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Sinz: Reise in die dunkle Vergangenheit

Sinz : Reise in die dunkle Vergangenheit

Kriegsveteranen und Hinterbliebene von US-Soldaten besuchen frühere Kriegsschauplätze in der Region – unter anderem bei Sinz.

Spurensuche im Dreiländereck und zugleich eine Reise in ein dunkles Kapitel unserer Vergangenheit: Der Zweite Weltkrieg ist lange vorbei, und doch gibt es Menschen, die die Kriegsgeschehnisse im Umfeld von Sinz nicht vergessen können und wollen.

Nachdem der Verein zur Bergung Gefallener in Osteuropa (VBGO) mit zwei großangelegten Suchaktionen in den Jahren 2015 und 2016 auf internationale Beachtung gestoßen war, besuchten jetzt zwei Armee-Veteranen sowie Verwandte früher hier eingesetzter US-Soldaten das damalige Kampfgebiet. Eigentlich sollten noch mehr Gäste von der anderen Seite des Großen Teichs kommen. Zwei weitere hochbetagte Veteranen starben allerdings, kurz bevor sie die Reise nach Europa antreten konnten.

Eine Woche lang waren die 36 Personen aus den verschiedensten Bundesstaaten Amerikas unterwegs, um von Trier aus die einzelnen historischen Kriegschauplätze anzufahren und sich vor Ort ihr eigenes Bild von den dramatischen Geschehnissen der letzten Kriegstage zu machen.

Herbert Ridyard und Jerome Fatora waren im Umfeld des hart umkämpften Orscholzer Riegels im Einsatz. Inzwischen über 90 Jahre alt, nutzten sie die Gelegenheit, um mit der gesamten Reisegruppe aus den USA ihre früheren Stellungen im Wald bei Sinz zu besuchen und auch der dort gefallenen Kameraden zu gedenken.

Wichtige Vorarbeit dazu hatte der Verein zur Bergung Gefallener in Osteuropa in den vergangenen Jahren geleistet. Bei großangelegten Suchaktionen mit Helfern aus ganz Deutschland, aus Holland und Luxemburg hatten sie nicht nur zahlreiche Ausrüstungsgegenstände, sondern auch die sterblichen Überreste gefallener Soldaten ausfindig machen und bergen können. Die Identifizierung der Gefallenen ist noch nicht abgeschlossen. In den USA ist man immer noch bemüht, die genaue Identität der Gefallenen zu klären.

Bereits bei früheren Einsätzen hatten die VBGO-Mitglieder, allesamt Ehrenamtler, das Schicksal zahlreicher gefallener und vermisster Soldaten aufklären können, zunächst im Osten, später dann auch in den Kampfgebieten in der näheren und weiteren Umfeld unserer Region.

Anfangs noch als Militaristen, Kriegsverherrlicher oder Nazis beschimpft, ist diese Antipathie vielerorts Respekt und Anerkennung angesichts der Leistungen gewichen. Insbesondere im Ausland, vor allem aber in den USA, stieß die freiwillige, ehrenamtliche und unentgeltliche Arbeit der VBGO-Helfer auf nachhaltige Resonanz. Sie selbst verstehen ihr Engagement als Friedensarbeit und wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung.

Quer durch die USA berichteten amerikanische Medien seinerzeit über die Sucheinsätze. Dass jetzt Veteranen und ihre Verwandten aus ganz Amerika eigens in den saarländisch-rheinland-pfälzischen Grenzraum gereist kamen, erfüllt Hans-Peter Jung und Christian Seiwert aus Dillingen mit Genugtuung, ja sogar mit Stolz.

Auch dieses Mal war wieder das amerikanische Fernsehen mit von der Partie, um unmittelbar vom Ort des Geschehens zu berichten. Auch die deutsch-amerikanische Schauspielerin Helen Patton, die Enkelin von US-General George S. Patton, seit 1995 im Saarland zuhause und als Begründerin der „Patton Stiftung Sustainable Trust“ (2005) stark in der Friedenserziehung aktiv, kam erneut nach Sinz, um ihre weitgereisten Landsleute zu begrüßen und ihnen die damaligen Geschehnisse näher zu bringen.

Für ihr Engagement erhielt sie die Auszeichnung der Chapel of Four Chaplains. 2014, während der Gedenkfeier an die Landung der Alliierten in der Normandie, trat sie mit Gitarrist Thomas Blug und seiner Band auf. Anschließend wurde sie vom damaligen französischen Staatspräsidenten François Hollande zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Auch mehrere Normandie-Gemeinden zeichneten sie als Ehrenbürgerin aus.

Die Amerikaner besuchten aber nicht nur die früheren Stellungen und das damalige Kampfgebiet. Eine Exkursion führte sie auf den Soldatenfriedhof nach Luxemburg, eine weitere zum Westwall-Bunker bei Sinz, wo Sebastian Kirch die inzwischen zu einem Museum umfunktionierte Befestigungsanlage näher vorstellte. Das militärgeschichtliche Museum in Luxemburg, das 94th Peace Memorial, das Ehrenmal in Sinz, das Landesmuseum in Trier, das frühere Konzentrationslager Hinzert, aber auch die Saarschleife und Saarburg waren weiterte Besuchsstationen.

US-Veteran Herbert Ridyard  war im  Krieg  in einer MG-Stellung am Rande des Sinzer Waldes im Einsatz. Foto: Ruppenthal

Nicht nur die Gäste aus Amerika zeigten sich zum Abschluss ihres umfangreichen Besuchsprogramms vom Gesehenen und Erlebten, aber auch von der Arbeit der VBGO-Helfer tief beeindruckt. Christian Seiwert, der seinen beruflich verhinderten zweiten Vorsitzenden Hans Peter Jung, beide aus Dillingen, beim Besuchsprogramm in Sinz vertrat, war sichtlich angetan. „Unser Einsatz war nicht umsonst“, stellte er zufrieden fest, und freute sich sehr über die Anerkennung und Dankbarkeit der amerikanischen Besucher.