| 00:00 Uhr

Nein zur Sporthalle

Das Schengen-Lyzeum beschäftigte wieder den Perler Rat. Foto: Rolf Ruppenthal
Das Schengen-Lyzeum beschäftigte wieder den Perler Rat. Foto: Rolf Ruppenthal FOTO: Rolf Ruppenthal
Perl. Die neue Sporthalle am Schengen-Lyzeum ist vom Tisch. In geheimer Wahl lehnten 13 Ratsmitglieder in der Sitzung des Perler Gemeinderates den Bau ab, neun votierten dafür. Margit Stark

Dicht an dicht reihten sich am Freitagabend die Zuhörer in der Aula des Schengen-Lyzeums. Gespannt warteten sie auf die Entscheidung des Perler Gemeinderates, ob eine neue Sporthalle an der binationalen Schule in Bauträgerschaft der Gemeinde hochgezogen wird oder nicht. Doch der Gemeinderat ließ sie warten. Nach fast dreistündiger Diskussion gab Perls Bürgermeister Bruno Schmitt das Ergebnis der geheimen Abstimmung bekannt: Neun Ratsmitglieder stimmten für einen Neubau, 13 votierten mit Nein. Leidenschaftlich hatte der Verwaltungschef zuvor für die neue Halle geworben, die nach seinen Worten nicht nur den Bedarf der Schule deckt, sondern auch den von Vereinen aus der Obermosel-Gemeinde. Er bezog sich auf eine Umfrage, die im Vorfeld der Entscheidung unter Perler Sportvereinen gestartet worden war.

"Es gibt eine Bedarfsmeldung von 44,5 Stunden - und das von montags bis freitags, 16 bis 21.30 Uhr." Zudem verwies er auf das Angebot eines Ingenieurbüros , eine Niedrigenergiehalle hochzuziehen. Nach deren Schätzung seien zwischen 2,9 Millionen und 3,1 Millionen Euro zu zahlen. Ein Vorschlag des Büros: durch ein Steuersparmodell Mehrwertsteuer komplett einzusparen. Die Folge: Für die Halle seien nur noch 2,5 Millionen Euro hinzulegen. Für CDU-Fraktionschef Ernst-Rudolf Ollinger rechnet sich der "Bürgermeister die Zahlen schön". So steht für ihn fest: Wenn die Kosten für den Neubau sinken, verringern sich auch die Zuschüsse von Land, Luxemburg und Kreis.

Was für den Christdemokraten noch mehr wiegt: "Es kann nicht sein, dass der Staat von seinen Steuerzahlern Steuerehrlichkeit verlangt und hier der öffentlichen Hand Steuereinnahmen entzogen werden sollen. Es ist doch gerade die öffentliche Hand, die nach dem vorliegenden Finanzierungsplan den größten Teil der Kosten , nämlich 2,4 Millionen Euro bezahlen soll."

Bisher sei von Baukosten in Höhe von 2,7 bis drei Millionen Euro ausgegangen. Nach Berechnungen des Kreises liegt der Preis laut Ollinger zwischen 3,3 und 4,8 Mio. Euro . "Risiken, wie sie sich durch den Baugrund ergeben könnten und die Kosten für das Grundstück bleiben außen vor." Dieses Wagnis sei Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich zu hoch, weshalb der Kreis es ablehne, Bauträger zu werden. Er zitierte die erweiterte Schulkommission. Diese hatte laut Ollinger festgestellt, "dass die Möglichkeiten für Sportunterricht an vergleichbaren Schulen des Landkreises den bereits am Schengen-Lyzeum bestehenden Standard nicht erreicht werden".

Für ihn steht fest: "Es geht nicht an, dass die Gemeinde Leuchtturmprojekte finanziert und gleichzeitig den grundlegenden Versorgungsauftrag in unverantwortlicher Weise vernachlässigt." Als Beispiele nannte er Grundschulen und Endausbau von Straßen, für die die Hausbesitzer bereits vor Jahren Kosten gezahlt haben. Zwar habe die Gemeinde Perl einen ausgeglichenen Haushalt, allerdings auch jede Menge Schulden. Als Beweis zog er eine Berechnung des Statistischen Amtes Saarland zum 31. Dezember 2012 heran. Danach habe Perl die vierthöchste Pro-Kopf-Verschuldung der 52 saarländischen Kommunen von 1157 Euro . "Neuere Zahlen liegen bisher noch nicht vor." Das Kontra von Bruno Schmitt : "Glaube nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast" - eine Bemerkung, die Ollinger in Harnisch brachte: "Die Zahlen stammen nicht von mir, sondern vom Statistischen Landesamt."

Derweil warf SPD-Fraktionschef Michael Fixemer dem Kreis vor: "Er weiß allem Anschein nicht, dass das Schengen-Lyzeum mit keiner anderen Schule im Landkreis verglichen werden kann." Die Schule habe mit seiner binationalen Schülerschaft deutsche und luxemburgische Vorgaben zu erfüllen. Zudem hat laut Fixemer die Schulleitung einen Bedarf von 127 Wochenstunden Sport für alle Jahrgänge errechnet. "Es klafft eine Lücke von 19 Stunden., was das das Kultusminsiterium bestätigt hat." Landkreis habe elf Stunden ermittelt . "Die Differenz begründet der Kreis mit acht Stunden Schwimmunterricht. Dabei wird die Tatsache vergessen, dass für die Nichtschwimmer ein alternativer Sportunterricht angeboten werden muss. Oder sollen die Nichtschwimmer zukünftig beim Schwimmunterricht zuschauen?" Auch verwies er auf die fehlenden Umkleidekabinen - für Schüler wie auch für Lehrer. Für ihn steht fest: Andere Gemeinden, der Kreis wie auch Mitglieder des Kreistages führen eine Neiddiskussion gegen das Schengen-Lyzeum und die Gemeinde Perl . Dies schade der Schule, die die Gemeinde brauche. Sie müsse attraktiv und lebendig bleiben. Daher sei ein Neubau nötig.

Die Halle, die derzeit genutzt wird, ist mit ihrer dreifeldrigen Aufteilung nach seiner Meinung aufgrund ihrer Architektur nur in eingeschränkter Form nutzbar. Auch fehlt seiner Meinung nach Schallschutz. Alles in allem kommt er zu dem Schluss: "Ein ordentlicher Unterricht ist kaum möglich." Er folgerte: Ohne neue Halle müssen in die jetzige Halle seinen Schätzungen nach zwischen 700 000 Euro und einer Million gepumpt werden - Investitionen, für die Luxemburg keinen Zuschuss gebe. Für die neue Halle hatten sich die Verantwortlichen aus dem Großherzogtum bereit erklärt, 1,5 Millionen zu zahlen, 300 000 Euro wollte der Kreis zahlen, 600 000 Euro die Gemeinde Perl , ebenso viel das Land. "Gibt es schon eine schriftliche Zusage für das Geld?" wollte Ollinger vom Verwaltungschef wissen. Schwarz auf weiß gebe es noch nichts, wohl aber eine mündliche Zusage.

Franz Keren von der FDP monierte die fehlenden Informationen. "Bei diesem Thema wird dies auf die Spitze getrieben", meinte er mit Blick auf die Auswertung der Umfrage des Sporthallen-Bedarfsplans und dem Schreiben des Ingenieurbüros über möglich Kosten der Halle, die Bruno Schmitt vorgestellt hatte. "Wir können nicht aus den Vollen schöpfen", sagte er und verwies auf den maroden Zustand der Straße von Sehndorf nach Besch und des Feuerwehrhauses in Besch. "Wir haben für jede Lösung ein Problem", kommentierte Grünen-Politiker Karl-Heinz Raczek. Mit Blick auf den Zuschuss von 2,4 Millionen Euro plädierte er dafür, dieses Geld nicht zum Fenster rauszuschmeißen, sondern zu bauen. Auch verwies er darauf, wie wichtig Sport für die Kinder sei.

Leidenschaftlich versuchte Volker Staudt, Schulleiter des Schengen-Lyzeums, den Rat von dem Neubau einer Sporthalle zu überzeugen. "Wir stehen im Konkurrenzkampf mit anderen Schulen", sagte er mit Blick auf eine Schule, die die Luxemburger nach seinen Worten in Bad Mondorf planen. Seine Befürchtung: Komme die Halle nicht, könnte das Lyzeum Schüler aus Luxemburg verlieren. Er verweist auf die Schließung der ehemaligen Erweiterten Realschule Perl . Seine Angst: "2025 könnte das Totenglöcklein für das Schengen-Lyzeum läuten."

Derweil verwies Edmund Kütten, CDU-Fraktionschef im Kreistag, auf die einstimmige Entscheidung der Schulkommission. "Wir haben alle Schulen im Kreis im Blick zu haben, nicht nur eine."


Meinung :

Die richtige Entscheidung

Von SZ-Redakteurin Margit Stark

Für das Nein zum Bau der Sporthalle am Schengen-Lyzeum ist die Mehrheit des Rates nur zu beglückwünschen. In Zeiten knapper Kassen dürfen sich die Kommunen keine Luxusbauten mehr leisten, sondern müssen sich auf notwenige Aufgaben beschränken - der Sanierung von in die Jahre gekommenen Feuerwehrhäusern und von Grundschulen , die in ihrer Trägerschaft sind. Sich angesichts eines Haushaltes, der genehmigt werden muss, für den Landkreis einspringen zu wollen und ein hohes finanzielles Risiko für die Gemeinde einzugehen, ist schon sehr vermessen. Zum Glück hat die Mehrheit die Reißleine gezogen.