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Stillschweigen bis nach der Wahl

 Grundschule Dreiländereck: Halbtagsschule oder verpflichtende Ganztagschule? Foto: Ruppenthal
Grundschule Dreiländereck: Halbtagsschule oder verpflichtende Ganztagschule? Foto: Ruppenthal FOTO: Ruppenthal
Perl. Es habe nur Überlegungen im Kollegium und Infos für die Eltern gegeben, sagte Schulleiterin Helga Martin im Perler Rat. Sie gab zu, mit dem Bürgermeister Stillschweigen bis nach der Kommunalwahl vereinbart zu haben. Margit Stark

Läuft es nach Wunsch der CDU-Fraktion im Perler Gemeinderat, wird den Eltern künftiger Abc-Schützen ein Brief ins Haus flattern. Der Inhalt des Schreibens: An der Grundschule Dreiländereck soll alles beim Alten bleiben - eine Halbtagsschule mit der Möglichkeit einer freiwilligen Ganztagsbetreuung. Auch müssen sich die Eltern nicht Mitte November entscheiden, ob ihr Kind eine verpflichtende Ganztagsschule besucht oder die Halbtagsschule. Das jedenfalls hat Schulleiterin Helga Martin dem CDU-Fraktionschef Ernst-Rudolf Ollinger in der Sitzung des Perler Gemeinderates zugesagt. Martin stand auf Antrag der CDU Rede und Antwort über die Entwicklung der Schule zur verpflichtenden Ganztagsschule.

Die CDU hatte Anfragen besorgter Eltern erhalten, die weitergehende Informationen zu der geplanten Änderung der Grundschule in eine verpflichtende Ganztagsschule wollten. Zudem hatten sie sich nach Ollingers Worten über mangelnde Beteiligung an einer solch weitreichenden Entscheidung für die Kinder und deren Familien beklagt. Ein Schreiben vom Elternbeirat des Kindergartens Perl , datiert auf den 22. Juli, machte die Runde, nachdem die Elternvertreter der Grundschule am Tag zuvor erfahren hatten, dass die verpflichtende Ganztagsschule ab dem kommenden Schuljahr eingeführt werde (wir berichteten). "Mit der Schulanmeldung im November müssen die Eltern des ersten Jahrgangs wählen, welchen Zweig ihr Kind besuchen soll" zitierte der CDU-Fraktionschef aus dem Brief.

Eltern-Beteiligung gefordert


"Der Schulträger ist die Gemeinde Perl . Sie hätte als erste über diesen Schritt informiert werden müssen", sagte Ollinger. Abgesehen von der finanziellen Situation der Gemeinde wären die notwenigen Voraussetzungen - wie baulicher, konzeptioneller und personeller Art - bis zum kommenden Jahr nicht zu schaffen. Auch forderte er eine Beteiligung der Eltern . Bisher habe sie mit Verantwortlichen aus dem Kultusministerium und dem Bürgermeister Überlegungen angestellt, ob eine Ganztagsschule realisiert werden könne, sagte Helga Martin. Das Projekt sei dem Kollegium vorgestellt worden, zudem habe es Informationen für die Eltern gegeben. Der Brief an die Eltern stamme aber nicht von ihr.

Nach Darstellung von Perls Bürgermeister Bruno Schmitt (SPD ) ist die Sache noch nicht spruchreif. "Weder die Gesamtkonferenz noch die Schulkonferenz haben darüber entschieden." Danach entscheide der Gemeinderat. Zudem bleibe den Eltern die Wahl zwischen Ganztags- und Halbtagsschule überlassen. "Was hier dargestellt wurde, ist nicht dramatisch", kommentierte SPD-Fraktionschef Michael Fixemer Martins Ausführungen. "Die Elternvertretung hat darüber zu beraten. Wenn die Entscheidung gefallen ist, dann ist der Gemeinderat zu involvieren." Eine Sache hatte Ollinger stutzig gemacht: die Aussage von Schulleiterin Martin, sie habe mit Schmitt Stillschweigen bis nach der Kommunalwahl vereinbart. "Lassen Sie die Kommunalwahl aus dem Spiel", konterte Schmitt. Auch Fixemer wehrte sich. "Hat es die Absprache gegeben oder nicht?", wollte Ollinger von Martin wissen. Sie gab die Übereinkunft mit Schmitt zu.