Sehndorf: Marienkirmes und Lichterprozession

Sehndorf : Hort der Marienverehrung im Weinberg

Die Fatima-Kapelle ist am 15. August wieder das Ziel hunderter Gläubiger. Mitten in den Weinbergen gelegen, ist sie das Ziel von Wallfahrten.

Die Dorfgemeinschaft Sehndorf feiert traditionsgemäß an Maria Himmelfahrt die Wein- und Marienkirmes. Beginnen wird man am kommenden Mittwoch, 14. August, um 18 Uhr am „Bour“ in der Ortsmitte mit dem Fassanstich. Ab 21 Uhr gibt es Live-Musik mit der Band „Die Zuppler“. Der eigentliche Marienkirmes-Festtag startet dann am Donnerstag, 15. August, um 10 Uhr mit einem bayerischen Frühschoppen, dem sich um 12 Uhr das Mittagessen und Kaffee und Kuchen anschließen werden.

Von 15 bis 17 Uhr ist Happy Hour. Um 17 Uhr spielen die Musikfreunde Perl-Besch zu einem Kirmes-Konzert auf. Im Anschluss an die Festmesse und der Lichterprozession zur Fatimakapelle wird die Band „New Screamers“ zum Ausklang der Sehndorfer Kirmes aufspielen. An beiden Kirmestagen ist für die Kinder eine Springburg aufgebaut, und die SG Perl/Besch wird ihre „Cocktailbar“ betreiben.

Um 20 Uhr beginnt in Sehndorf das Festhochamt. Nach der Festmesse führt eine Lichter-Prozession dann von der Dorfkapelle hinauf durch die Weinberge zur Fatimakapelle, zu dem Hort der Marienverehrung in den Weinbergen.

Seit 67 Jahren „thront“ über dem Moseltal inmitten der Sehndorfer Wingerten diese kleine Kapelle. Während einer Wallfahrt nach Mariafloss fasste der damals 21-jährige Josef Bladt aus Sehndorf den Entschluss, auch in seinem Heimatdorf Sehndorf eine Wallfahrtskapelle zu errichten. Er setzte sich mit Gleichgesinnten, den beiden Frauen Katharina Becker und Anna Roth, in Verbindung. Gemeinsam überlegten sie, wo man einen geeigneten Platz für eine solche Marienkapelle finden könnte.

Schließlich hatten sie die Lösung. Ihre Wahl fiel auf den Platz am Waldrand „Auf Klopp“ inmitten der Weinberge. Die damals noch selbständige Gemeinde Sehndorf stellte das Terrain zur Verfügung, und so konnte im August 1952 mit dem Bau begonnen werden. Die Maurer Peter Kirsch aus Oberperl und Peter Roth aus Sehndorf „gingen das Bauwerk an“. Als „Schablone“ nahmen die Erbauer die Erscheinungskapelle in Fatima. Die benötigten Steine wurden mit Pferdewagen aus einem nahegelegenen Bunker herbeigeschafft.

Bereits einen Monat später, und zwar am 14. September 1952, wurde in einer feierlichen Prozession die in Merzig gekaufte Marienstatue den Berg hinauf zur Kapelle getragen und dort aufgestellt. Pfarrer Sudbrack weihte die Kapelle ein. Der neugotische Hochaltar aus Muschelkalk auf einem zweistufigen Podest aus Holz vor der Stirnwand war das Meisterstück von Steinhauermeister Johann Wagner.

Zwei Jahre später brachte Josef Bladt von einer Pilgerfahrt nach Fatima eine Marienstatue mit, die der kleinen Kapelle in Sehndorf fortan noch mehr Anziehungskraft verlieh. Die über dem Moseltal stehende Kapelle wurde 1993 erweitert. Auch bei dieser Erweiterung war Josef Bladt wieder „die treibende Kraft“.

Bis zum Jahre 1968 zogen die Gläubigen alljährlich am Palmsonntag zur Kapelle hoch über Sehndorf und beteten den Kreuzweg. Auch fand jeweils im Mai in der Dorfkapelle im Ort Sehndorf eine Marienandacht mit anschließender Lichter-Prozession statt, die zur Fatimakapelle führte. Doch dieser Brauch „schlief“ 1969 ein.

1983, angeregt von Lourdespilger, startete erneut eine Lichterprozession zur Fatimakapelle – dieses Mal an Mariä-Himmelfahrtstag. Seit dieser Zeit ist das Kapellchen am 15. August Ziel von hunderten Gläubigen. Diese Tradition setzt sich am Donnerstag fort. Gleichzeitig feiern die Sehndorfer ihre Wein- und Marienkirmes mit viel Programm.

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