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Sinz und seine Kirche blicken auf nicht immer gute Zeiten zurück

So präsentierte sich Sinz den heimkehrenden Einwohnern im Jahre 1945. Repro/Foto: Kurt Petry
So präsentierte sich Sinz den heimkehrenden Einwohnern im Jahre 1945. Repro/Foto: Kurt Petry FOTO: Kurt Petry
Sinz. Der Name von Sinz , mittelalterlich "Sintziche" oder "Sentziche" genannt, geht auf ein älteres Sentiacum zurück, das als Siedlung eines Sentius gedeutet wird. Bodenfunde im Distrikt "Jupiter" unweit des Dorfes bezeugen, das hier schon keltische Bauern gewohnt und den Pflug durch die Gauerde geführt haben. Kurt Petry

Es ist anzunehmen, das die damaligen Bewohner auch im Dienste des Trevererfürsten Indutiomarus, von dem man eine Münze beim Dorf gefunden hat, standen.

Kurz vor Christi Geburt kamen die Römer als Eroberer in unsere Region. Sie herrschten fast 500 Jahre hier, bauten Straßen, betrieben einen lebhaften und erfolgreichen Handel und brachten die Erzeugnisse des Südens, Obst und Wein, zu uns. Dann brachen zwischen 400 und 500 n. Chr. Vandalen, Hunnen und andere Völker des Ostens ins Land ein. Die Dörfer versanken fast alle in Schutt und Asche, so auch "Sentiacum". Die auf der Straße Köln-Trier-Metz vordringenden Franken bauten "Sentiacum" neu auf und nannten es "Sintzich". Sie intensivierten die Besiedlung und schafften Grundlagen für unser staatliches, bürgerliches und religiöses Leben.

Die Pfarrei "Dionysius" Sinz wird erstmals im neunten Jahrhundert in den Büchern von St. Matthias Trier erwähnt. Sinz ist Pfarrort und hat eine Kirche, die dem heiligen Dionysius geweiht ist. Unter der Schreibform "Sinciche" wird Sinz dann in einer Urkunde des Erzbischofs Albero von Trier (1131-1152) unter den 76 Pfarreien, die alljährlich zum Grabe des heiligen Lutwinus nach Mettlach pilgerten, genannt. Aber auch nach Taben zum Grabe des hl. Quiriacus wallfahrten die Sinzer am dritten Mittwoch nach Ostern, dem so genannten Bannfeiertag.

Alljährlich wurde im Mattheiser Hof zu Sinz Jahrgeding und Gerichtstag gehalten, wobei außer den Vertretern der Grundherren aus Trier und Mettlach auch die drei Mattheiser Schöffen und der Mettlacher Schöffe anwesend sein mussten. Am St. Briktiustag war Lieferung für Zins und Schafftfrüchte. Neun Malter und sechs Faß Korn, Weizen und Hafer gaben die zwölf Bauern von Sinz , dazu 22 Hühner und 66 Eier. Der Kurfürst von Trier als Landsherr erhob eine Steuer in Geld.

Erste urkundliche Erwähnung erfährt Sinz 1148. Papst Eugen III. bestätigt dem Abt Bertulf von St. Eucharius (dem späteren Stift St. Matthias Trier) den Besitz und die Rechte des Klosters, darunter "Senciche" mit Kirche und Zehnten. Das Dorf gehörte zur Gaupflege im trierischen Amt Saarburg, und die Grundgerichtsbarkeit besaßen gemeinschaftlich das Erzstift und die Abteien Mettlach und St. Matthias. Letzere hatte auch das Kollationsrecht, später mit dem Erzbischof zusammen.

Im Jahre 1202 fand ein schiedsrichterlicher Vergleich der Abtei St. Eucharius mit dem Ritter Egidius von Berge (Berg bei Nennig) über seine Rechte am Hof zu Sinz statt. Aber die Streitigkeiten waren damit offensichtlich nicht beigelegt. Denn wie aus weiteren Schriftstücken hervorgeht, schlichteten Domkantor Johann und Scholaster Alexander von St. Paulin zu Trier 1253 wiederum zwischen der Abtei St. Matthias und dem Ritter Johann von Berge wegen der Patronatsrechte zu Sintziche. Die Patronatsrechte werden hierbei dem Abt von St. Matthias zugesprochen.

Die Pfarrei gehörte zum Landkapitel Perl. Bei einer Visitation 1569 versah anstelle eines Pfarrers ein Kaplan Matern Henstroff die Pfarrei "Syntzig". Im Jahre 1631 muss die Schreibform von Sinz dann wohl "Syntz" gewesen sein, denn aus der vorliegenden Pfarrchronik geht hervor, dass 1631 ein gewisser Pater Leonhard Luprien "Pastor in Syntz" war.

Im Jahre 1657 bei einer erneuten Visitation, neun Jahre nach dem 30-jährigen Krieg, war die mit zwei Altären ausgestattete Kirche "St. Dionysius" zu Syntz in einem "trostlosen Zustand", ja teilweise gar ruiniert, und die Pfarrstelle war verwaist. Die Zahl der Kommunikanten betrug nur noch 22. Anno 1683 wurde dann eine neue Kirche errichtet. Aus einer gerichtlichen Urkunde von 1719 geht hervor, dass zu dieser Zeit "19 Individuen" in Sinz lebten, als Pastor war ein Cornelius Hunters in Sinz tätig.

Bei einer Visitation von 1743 waren zwei Glocken vorhanden, das Schulhaus und der Schulbesuch gut, das Pfarrhaus aber in schlechtem Zustand. Aus einer Aufstellung aus dem Jahre 1757 geht hervor, das in Sinz wieder 33 Einheimische ansässig waren. Bei der Reorganisation der Diözesan- und Pfarrgrenzen im Jahre 1803 kam Sinz als Filiale zur Pfarrei Tettingen, behielt aber einen eigenen Vikar.

Ein weiterer und wohl der wichtigste Meilenstein in der Kirchengeschichte von Sinz ist das Jahr 1839. Nachdem bis zu diesem Zeitpunkt Sinz in Tettingen eingepfarrt war, entsandten die Sinzer eine Abordnung zum Bischof nach Trier, um den Neubau einer Kirche und damit die Eigenständigkeit der Pfarrei wieder zu erwirken.

Zuvor wurde eine entsprechende Bittschrift an "Seine Mayestät, den König von Preußen, Großherzog vom Niederrhein" nach Berlin entsandt, in der die Probleme der Sinzer geschildert wurden und um Mithilfe bei der Neuerrichtung der Pfarrei gebeten wurde. Dieser Brief vom 20. März 1832 ist im Original noch in Sinz erhalten.

Nachdem man schließlich einige Zugeständnisse gemacht hatte, unter anderem die, dem zukünftigen Pfarrer in Sinz verschiedene Vergünstigungen und Sonderstellungen einzuräumen, wurde dem Ansinnen der Sinzer stattgegeben. Und so wurde am 15. Mai 1839 die Pfarrei "St. Dionysius" Sinz wieder errichtet. Im selben Jahre bauten die Sinzer (360 an der Zahl) ein neues Pfarrhaus sowie eine Schule. Einige Jahre später (1844) wurde die Kirche neu aufgebaut, wobei der Turm der alten Kirche aus dem Jahre 1683 erhalten blieb. Und bereits am 10. November 1844, nach nur einem halben Jahr Bauzeit, fand die Einweihung der neuen Kirche statt. Von der Neugründung der Pfarrei 1839 bis 1846 wohnte Pfarrer Johannes Matthias Mandernach in Sinz .

Im Dezember 1854 wünschte die königliche Regierung, das Gehalt des Lehrers Zimmer, der zu dieser Zeit in Sinz tätig war, zu erhöhen. Der Gemeinderat befindet, "dass er mit seinem Gehalt von 80 Thalern jährlich standesgemäß leben könne" und lehnte den Antrag ab. 1858 erhält die Gemeinde ihre erste Brandspritze zum Preis von 200 Thalern. 1860 wurden ein Spritzenhaus erbaut und ein Brandweiher angelegt. Der Weiher wurde aber bereits wieder 1885 beseitigt, "da er ungeeignet sei". Zwischen 1908 und 1912 wurde Sinz an die Kreiswasserleitung angeschlossen. In den folgenden Jahren bis zum 2. Weltkrieg verlief die Entwicklung des Ortes dann ohne nachhaltige Störungen.

Ein schweres Schicksal traf Sinz dann im 2. Weltkrieg. Während der Kämpfe 1944/45 wurde der Ort, so auch die Kirche, fast vollkommen zerstört. Als am 26. September 1944 die erste von vier Granaten den Frieden des kleinen Bauerndorfes auf dem Moselgau jäh zerstörte, war das erste Wort eines harten Urteils über Sinz gesprochen.

Der tragische Tod des damaligen Seelsorgers Hirmes und von zwei weiteren Dorfbewohnern, die von Splittern dieses Geschosses getroffen wurden, schien ein böses Omen zu sein, denn nur wenige Monate später wurde der so stille Talkessel unter dem Brüllen des Krieges in die "Hölle von Sinz " verwandelt.

In einer der schlimmsten Panzerschlachten des 2. Weltkrieges um den Orscholz-Riegel rund um Sinz ließen Freund und Feind Ströme von Blut. Haus um Haus sank in Schutt und Asche. Auch die Kirche fiel einem Feuerorkan zum Opfer. Als die Waffen schwiegen, blieb eine Trümmerwüste zurück. Sinz empfing seine heimkehrenden evakuierten Bewohner im April 1945 in schweigender Hoffnungslosigkeit.

Es begann die Zeit des Aufräumens im Ort und auch an der zerstörten Kirche. In der Sakristei waren die Kirchengewänder und die ganze Kirchenwäsche aus den Schränken gerissen und auf dem Boden verstreut. Auch die herrliche Orgel und die drei alten Altäre waren total zerstört. Die zuerst zurückgekehrten Sinzer gingen vorerst nach Kreuzweiler in die Sonntagsmesse. Später kam dann der Pastor von Kreuzweiler am Sonntag Nachmittag nach Sinz , um hier einen Gottesdienst zu halten. Er wurde von den Sinzern mit einem "Teimer" (Karren) abgeholt. Die Messe wurde unter der nicht zerstörten Empore der Sinzer Kirche gehalten.

Am Tag vor Fronleichnam 1945 wurde die einzige noch vorhandene Glocke aus den Trümmern ausgebuddelt und zum Läuten aufgehängt. An Fronleichnam 1945 ging dann auch wieder die erste Prozession durch die notdürftig freigeräumten Straßen des zerstörten Sinz . Die Monstranz für die Prozession hatte ein Sinzer, Matthias Strupp, in der Kirchenheizung vor den Kriegswirren versteckt.

Im August 1945 kam der damalige Weihbischof Dr. Stein zur Firmung nach Sinz . Die Firmlinge mussten aber in Palzem gefirmt werden, da drei Tage vor dem Besuch des Bischofs der vordere Teil der Kirchendecke mit Dach eingestürzt war. Zum Aufräumen bis zur Firmung war die Zeit zu kurz. Der Bischof war damals zutiefst bestürzt über das zerstörte Sinz , das er von früher gut kannte. Denn zu seiner Studienzeit war er oft in Sinz zu Besuch bei seinem Studienfreund Dominik Sausy, der später in Dorsel in der Eifel Pfarrer war. Der Bischof damals: "Ihr bekommt bald einen neuen Pfarrer ." Und eine Woche vor Allerheiligen, am 25. Oktober 1945, sandte er dann einen neuen Seelsorger, AntonNiederprüm, nach Sinz , der gemeinsam mit den schwergeprüften Pfarrkindern das anfangs fast aussichtslose Werk des Wiederaufbaues fortführte.

Von Mitte November 1945 an war dann der Gottesdienst in der Baracke Koster. Die Familie Koster hatte diese als Notwohnung beim Aufbau ihres Wohnhauses auf der unbeschädigten Betonplatte des Stalles aufgestellt. In der noch unbewohnten Baracke war dann der Gottesdienst bis Mai 1946. Mitte Februar 1946 wurde die zerstörte Kirche wieder ausgeräumt. Unter den Trümmern lag der zerstörte Tabernakel und, was keiner wusste, noch mit dem Allerheiligsten.

Im Mai 1946 wurde dann eine geräumige Baracke aus dem Lager Hinzert auf dem Grundstück Gödert an der Hauptstraße aufgestellt. Sie diente fortan als Notkirche. Hier standen zwei Reihen der mehr oder weniger stark beschädigten alten Kirchenbänke. Links neben dem Eingang war ein etwas erhöhter Platz für das im Ort noch vorhandene private Harmonium und den von Pastor Niederprüm nach und nach wieder aufgebauten Kirchenchor.

Schritt für Schritt ging es im Dorf und an der Kirche aufwärts. Nach den Bauplänen des Architekten Ulrich aus Perl wurde die Kirche 1949/50 auf den alten Fundamenten in veränderter Form wiederaufgebaut. Schließlich wurde das fertige Gotteshaus am 12. November 1950 benediziert, nachdem die Sinzer bereits im Oktober 1949 die Fertigstellung des Rohbaues der Kirche mit einer zünftigen Straußenfeier im Gasthaus Probst gefeiert hatten.

Am 31. Juli 1953 wurden drei neue Glocken für die Kirche in Colmar abgeholt. Am 1. August wurden diese Glocken durchs Dorf gefahren, und am 2. August 1953 fand die Weihe der drei Glocken in der Kirche statt.

Zum Mariä-Himmelfahrts-Fest am 14. August 1953 läuteten diese Glocken dann erstmals. Die aus dem Jahre 1911 stammende, nun überflüssige Glocke, wurde am 17. Februar 1960 an die Diasporapfarrei Homberg im Bezirk Kassel geschickt. Die meisten der Einwohner von Sinz waren 1939/40 dort evakuiert.

In den zurückliegenden Jahren hat die Pfarrgemeinde die Kirche renoviert und auf einen technisch guten Stand gebracht (neue Orgel, neue Heizung, Lautsprecheranlage, Beleuchtung, Innen- und Außenanstrich, und einiges mehr). Im Jahre 2012 wurde der Altarraum neu gestaltet. Die feierliche Wiedereröffnung der Kirche und die Konsekration des neuen Altares durch Weihbischof Robert Brahm fand am 30. September 2012 statt.

Die Pfarrgemeinde und der Ort Sinz feiern am kommenden Wochenende, 10. und 11. Oktober, ihre Dionysius-Kirmes. Dem heiligen Dionysius sind eigentlich zwei Gedenktage gewidmet: der 9. Oktober als "Namenstag" und demnach auch als Patronatsfest für Sinz , und der 4. Dezember, an dem damals die Gebeine von Dionysius nach Paris überführt wurden.

Das Kirmeshochamt in der Pfarrkirche findet am Sonntag, 11. Oktober, um 10.30 Uhr statt. Nach dieser Messe laden die Fußballfreunde zum Frühschoppen und Feiern auf den Kirmesfestplatz rund um die Scheune am Brunnen in der Kreuzweiler Straße 3 ein. Es locken ein schmackhaftes Mittagessen und am Nachmittag Kaffee und Kuchen. Am Abend klingt die Dionysius-Kirmes in und an der Scheune aus.

Beginnen werden die Sinzer ihre Kirmes schon am Samstag um 19 Uhr mit dem Fassanstich.