„Sprachen werden wichtiger“

„Sprachen werden wichtiger“

Die Kultusminister aus dem Saarland und Luxemburg, Ulrich Commerçon und Claude Meisch, diskutierten im Schengen-Lyzeum Herausforderungen und Chancen für das Bildungs- und Wirtschaftssystem im Dreiländereck.

Wie steht es um die Ausbildungsmöglichkeiten der Großregion in der Zukunft? Diese und andere Fragen diskutierten kürzlich Claude Meisch, luxemburgischer Minister für Bildung, Kinder, Jugend und Hochschulwesen, und sein saarländischer Amtskollege Ulrich Commerçon im Perler Schengen-Lyzeum. Schulleiter Volker Staudt moderierte die Veranstaltung, die von den Arbeitskreisen Wirtschaft der beiden Länder organisiert worden war. Die Minister gaben dabei zu, dass sie länderübergreifend von Kindergärten bis hin zu weiterführenden Schulen noch Hausaufgaben zu erledigen haben. "Wir erleben täglich, wie sich unsere Region verändert. Die Schule muss vor allem mit dem wirtschaftlichen Wandel mithalten", sagte Claude Meisch. Seiner Meinung nach spielen Sprachen dabei eine besonders große Rolle. So sollen nach seiner Ansicht in Zukunft bereits im Kleinkindalter zwei Sprachen gesprochen werden. "Die jeweils andere Sprache muss schon früh Teil ihres Lebens werden", sagte der Minister. Dabei hob Meisch lobend die Frankreichstrategie der saarländischen Landesregierung hervor. Man könne jedoch auf beiden Seiten der Grenze voneinander lernen, um die Zweisprachigkeit weiter voranzutreiben, waren sich die Minister einig.

Ein weiterer wichtiger Faktor zur Vorbereitung auf das Arbeitsleben sei die Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit. Um "Social Skills" zu erlernen, also Eigenschaften, die den Umgang mit anderen Menschen erleichtern, sind für Ulrich Commerçon Praktika sehr sinnvoll und notwendig. "Wenn Schüler vorher nie Erfahrungen gesammelt haben, können sie sich in einem Unternehmen nicht behaupten", erklärte der Saar-Kultusminister. "Letztlich müssen sich die Schüler in der Gesellschaft zurechtfinden können", sagte er. Als letzter Punkt stand die Bedeutung der Berufsausbildung an sich im Fokus. "Die luxemburgischen Unternehmen haben verstanden, dass sie auch selbst ausbilden müssen und nicht nur ausländische Fachkräfte beziehen können", stellte Meisch fest. Für ihn ist das duale Ausbildungssystem in Deutschland ein Vorbild, an dem man sich gut orientieren könne.

Ein Problem sorgt auf beiden Seiten der Grenze jedoch für große Bauchschmerzen: Rund ein Viertel aller Auszubildenden bricht die Ausbildung ab, in manchen Berufsgruppen sind es sogar über 50 Prozent. "Das sorgt einerseits für Kosten und verlorene Zeit bei den Firmen und verunsichert andererseits die jungen Leute", beklagte Commerçon. Der einzige Weg, die hohe Zahl der Ausbildungsabbrüche zu bekämpfen, sei eine frühe Information über die Berufe. "Die Entscheidung für den richtigen Beruf ist wichtig und braucht viel Zeit, deshalb müssen die Schüler schon früh ihre Möglichkeiten kennen", sagte Meisch.