Obermosel-Gau begeistert mit Äppelfeschd

Äppelfeschd : Der Apfel mobilisierte die Massen

Bei strahlendem Herbst-Sonnenschein strömten am Wochenende Tausende auf den Moselgau zum 21. Äppelfeschd.

Mit über 500 Liter frisch gepresstem Apfelsaft und fast 3000 Kilo Äpfeln hat sich die Familie Backes bestens für das Äppelfeschd in den Perler Moselgau-Dörfern gerüstet. Neun verschiedene Apfelsorten lagern die Obstbauern aus Büdingen beim Bauernmarkt in riesigen, 300 Kilo schweren Kisten. Idared, Jona Gold, Rewena oder der beliebte Topaz präsentieren sich in einem rot-grün melierten Gewand und laden zum Kauf ein – egal ob für Apfelkompott, Apfelkuchen oder gleich zum Verzehr im Rohzustand.

Schon seit 15 Jahren beteiligt sich der Familienbetrieb am Äppelfeschd, berichtet Edgar Backes und freut sich bei schönen Wetter am Wochenende auf das Publikum. „Anders als im Norden oder Süden Deutschlands hatten wir eine gute Ernte“, sagt er und erklärt den Besuchern gerne, welche Apfelsorte für welches Vorhaben am besten geeignet ist. „Rewena eignet sich sehr gut für Apfelsaft und Boskoop für Apfelkuchen“, weiß der Fachmann. Seine Lieblingssorte und Geheimtipp für Apfelfreunde: „Melrose, weil er schön knackt und süßlich und fruchtig schmeckt“, verrät Backes.

Der Bauernmark in Perl-Borg findet zum ersten Mal im Rahmen des zweitägigen Festes statt und zieht bei strahlendem Sonnenschein viele Besucher an, die Schirmherr Stefan Thielen zusammen mit der neuen Viezkönigin Salomé sowie weiteren königlichen Hoheiten und Ehrengästen aus der Region begrüßt. Für den Schirmherrn ist der Apfel als das Obst schlechthin tief in unserer Region verwurzelt. Thielen besinnt sich auf die früheren Zeiten, in denen viele zu Hause noch ihre Äpfel kelterten und viel Ess- und Trinkbares daraus selber hergestellt haben. „Daran erinnert das Äppelfeschd“, hebt Thielen hervor. „Diese Erinnerungen sind mit Emotionen verbunden, und daher müssen diese Feste zur Kulturerhaltung gefördert werden“, sagt der Schirmherr. Eine besondere Ehrung wurde der Vorsitzenden des Vereins Viezstraße, Irmtraud Engeldinger, zuteil: Für ihr großes Engagement für die Viezstraße wurde sie zur Ehrenvorsitzenden ernannt.

Besucherin Angelika Wehr begleitet das Äppelfeschd, seit dieses noch in den Kinderschuhen steckte. „Ich freue mich, dass was los ist. Sonst sieht man hier keine Menschen mehr und durch das Fest wird das Dorf belebt“, erzählt sie. „Außerdem wird so die Arbeit der Bauern belohnt.“

Insbesondere der dörfliche und nichtkommerzielle Charakter  gefällt Anne und Kurt Dopfer aus Hausbach so gut am Äppelfeschd. Sie sind zum ersten Mal in Borg, sonst waren sie immer in Tettingen-Butzdorf. Sie schlendern gerne durch die Ortschaften, um die Scheunen mit den Weinkellern oder die Kelteranlagen zu besichtigen. Ihrer Ansicht nach funktionieren Feste wie dieses am besten in einer kleinen Dorfgemeinschaft, wo jede Generation noch mithilft.

Ähnlich sehen das Heinz und Angelika Helmut aus Saarlouis, für die das Äppelfeschd, das heuer zum 21. Mal stattfindet, schon ein „Familienfest“ ist. „Die Äpfel sind viel günstiger als aus dem Supermarkt und zudem hier aus dem Landvertrieb, also nicht von weit weg“, betont Angelika Helmut. Darüber hinaus würde sie es begrüßen, wenn Schulen Ausflüge zu Obstbauern unternehmen würden, um die Geschichte des Apfels näher kennenzulernen.

Einen Ausflug aufs Äppelfeschd unternehmen auch Sonja und Franz Scholtes jedes Jahr, sie lieben das Flair der Veranstaltung. In ihrer Hand halten sie eine drei Kilo schwere Tüte, gefüllt bis obenhin mit dem begehrten Obst. Was sie mit den Äpfeln machen? „Sie in ihrer gesündesten Form essen“, erzählt Sonja Scholtes.

Von einer guten Ernte berichtet René Franz aus Orscholz, der für den Johanneshof in Wehingen am Bauernmarkt teilnimmt. Schon als kleiner Junge habe er sich immer auf das Äppelfeschd gefreut, für ihn ist es ein Muss, mit dabei zu sein, erzählt er. „Die Äpfel schmecken je nach Wetter unterschiedlich“, erklärt er. Wie viel Apfelsaft er am Ende zusammen hat, ist vom Wassergehalt des Apfels abhängig, aber für 50 bis 60 Liter muss er fast 100 Kilo Äpfel pressen. Er hat diesmal drei Sorten im Angebot, alle sind unbehandelt und ungespritzt, verspricht er.

Unweit von Borg entfernt, in Tettingen-Butzdorf, lobt Karl-Heinz Kratz vor allem das urige und ländliche Ambiente. Dieser Meinung schließen sich Rosi und Edwin Schmitz sowie Edeltrud Stiebeler aus Britten an, die das Fest in Tettingen insgesamt gemütlicher finden als in Borg. Hier verläuft die Veranstaltung durch den ganzen Ort, auf jeder Straßenseite können Besucher Liköre, Weine, Viez sowie Äpfel, Kartoffeln und Wurst kaufen.

In den Kisten stapelt sich das beliebte Kernobst, das die Besitzer wechselt, viele kommen allein dafür zu dem Fest. Kleine und große Apfelfreunde können dabei zusehen, wie der Apfelsaft frisch gepresst und gefiltert wird, alles ohne Zusatzstoffe. Die Apfelsäfte sind daher fruchtig und leicht trüb, schmecken dafür jedoch deutlich nach Apfel.

Freut sich über eine gute Ernte: René Franz. Foto: Tina Leistenschneider
Foto: Tina Leistenschneider. Foto: Tina Leistenschneider
Foto: Tina Leistenschneider. Foto: Tina Leistenschneider
Viel Andrang herrschte am Wochenende in den Dörfern auf dem Perler Moselgau beim Äppelfeschd. Foto: Ruppenthal

„Er schmeckt nach Obst, anders als der industrielle“, finden Irmgard und Alwin Schütz aus dem Hochwald. Sie sind das erste Mal auf dem Äppelfeschd und bereits jetzt hellauf begeistert. Für sie steht jetzt schon fest: Nächstes Jahr kommen sie wieder.