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Sorge um die Niederburg

Die Niederburg (auch Unterburg) von Schloss Berg müsste dringend restauriert werden. Foto: Waldemar Bach
Die Niederburg (auch Unterburg) von Schloss Berg müsste dringend restauriert werden. Foto: Waldemar Bach FOTO: Waldemar Bach
Nennig. Schloss Berg als Zeitzeuge der Geschichte und Kultur prägt heute wie kaum ein anderes Gebäude die Identität und Landschaft der Obermosel. Doch die Unterburg, die in alten Zeiten Teil der Burganlage war, bietet einen eher traurigen Anblick. Waldemar Bach

Nur einen Steinwurf von Schloss Berg entfernt ragt auf ansehnlicher Höhe die Niederburg, auch Unterburg genannt, in die Nenniger Moselebene hinein. Der Wohnturm, der weithin sichtbar ist, war bis 1970 von einer Familie bewohnt, die in der Unterburg einen landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaftete. 1973 wurde die Bauanlage verkauft und befindet sich bis heute in Privatbesitz. Sowohl Oberburg als auch Unterburg wurden im Zweiten Weltkrieg (1944/1945) stark zerstört.



Die Niederburg war ebenfalls wie die Oberburg (heute Schloss Berg) im Mittelalter als Wasserburg angelegt und mit einem Graben an die Oberburg angeschlossen. Bereits im zwölften Jahrhundert wird der Name Berg mehrmals in alten Schriftstücken genannt. Infolge mehrfachen Familienbesitzes wurden an der Burganlage öfters bauliche Veränderungen vorgenommen. Übrig blieb, neben den anderen schlossartigen Anlagen, der quadratische Treppenturm (Wohnturm), der von weitem sichtbar ist. Der Eingang in den Turm führt von Osten über eine lange Treppe mit Podest. Über dem Portal ist eine Inschrift angebracht: "Pax Intrantibus" und die Jahreszahl 1709. De la Fontaine ("Les deux chateaux et la seigneure de Berg") nennt als Besitzer um 1700 die aus Remich gebürtige Familie Winckel, dann aber die Burg als Stammhaus der Familie "von Lassaulx", die den Namen im Jahre 1709 bei der Errichtung des Treppenhauses über dem Portal anbrachte.

Schloss Berg als Zeitzeuge der Geschichte und Kultur prägt heute wie kaum ein anderes Gebäude die Identität und Landschaft der Obermosel. Es ist das Wahrzeichen der Region und ein wichtiges Zugpferd für den Kulturtourismus.

Wenn man aber den weißverputzten Renaissance-Bau von Schloss Berg (Oberburg) betrachtet und sieht daneben die Burganlage der Niederburg, so kann der Eindruck eines vergessenen Schlosses entstehen. Die Unterburg befindet sich in einem baulich schlechten Zustand. Um jedoch weitere Schäden zu vermeiden, sind dringend substanzerhaltende Baumaßnahmen erforderlich. Auf dem Dach des Wohnturmes fehlen Dachziegel. Bei Regen dringt Wasser in das Gebäude . Der Turm ist stark mit Kletterpflanzen bedeckt. Der Schlossgarten ist völlig zugewachsen und unpassierbar. Die Eingangstür zum Wohnturm steht offen. Die Treppe zum Eingang ist mit Hecken und Sträuchern zugewachsen. Auch Verwitterungsprozesse haben teilweise zu erheblichen Verfallserscheinungen geführt.

Die Unterburg befindet sich in einem schlechten baulichen Zustand. Es ist bekannt, dass der Verfall von Bauanlagen dort droht, wo keine aktuelle Nutzung für die Anlage besteht. Ohne eine wirtschaftliche Nutzung ist der Erhalt vieler Burgruinen auf Dauer nicht möglich. Von daher sollte ein Konsens zwischen Eigentümer, Denkmalpflege , Kreis und Gemeinde zur Erhaltung der Burg angestrebt werden. Es wäre aber zunächst der Denkmalpflege Genüge getan, die größten Bauschäden zu beseitigen, um das Bauwerk in seiner historischen Beschaffenheit zu erhalten, damit einem weiteren Verfall Einhalt geboten wird. Die saarländische Landesregierung hatte bereits 1984 unter Minister Gerhard Zeitel die Unterburg unter den Schutz bedrohter Baudenkmäler gestellt. Die Gefahr besteht - sofern nicht bald Erhaltungsmaßnahmen an der ruinösen Bauanlage ausgeführt werden, dass die Unterburg das gleiche Schicksal wie Schloss Bübingen ereilt. Sie ist dem Verfall preisgegeben.

Prachtvoll restauriertes Wahrzeichen: die Oberburg. Foto: rup
Prachtvoll restauriertes Wahrzeichen: die Oberburg. Foto: rup FOTO: rup