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Schüler fühlen Politikern auf den Zahn

Schüler fühlen Politikern auf den Zahn

Rund 200 Schüler beteiligten sich am Schengen-Lyzeum in Perl an der Debatte mit Parteienvertretern auf der „Wahl-O-Mat“-Tour.

Ist Religionsunterricht noch zeitgemäß? Brauchen wir noch Kohlekraftwerke? Funktioniert die Inklusion behinderter Schüler an einer Regelschule? Diese und weitere politische Fragen diskutierten Schüler des Schengen-Lyzeums in Perl gemeinsam mit Vertretern von sechs Parteien im Rahmen der Aktion "Wahl-O-Mat on Tour". Der Wahl-O-Mat (siehe Infokasten) ist ein Angebot, das Wählern die Entscheidung erleichtern soll, wohin sie ihr Kreuzchen machen: Auf dessen Internetseite können Bürger anhand verschiedener Thesen herausfinden, mit welcher Partei sie inhaltlich die größte Übereinstimmung haben.

Der "Wahl-O-Mat on Tour" geht noch einen Schritt weiter und bietet Jugendlichen und Erstwählern auf 14 schulischen und drei außerschulischen Veranstaltungen die Möglichkeit, mit Vertretern der Parteien über deren politische Positionen zu diskutieren. "Rund 200 Schüler sind heute anwesend, sie kommen etwa zu gleichen Teilen aus Deutschland und Luxemburg. Ungefähr 40 von ihnen sind schon wahlberechtigt", sagte Schulleiter Volker Staudt in Perl. Doch warum sollten sich Nicht-Wahlberechtigte mit den Themen der Landtagswahl auseinandersetzten? "Rund 52 Prozent der Wähler haben noch nicht entschieden ob, oder wen sie bei der Landtagswahl wählen wollen", erklärte Erik Harms-Immand von der Landeszentrale für politische Bildung, "die Jugendlichen, die heute anwesend sind, können ihre Familie und Freunde beeinflussen. Sie sind in ihrem Umfeld Meinungsbildner und leisten so ihren Beitrag zur Landtagswahl."

Bereits vor der Veranstaltung hatten die Schüler die Möglichkeit, intern über die Thesen des Wahl-O-Mats zu sprechen. Im Schengen-Lyzeum wurden für den "Wahl-O-Mat on Tour" Plakatwände mit den Thesen aufgebaut. Die Schüler bekamen einen Bogen sowie zu jedem Thema Sticker mit der Wertung "Stimme zu" oder "Stimme nicht zu". Am Ende wurden die Bögen ausgewertet, jeder Schüler erhielt sein Wahl-O-Mat-Ergebnis. Die mit Stickern versehenen Plakate verdeutlichten zum Schluss die Meinungen der Schüler. So waren bei der These "Das Saarland soll sich dafür einsetzen, dass gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren dürfen" hauptsächlich grüne "Stimme zu"-Sticker zu sehen. Bei der These "Alle Kinder mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam unterrichtet werden" waren dagegen vor allem rote "Stimme nicht zu"-Sticker vorhanden.

Zur Diskussionsrunde erschienen Vertreter der im Landtag vertretenen Parteien sowie der FDP. Stefan Thielen vertrat die CDU, Stefan Krutten die SPD. Für die Linke war Dennis Weber anwesend, Hubert Ulrich kam für die Grünen und Lea Laux für die Piraten. Für die FDP war Florian Zipfel anwesend. Wie der Veranstalter mitteilte, sei auch ein Vertreter der AfD erwartet worden, dieser erschien jedoch nicht. Die Moderatoren Yannis Beining und Georg Vogel konfrontierten die Parteivertreter mit Themen, in denen die Schüler anderer Meinung waren als ihre Partei. So wurde Stefan Krutten (SPD) mit der These "Bei Landtagswahlen soll das Wahlalter gesenkt werden" konfrontiert. Die Schüler hatten mehrheitlich dagegen gestimmt, die SPD befürwortet die Herabsetzung. "Die Jugendlichen, die heute anwesend sind, tun dies freiwillig", sagte Krutten, "das zeigt uns als Partei, dass ein Interesse an Politik und den Landtagswahlen besteht. Deshalb möchten wir jungen Menschen ermöglichen, wählen zu können."

Im Anschluss durften die Schüler selbst Fragen zu landespolitischen Themen stellen. Heftig diskutiert wurde etwa, ob Islamunterricht an saarländischen Schulen angeboten werden soll, und damit auch die Frage, ob Religionsunterricht im allgemeinen noch zeitgemäß sei. Linke und Piraten sprachen sich gegen Religionsunterricht aus. Dennis Weber von den Linken betonte, seine Partei setzte sich für ein Unterrichtsfach ein, dass sich "Lebensgestaltung/Ethik und Religionskunde" nennt. Dort sollen Moralvorstellungen und Werte nicht nur aus der Sicht einer Religion betrachtet werden.

Ein anderes, den Schülern wichtiges Thema war die Inklusion von behinderten Schülern an Regelschulen. Die meisten der anwesenden Parteien hielten Inklusion für sinnvoll und machbar. Doch ein Schüler entgegnete: "Ist es nicht wichtig, zwischen körperlicher und geistiger Behinderung zu unterscheiden? Körperliche Behinderungen sind kein Problem, wenn die Schule barrierefrei ist. Einen geistig behinderten Schüler zu integrieren stelle ich mir schwieriger vor." Lea Laux von den Piraten betonte, dies sei mit einer ausreichenden Anzahl an Förderschullehrern leichter zu bewältigen. Daraufhin meldeten sich viele Schüler zu Wort und erzählten von ihren persönlichen Erfahrungen. CDU und die Linke betonten, dass sie sich für eine Wahlmöglichkeit einsetzten. So sollen Eltern behinderter Kinder selbst entscheiden können, ob ihr Kind eine Förderschule oder eine Regelschule besucht.

Die meiste Zustimmung bei den Schülern gab es für das Plädoyer von Hubert Ulrich zum Thema Cannabis. Er sagte, es sei wissenschaftlich belegt, dass der Einstieg zu harten Drogen meist mit Zigarettenkonsum beginnt und nicht durch Cannabis ausgelöst werde. Außerdem seien die meisten Todesfälle, die auf Drogenkonsum basieren, auf Alkohol zurück zu führen. Wenn Alkohol und Zigaretten legal seien, gäbe es keinen Grund Cannabis nicht zu legalisieren, fuhr Ulrich fort. Außerdem werde dadurch der Schwarzmarkt eingeschränkt. Die Schüler stimmten dem Grünen-Politiker nahezu geschlossen zu: Rund 80 Prozent von ihnen hatten sich für eine Legalisierung des Cannabis-Eigenanbaus ausgesprochen.

Am heutigen Donnerstag ab 10.30 Uhr macht der "Wahl-O-Mat on Tour" am Peter-Wust-Gymnasium in Merzig Station. > Wie sind die Positionen der Parteien bei drei für die Schüler zentralen Themen (Energiepolitik, Islamunterricht, Inklusion)? Die SZ hat die Standpunkte miteinander verglichen (siehe unten).

Zum Thema:

Wahl-O-Mat liefert Entscheidungshilfe Wo setzte ich mein Kreuzchen? Diese Frage dürften sich viele Saarländer momentan stellen. Eine Hilfe kann dabei der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung sein. Dabei handelt es sich um ein Frage-und-Antwort-Tool im Internet, das zeigt, welche Partei der eigenen Position am nächsten steht. Insgesamt 38 Thesen zu verschiedenen landespolitischen Fragen können mit "stimme zu", "stimme nicht zu", "neutral" oder "These überspringen" beantwortet werden. Die zur Wahl zugelassenen Parteien können auf die gleiche Weise antworten. Nachdem alle Thesen bearbeitet wurden, kann der Benutzer einzelne Thesen gewichten. Ihm wichtige Thesen werden doppelt gezählt. Anschließend können bis zu acht Parteien ausgewählt werden, deren Antworten mit den eigenen Positionen abgeglichen werden sollen. Das Wahl-O-Mat-Ergebnis zeigt dann, inwieweit die Ansichten der Parteien mit den eigenen übereinstimmen. Die Partei mit den meisten Übereinstimmungen steht dabei ganz oben. Zusätzlich kann der Benutzer einsehen, wie die einzelnen Parteien auf die jeweilige These geantwortet haben. Die Thesen des Wahl-O-Mats werden von Redakteuren der Bundes- und Landeszentrale für politische Bildung sowie von Wissenschaftlern und Pädagogen erarbeitet. Zu finden ist der Wahl-O-Mat unter www.wahl-o-mat.de , er wird bereits zum dritten Mal bei einer Landtagswahl im Saarland angeboten. Der "Wahl-O-Mat on Tour" wird organisiert von der Landeszentrale für politische Bildung, dem Landesjugendring Saar, der Arbeitskammer des Saarlandes sowie der Bundeszentrale für politische Bildung. wahlomat . saarbruecker-zeitung.de