Perler sagen Nein zu Lidl-Umzug

Perler sagen Nein zu Lidl-Umzug

Der Lidl-Discountmarkt in Perl möchte umziehen und an anderem Standort groß neu bauen. Doch dieses Vorhaben ist vielen Menschen im Ort ein Dorn im Auge, wie ein Infoabend im Vereinshaus zeigte.

Noch mehr Verkehr , noch mehr Abgase, noch mehr Lärmbelästigung: Das Gros der Gäste bei dem Info-Treff im Perler Vereinshaus am Montagabend sagte Nein zur geplanten Umsiedlung von Lidl . Den Platz haben sich die Verantwortlichen des Discounters ausgeguckt: Der Neubau, ein Pilotprojekt, wie ihn Projektentwickler Anton F. Preussler von der Prebag Entwicklung GmbH nannte, soll der Trierer Straße in dem Bereich zwischen dem Penny-Markt und dem Baugebiet "An der Bahnhofstraße" hochgezogen werden. "Denn Stillstand ist Rückschritt", warb der Mann aus Aschheim im Landkreis München für das Projekt. Der Bau soll laut den Prototypen in Schweich mit 1700 Quadratmetern Verkaufsfläche übertreffen. - 2000 Quadratmeter soll er haben, gebaut mit viel Glas. Zehn bis 20 neue Arbeitsplätze stellte er in Aussicht. 2018/2019 könnte der Bau stehen.

2000 Quadratmeter groß

Doch dagegen regt sich immenser Widerstand. Christian Schramm, Anwohner des angrenzenden Neubaugebietes, befürchtet, dass der ohnehin schon starke Verkehr durch die neue Ansiedlung noch zunehme. An Spitzenzeiten kommen nach seinen Worten die Anwohner nicht mehr aus dem Wohngebiet raus. Nervend sind nach seinem Bekunden auch die Abgase. Auch litten die Anwohner unter Lärmbelästigung - Aussagen, die Holger Beinig und Asael Rouby unterstützen.

Paul Schweitzer, Mitglied der SPD-Fraktion im Perler Gemeinderat, verwies auf den Unterschied zwischen objektiver Lärmbelastung, die gemessen und errechnet werde, und der subjektiven Wahrnehmung von Lärm. Zwischen beiden klafft nach seinem Bekunden eine enorme Differenz. Lärmimmissionen erzeugen nach Worten von Eric Schmohl, CDU-Fraktionsmitglied im Gemeinderat, Tanktouristen in Luxemburg. Er plädierte für die Erstellung eines Lärmschutzgutachtens.

"Kein Bedarf"

"Wir brauchen nicht noch einen zusätzlichen Einkaufsmarkt und holzen dafür eine Grünfläche ab", warf Bernd Kerpen ein. Der Perler verwies auf das Jahr 2009, als schon ein Investor schon einmal die Hand nach der "grünen Lunge" ausgestreckt habe, dieses Vorhaben jedoch verhindert wurde. "Wegen des geballten Einzelhandels haben zwei von drei Metzgereien in der Ortsmitte von Perl geschlossen", warf René Willems ein. Lidl könnte sich im Bescher Industriegebiet ansiedeln, lautete die übereinstimmende Ansicht von Philipp Schmelz, Philipp Anton und dem Grünen-Gemeinderatsmitglied Karl-Heinz Raczek.

"Nach geltendem Nutzungsplan ist dieses Sondergebiet hier nicht zulässig und nach vorliegendem Entwurf der Überarbeitung des Flächennutzungsplanes auch nicht beabsichtigt", wandten Franz und Irene Kehren (FDP ) ein. Nach Worten der Eheleute sieht das Gemeinde-Entwicklungskonzept keinen Bedarf mehr von weiterem großflächigen Einzelhandel, es warne sogar davor. Kritik übte der FDP-Fraktionschef im Perler Gemeinderat an der Vorbereitung von Preussler und Oliver Gabel, Prokurist bei Lidl und für Immobilien zuständig, für diesen Abend. "Wir stehen erst ganz am Anfang. Daher sind die Planungen noch nicht so weit gediehen", wehrte sich Gabel.

"Wir wollen an diesem Abend informieren. Alles soll transparent ablaufen", sagte Perls Bürgermeister Ralf Uhlenbruch. Dass die Gemeinde finanziell nur wenig von den Einkaufsmärkten profitiert, merkte Klaus Lellig an.

Er verwies auf ein Schreiben von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer vom August 2014. Auf Lelligs Frage antwortete sie: "Die zwölf Einkaufsmärkte haben 2013 an die Gemeinde 126 000 Euro abgeführt." "Vom Gesamtaufkommen der Gewerbesteuer in Perl ist das gerade mal ein Anteil von 6,7 Prozent." Schriftlich hat er auch von der Ministerpräsidentin, dass die Landesplanung in der Vergangenheit nur zwei Sonderflächen über 800 Quadratmeter Verkaufsfläche ausgewiesen habe. Zahlreiche weitere Begehren, über 800 Quadratmeter zu gehen, seien abgewiesen worden. "Der Bürgermeister soll mit der Landesplanung ausloten, was erlaubt ist und was nicht", schlug CDU-Fraktionschef Ernst-Rudolf Ollinger vor. "Danach sehen wir weiter."

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auf einen blick "Wir müssen endlich entscheiden, welche Entwicklung unsere Gemeinde einschlagen soll", forderte Michael Fixemer, SPD-Fraktionschef im Perler Gemeinderat, nach dem Infoabend. "Dabei müssen wir die Erwartungen unserer Einwohner angemessen berücksichtigen." Die Anwesenden hatten nach seinem Bekunden zum Ausdruck gebracht, dass es an dieser Stelle keinen Markt geben soll. Das wolle die SPD-Fraktion diskutieren und in ihre Meinungsbildung einfließen lassen. "Die von der SPD-Fraktion geforderte Information der Bürger vor der Entscheidung des Gemeinderates war eine für uns sehr bedeutende Veranstaltung." mst

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