zenner: Seit zehn Jahren dient sie zwei „Herren“

zenner : Seit zehn Jahren dient sie zwei „Herren“

Marion Zenner, Schulleiterin des Schengen-Lyzeums, sieht den Ausgleich für das digitale Lernen in der Natur.

„Zwei Länder – eine Schule: Der Leitspruch bedeutet auch für die Verantwortlichen des Schengen-Lyzeums in Perl „zwei Herren dienen, doppelt verwalten“, wie Marion Zenner verrät. Doch darin ist die neue Leiterin der einmaligen binationalen Schule längst Profi. Seit mehr als zehn Jahren ist die 42-jährige Pädagogin aus dem luxemburgischen Schwebsingen beim Schengen-Lyzeum an Bord. Sie hat die besondere Schulform, eine Mischung aus Gemeinschaftsschule und Gymnasium in G8-Form mit Ganztageskonzept, mit aus der Taufe gehoben und war maßgeblich daran beteiligt, dass sich das Modellprojekt zu einer Erfolgsgeschichte mauserte. „2006 habe ich in der binationalen Arbeitsgruppe mitgearbeitet“, sagt sie.

2007 stieg die sympathische Frau aus dem Großherzogtum ein – als Stellvertreterin von Schulleiter Volker Staudt aus Haustadt. „Es war von Anfang an abgemacht, dass sich Deutsche und Luxemburger in der Leitung der Schule abwechseln“, sagt sie.  Als Staudt Ende vergangenen Jahres in den Ruhestand ging, übernahm die 42-Jährige den Chefsessel. In dem guten halben Jahr hat sie der Schule ihren Stempel aufgedrückt – etwa mit dem Projekt  „Staark an d’ Liewen – stark im Leben“.

Eingebunden sind laut Zenner Schüler, Lehrer und Eltern. Der Fokus des Projektes liegt nach ihren Worten  auf der Entwicklung der Persönlichkeit und Identität der Schüler innerhalb der Schulgemeinschaft. Konkret bedeutet dies, dass eine Schulatmosphäre, welche durch gegenseitigen Respekt und Gemeinschaftssinn geprägt ist, geschaffen werden soll. Es gelte, dass die Schüler schrittweise Lebenskompetenz entwickeln. Diese soll insbesondere in den lernunterstützenden Fächern ausgebaut werden. Freiarbeit nennt sie als Beispiel, ebenso wie Lernen, Studienzeit oder  Fachförderung. „Unsere Lehrerinnen und Lehrer werden auf vielfältige Weise bei dieser Arbeit unterstützt, etwa durch schulinterne Fortbildungstage, um Materialien und Handreichung zu den einzelnen Fächern zu erstellen und bisherige Konzepte anzupassen. Wir wollen, dass Lebenskompetenz nicht nur vermittelt, sondern auch vorgelebt wird.“

Wichtig ist ihr auch, dass ihre Schützlinge einen Ausgleich zum digitalen Lernen finden. Die neuen Medien wie Computer, Tablet und Co zu beherrschen, nennt sie ein unbedingtes Muss. Doch die Natur darf ihrer Meinung nach auf keinen Fall  ins Abseits gerückt werden. Als Ausgleich zu dem digitalen Lernen seien Projektwochen mit Schwerpunkt Natur wichtig – ebenso wie der Ausbau des Schulgartens. „Mir liegt am Herzen, dass unsere Schüler Nachhaltigkeit erlernen. Und Tiere begeistern Kinder“, weiß die Pädagogin aus Erfahrung. Zwei Zwergziegen finden nach ihren Worten  im Außenbereich der binationalen Schule eine Heimat, dazu zwei Laufenten und drei Hühner. Um deren Wohl sorgen sich die Schüler. „In den Ferien finden die Tiere bei Lehrern Unterschlupf“, erzählt sie.

Volker Staudt. Foto: Rolf Ruppenthal. Foto: Rolf Ruppenthal
Volker Staudt (l.), der langjährige Schulleiter des deutsch-luxemburgischen Schengen-Lyzeums, und seine Nachfolgerin Marion Zenner (r.) mit Erb-Großherzogin Stephanie von Luxemburg bei deren Besuch im Schengen-Lyzeum anlässlich des zehnjährigen Bestehens der deutsch-luxemburgischen Schule im September vergangenen Jahres. Foto: Rolf Ruppenthal

Mittlerweile hat der vierte Abiturjahrgang über den Prüfungen geschwitzt. Dass der Weg der Schule erfolgreich war, zeigt nach ihren Worten die  Abiturdurchschnittsnote. Das Schengen-Lyzeum liegt laut der Schulleiterin über dem saarländischen Durchschnitt. Und noch nie habe ein Schüler oder eine Schülerin die binationale Schule ohne Abschluss verlassen. An ihren Vorgänger erinnert – neben vieler Erlebnisse in den vergangenen zehn Jahren –  das Oldtimerrad, ein Abschiedsgeschenk  an Staudt. Das parkt noch in ihrem Büro. „Die Zeit ist nur so vorbeigeflogen“, kommentiert sie die vergangene Dekade. „Wir haben uns immer wieder auf eine neue Situation einstellen müssen.“ Aus der Schule mit 15 Kollegen und 120 Schülern ist längst ein Unternehmen mit 100 Kollegen und weit über 800 Schülern diesseits und jenseits der Grenze geworden.  „Was die Schüler betrifft, so ist die Tendenz steigend.“ Ihre Wünsche für die Zukunft: dass das gute Klima an der Schule erhalten bleibt, ebenso das Einvernehmen zwischen Schülern, Lehrern und Eltern.