Prima Adresse zum Feiern

Wenn die Winzer zum Abschluss der Traubenlese zum Wein- und Kellerfest einladen, dann strömen die Besucher an die Obermosel. Nach dem Finale heute Abend werden rund 30 000 Gäste das 41. Fest genossen haben.

Es ist noch früher Abend. Die Zuppelmusiker bauen gerade im Frutenkeller in Perl ihre Instrumente auf, die Kellnerinnen verteilen schon eifrig Flammkuchen oder Käsewürfel, und Chef Helmut Herber kommt trotz der eisigen Temperaturen schon ins Schwitzen: "Samstag ist für uns der Haupttag, da kommen die meisten Leute," sagt Herber und nimmt schon die nächste Bestellung auf. Rund 30 000 Besucher werden insgesamt auf dem 41. Wein- und Kellerfest in Perl erwartet. Und die wollen vor allem eines, sagt Herber: "Grauburgunder und Auxberrois." Aus älteren Jahrgängen versteht sich, denn aus der diesjährigen Lese gibt es bisher nur den Federweißen. Das Perler Weinfest ist für die Winzer der Höhepunkt des Weinjahres und das Ende der Traubenlese. "Wir sind vergangenen Samstag mit der Weinlese fertig geworden. Nur ein paar Trauben für den Eiswein hängen noch. Die Qualität ist sehr gut. Die Quantität dieses Jahr nicht so", ist das Fazit des Weinbauers.

Dem schließt sich Simon Ollinger vom Bio-Weingut Ollinger-Gelz in Sehndorf an. Wegen des miesen Frühsommers mit heftigen und andauernden Regenfällen habe man schon mit einer Tragödie gerechnet: "Am Ende hatten wir aber nur zehn Prozent Verlust, und die Qualität ist in Ordnung. Also, Ende gut, alles gut, könnte man sagen." Die Erleichterung färbt auf die Gäste ab. Bei Live-Musik von Christian Palz lädt das gemütliche Gemäuer in Sehndorf zu einem geselligen Beisammensein ein. Für das Weinfest hat das Gut, das im normalen Betrieb keine Gastronomie anbietet, kleine Spezialitäten mit auf die Karte genommen wie Schinkenbrote oder Schafskäse im Blätterteig. "Gerade die Happen für den kleinen Hunger wie unser Traubentoast verkaufen sich sehr gut," verrät eine Kellnerin von Haus & Hof, ebenfalls in Sehndorf. "Man will sich ja nicht gleich beim ersten Stopp den Appetit verderben, sondern noch etwas Platz für später lassen", fügt einer der Gäste hinzu. Auch im Haus & Hof ist die Atmosphäre sehr gemütlich. Bei Kerzenschein lauschen die Gäste hier aufmerksam den sanften Klängen von Ronan Keating oder Tracy Chapman , die Eric Maas auf seiner Akustik-Gitarre zum Besten gibt. Wie viele Stationen stehen an so einem Abend auf dem Plan? "Noch mindestens fünf," sagt Frau Klein aus Perl .

Jedes Jahr besucht sie das Weinfest, und in diesem Jahr hat sie extra Freunde aus dem Allgäu, dem Ruhrgebiet und Luxemburg eingeladen. Der Lieblingswein der Weinfest-Neulinge? "Natürlich Grauburgunder ," sagt einer ihrer Begleiter aus dem Ruhrgebiet. "Das Essen ist lecker, die Musik ist gut, es ist sehr gesellig," so das Urteil von Regina Geveler aus Recklinghausen nach einem Besuch in der Champusscheune des Winzer-Präsidenten Gerd Petgen. Weniger ruhig und gesellig geht es auf der Party im Mosellandkeller zu. Der alte Gewölbekeller hat sich in eine Diskothek verwandelt.

Lockt draußen noch der Geruch deftiger Bratwurst, sind drinnen buntes Licht und tanzbare Rhythmen der Besuchermagnet. Spätestens bei "Danza Kuduro" und sicherlich nach mehr als einem Glas Wein hält es die Besucher nicht mehr auf dem Boden. Die Tische müssen herhalten. Wie die Stimmung hier ist? "Geil! Wie jedes Jahr," gröhlt einer der hier eher jungen Gäste. Das bunte Treiben geht in einigen Weinkellern am heutigen Montag noch in die letzte Runde. Noch ein Mal gefeiert werden kann bei der "After Work Party" im Sekthaus Gerd Petgen sowie im Perler Römerkeller (Dr. Matzinger). Bei der Eröffnung des Wein- und Kellerfestes am Freitag sprang die saarländische Sozialministerin Monika Bachmann spontan für den kurzfristig verhinderten Schirmherrn Innenminister Klaus Bouillon in die Bresche, obwohl sie mittags noch in Berlin unterwegs war.

Darüber hinaus gab sich in der Sektscheune von Winzerpräsident Gerd Petgen vielerlei Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung die Ehre. Auch Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer besuchte das Weinfest. Sie schaute am Samstagabend im Weingut Schmitt-Weber vorbei, das erst wenige Wochen zuvor mit den saarländischen Verwaltungschefs eine Bürgermeisterweinlese durchgeführt hatte. Natürlich durfte die saarländische Weinkönigin Franziska nebst Prinzessin Michelle nicht fehlen. Aber auch weitere königliche Hoheiten der Region von diesseits und jenseits der Grenze gaben sich die Ehre.

Parallel zum Weinfest gab es im Vereinshaus wie schon in den Vorjahren wieder eine internationale Kunstausstellung. Weitere Ausstellungen fanden im Sekthaus Gerd Petgen (Nanakunst - Ulla Klein), in Haus & Hof ( Bilder und Objekte von Heike Puderbach) und im Rathaus Perl statt. Die Grundschule lud für Sonntagnachmittagszu einem Tag der offenen Tür ein. In der Turnhalle gastierte das Puppentheater Kussani und präsentierte sein neuestes Stück "Kasper - Wasser ist Leben". Die Perler Geschäftswelt lud die Besucher zu einem verkaufsoffenen Sonntagnachmittag ein. Und das Weingut Schmitt-Weber lockte mit einem kleinen regionalen Bauernmarkt.