Moselland-Genossenschaft stellt Wein für alle Winzer her, die ihre Erzeugnisse nicht selbst vermarkten und größtenteils nur Trauben herstellen, die sie dann an die Genossenschaft liefern, wie Foetz erläuterte. Seinen Worten zufolge gibt es in Perl zwischen 15 und 20 Winzer mit einer kombinierten Anbaufläche von rund 30 Hektar, die an Moselland zuliefern. Der Wein hat 12,5 Prozent Alkohol, eine Säure von sieben Gramm pro Liter und eine Restsüße von sechs Gramm pro Liter. Der Flaschenpreis: 4,40 Euro.

Einen Riesling hatte Markus Hartmann vom Weingut Willy Hartmann aus Perl dabei – die „Königin der Reben“, wie Hartmann betonte. Er beschrieb den Wein als „leicht, fruchtig-frisch im Geschmack, ideal für den Sommer“. Sein Weingut hatte im vergangenen Jahr mit einigen wetterbedingten Schwierigkeiten zu kämpfen, erzählte Hartmann. Der Wein sei aber dennoch gelungen, trotz eines wetterbedingt geringen Ertrages. Der Wein hat einen Alkoholgehalt von 11,5 Prozent, eine Säure von sieben Gramm pro Liter und neun Gramm Restzucker pro Liter. Der Preis: fünf Euro pro Flasche.

Im Anschluss entkorkte Ökonomierat Helmut Herber einen Auxerrois, den er von seinem Weingut aus Perl mitgebracht hatte. „Die Trauben haben wir im September geerntet“, erzählte Herber, „aber die Früchte waren alle gesund und der Wein, den wir daraus machen konnten, hat ein schönes Aroma bekommen.“ Und weiter: „In der Nase und im Mund spürt man beim Trinken ein saftiges Aroma von Mirabellen.“ Der Wein hat 12,5 Prozent Alkohol und bei Säure und Restzucker je 5,5 Gramm pro Liter. Preis pro Flasche: sieben Euro.

Ebenfalls einen Auxerrois stellte das Perler Weingut Schmitt-Weber vor. Winzer Thomas Schmitt sprach ebenfalls von einem schwierigen Jahr mit spätem Frost und einem frühen Herbst, was den Winzern zu schaffen machte. „Das Wetter hat sich aber am Ende doch noch versöhnlich gezeigt – mit einem warmen Sommer, der optimale Bedingungen für die Blüte geschaffen hat.“ Die Erntemenge sei zwar kleiner, die Trauben hätten dafür aber eine sehr gute Qualität erreicht. „Unser Auxerrois hat eine interessante Fruchtaromatik, dezente Säure und mineralische Frische“, beschrieb Schmitt seinen Tropfen. Der hat einen Alkoholgehalt von 11,5 Prozent, eine Flasche kostet 7,20 Euro.

Ein Grauburgunder war der Beitrag vom Weingut Karl Petgen aus Nennig zur Jungweinprobe. Als „wertvollste Rebsorte der Region“, bezeichnete Winzer Peter Petgen diesen Wein. Dem Geschmack des Tropfens schrieb er „schöne Aromen“ und eine „moderate Säurestruktur“ zu, obwohl es sich noch um einen jungen Wein handele. Der Grauburgunder passt Petgens Worten nach zu jeder Gelegenheit. Der Wein hat einen Alkoholgehalt von zwölf Prozent, 6,4 Gramm Säure pro Liter und sechs Gramm Restzucker pro Liter. Der Preis: 7,70 Euro die Flasche.

Winzer-Präsident Gerd Petgen vom Sekthaus Petgen aus Sehndorf stellte ebenfalls einen trockenen Grauburgunder vor. „Unser Grauburgunder hat ein ausgewogenes Frucht-Säure-Verhältnis, ist aromatisch, rund, mit vielen Fruchtaromen“, beschrieb Petgen seinen Wein. Dieser besitze „viel Potenzial durch seine Säurestruktur“. Der Winzer-Präsident: „Da sich Restzucker und Säure ungefähr die Waage halten, bleibt der Geschmack sehr ausgeglichen.“ Die Daten: Alkohol 12,8 Prozent, Säure 7,3 Gramm pro Liter und Restzucker neun Gramm pro Liter. Der Wein kostet acht Euro pro Flasche.

Ein ungewöhnlicher Wein war der Weißburgunder, der unter dem Label „Dr. Matzinger“ vorgestellt wurde. Hinter dem Namen verbirgt sich Jungwinzer Matthias Jacoby, der Käufern seines Weins den „Geschmack der Nähe“ verspricht und diesen unter dem Namen „Dr. Matzinger“ vertreibt. Das Besondere: Jacoby lässt den Wein erst ein ganzes Jahr reifen, bevor er ihn verkauft. Daher war sein Weißburgunder der einzige 2016er Wein bei dieser Jungweinprobe – mit Trauben, die im Jahr 2016 geerntet wurden, wobei der Wein erst nach Ablauf des Jahres 2017 in den Verkauf geht. Er hat zwölf Prozent Alkoholgehalt, eine Säure von 6,2 Gramm pro Liter und 6,9 Gramm Restzucker pro Liter.

Die Jungweinprobe beendete ein Tropfen aus adligem Hause: eine feinherbe Sauvignon-Gris-Auslese, vom Weingut Schloss Thorn. „Es ist ein spannender Wein“, sagte Georg Baron von Hobe-Gelting über das Produkt aus seinen Hause, das zwar bei Palzem in Rheinland-Pfalz liegt, aber dem saarländischen Winzerverband angehört. „Ich habe die Traube Sauvignon Gris vor Jahren entdeckt und sie hierher an die deutsche Obermosel importiert. Auf unserem Muschelkalkboden gedeiht dieser Wein außerordentlich gut“, führte der Baron weiter aus. Seinen Worten nach entwickelt der Sauvignon Gris Fruchtaromen wie Reine-Claude und Maracuja. „Der Wein passt besonders zu gegrillten Jakobsmuscheln, Spareribs oder asiatischen Gerichten. Dabei ist er nicht nur, wie jetzt bald, im Sommer, sondern auch im Winter vor einem prasselnden Kaminfeuer gut zu trinken“, ergänzte der Baron. Der Wein mit 11,5 Prozent Alkoholgehalt schmecke am besten bei einer Trinktemperatur von neun bis elf Grad. Zwölf Euro kostet die Flasche.

Jungweinprobe in der Vinothek der Perler Maimuehle: Winzerpraesident Gerd Petgen.

Foto: Rolf Ruppenthal/ 13. Maerz 2018
Jungweinprobe in der Vinothek der Perler Maimuehle: Winzerpraesident Gerd Petgen. Foto: Rolf Ruppenthal/ 13. Maerz 2018 FOTO: Ruppenthal