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Heimweg: Perl zwischen Hollywood und Hongkong

Heimweg : Perl zwischen Hollywood und Hongkong

Ortsschilder aus allen Teilen der Welt: In einem kleinen Ort in Oberfranken liegt jetzt Perl direkt neben Beverly Hills.

Er macht die Superstars unsterblich: der Walk of Fame in Los Angeles. Hier sind sie alle – von Berühmtheiten wie Walt Disney bis zu den heutigen Idolen aus Blockbustern und Co., von Sportlern bis zu Fernseh-Größen – auf Sternen, die ihren Namen tragen. Im oberfränkischen Oberkotzau haben neben jeder Menge Promis auch Otto Normalverbraucher die Chance, sich zu verewigen, zwar nicht auf Sternen, wohl aber an eigens aufgestellten Pfählen mit Ortsschildern, Straßenschildern, Autokennzeichen und individuellen Grüßen. Und davon machen sie reichlich Gebrauch. Der völkerverbindende Fernweh-Park, in den die Touristen zuhauf strömen und sich mit Schildern aus ihrer Heimat unsterblich machen, wurde nach dem Vorbild des Sign Post Forest in Kanada geschaffen.

Inmitten der weit über 4000 Schilder grüßt auch des Saarlandes einziger Weinort: Perl. Zu verdanken haben die Obermoselaner dies einem Herrn, der den Namen ihres Ortes trägt: Perl. Jürgen Perl war Zollbeamter und verrichtete oft im Dreiländereck Deutschland, Luxemburg und Frankreich seinen Dienst. Als er sich einmal in der Zollstelle „Perl“ vorstellte und seinen Namen sagte, meinte der Beamte „Ja, Sie sind hier in Perl.“ Und Jürgen Perl antwortete: „Das weiß ich. Doch mein Name ist Perl, ich heiße auch so.“ Diese Episode spielte sich vor 30 Jahren ab.

Seit dieser Zeit ließ Jürgen Perl, der mittlerweile in Hof wohnt, der Gedanke nicht mehr los: „Ich muss das Ortsschild für den Fernweh-Park haben, das meinen Namen trägt.“ Als der Fernweh-Park 2017 nach Oberkotzau wechselte und er sah, wie toll er völlig neu installiert worden war, setzte Perl alle Hebel in Bewegung. Im Januar griff er zum ersten Mal zum Telefon und wählte die Nummer des Perler Rathauses, berichtet Bürgermeister Ralf Uhlenbruch.

Zunächst unterbreitete er einer Mitarbeiterin sein Anliegen. Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Mitarbeiter mit seinem Wunsch konfrontiert. In der Perler Verwaltung rannte der Mann offene Türen ein, wie Uhlenbruch erzählt. „Die Idee, sich mit dem Namen unserer Gemeinde in einem völkerverbindenden Friedensprojekt zwischen Stars und immer wieder darüber berichtenden Medien präsentieren zu können, fand natürlich schnell Anklang.“ Man machte sich auf die Suche nach einem passenden Ortsschild und wurde fündig.

„Das Besondere daran war allerdings der Zusatz, der Hinweise auf die beiden Nachbarländer gibt: ‚Frankreich drei Kilometer, Luxemburg ein Kilometer’ ist Schwarz auf Weiß zu lesen – einschließlich eines Pfeiles, der in diese Richtung zeigt“, verrät der Verwaltungschef. „Jürgen Perl wählte diese Seite als ‚Schokoladenseite’. Damit kommt auch das internationale Erscheinungsbild des Projekts zur Geltung. Mit Blick auf seine Tätigkeit als Zollbeamter war dies natürlich keine große Überraschung.“