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Oberperl: Rüben schnitzen und die Geister vertreiben

Oberperl : Rüben schnitzen und die Geister vertreiben

Sobald es dunkel ist und die Rummelbòòzen fertig sind, machen sich die Kinder mit ihren Begleitern auf den Weg durchs Dorf.

Die Tage werden kürzer, die Nächte länger und es kommt die Zeit, in der man früher noch an Geister geglaubt hat. Um diese abzuwehren, haben schon die Kelten einen Brauch etabliert, der in Amerika beliebt wurde, besser bekannt als Halloween.

Aber auch bei uns ist diese Tradition lange bekannt, aber hier greift man statt zu einem Kürbis zu einer Rübe, der man lustige oder gruselige Fratzen verpassen kann. Am vergangenen Freitag war es in Oberperl nun wieder soweit.

Mit Eisportionierer und Meißel machen sich die Kinder erneut ans Werk, allerdings arbeiten sie gegen die Zeit, denn vor Einbruch der Dunkelheit müssen sie fertig werden. Während sich manche schon überlegen, wie ihre Rübe später aussehen soll, fangen mehr als ein Dutzend Kinder zunächst damit an, die Rübe auszuhöhlen. Ihr Lachen ist dabei zu hören, sie haben sichtlich Spaß an der Sache, obwohl die Rübe fester als ein Kürbis ist und damit mehr Kraft aufgebracht werden muss. Doch in ihren Augen steht der Ehrgeiz, die Rübe ihres Fruchtfleisches zu entledigen. Immer wieder fahren ihre Hände mit verschiedenem Werkzeug in das Innere und kratzen dieses heraus. Das perfekte Werkzeug oder die perfekte Technik gibt es dafür nicht, es sollte nur stabil sein. „Dafür werden die Werkzeuge jedes Jahr verbessert“, berichtet Elisabeth Karl, die mit Sohn und Tochter dabei ist. Sie kommt jedes Jahr wieder dazu, „weil es den Kindern Spaß macht und wir meistens gutes Wetter haben“, sagt sie. Ihr Sohn Tim ist derweil fleißig dabei, seine Rübe auszuhöhlen, aber das süße Fruchtfleisch wirft er nicht weg, denn Naschen ist erlaubt. „Er ist ein richtiger Profi“, konstatiert seine Mama anerkennend. Was ihm am meisten Spaß macht? „Das Ausschnitzen und Essen“, erzählt Tim.

Dem schließt sich auch Julian Koch an, der mit seinen beiden Schwestern das dritte Mal mitmacht. Für die runde Augen hat er diesmal Apfelstecher verwendet und statt Draht nutzt er ein Seil mit einer Kabelisolierung, damit die Laterne besser in den Händen liegt.

Bei der Gestaltung kann jeder seiner Fantasie freien Lauf lassen: Mal sind die Augen rund, mal eckig, mal sind die Zähne krumm, mal fein säuberlich ausgeschnitten.

Durch die verschiedenen Formen des Gemüses gleicht kein Wurzelgemüse dem anderen, da manche sowohl spitz als auch mit mehreren Auswüchsen nach oben wachsen. Sobald es ans Schnitzen geht, übernehmen die Opas und Omas die Leitung. Ein paar Kinder sind mit ihren Großeltern da, weil Mama und Papa noch arbeiten sind.

Seit etlichen Jahren belebt der Heimatverein von Oberperl diese alte Tradition wieder, doch da es in unserer Region weniger Bauern gibt, werden auch die herkömmlichen Futterrüben seltener. „Wir haben die Rüben aus Morscholz importiert“, erzählt Günter Gelz, Ortsvorsteher von Oberperl und zeitgleich erster Vorsitzender des Heimatvereins.

 So sieht die fertige Rübe aus.
So sieht die fertige Rübe aus. Foto: Tina Leistenschneider
 Tim Karl macht es schon zum dritten Mal mit: das Rommel-Schnitzen beim Oberperler Heimatverein.
Tim Karl macht es schon zum dritten Mal mit: das Rommel-Schnitzen beim Oberperler Heimatverein. Foto: Tina Leistenschneider

Sobald es dunkel genug ist und die Rummelbòòzen fertig ausgeschnitzt sind, versieht man sie mit einer Kerze und dann machen sich die Kinder mit ihren Begleitern nach getaner Arbeit auf den Weg: Gemeinsam laufen sie mit ihren selbst kreierten Laternen durch das Dorf und vertreiben so die Geister des Jahres.