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Naturlandschaften kennen keine Grenzen

Deutsch-französisches Tandem: Landschaftspfleger Pierre Wernain (links) und Biologe Axel Didion arbeiten auf dem Hammelsberg zusammen. Foto: Jasmin Kohl
Deutsch-französisches Tandem: Landschaftspfleger Pierre Wernain (links) und Biologe Axel Didion arbeiten auf dem Hammelsberg zusammen. Foto: Jasmin Kohl FOTO: Jasmin Kohl
Perl. Die Naturlandstiftung Saar feiert dieses Jahr 40-jähriges Bestehen. Damit ist sie die älteste Naturlandstiftung Deutschlands. Viele ihrer Schutzgebiete liegen im Grünen Kreis. Einige davon haben wir erkundet und stellen sie in einer kleinen Serie vor. Teil 2: das grenzüberschreitende Naturschutzgebiet Hammelsberg. Jasmin Kohl

Sind wir jetzt in Frankreich oder in Deutschland? Auch das Handy scheint es nicht genau zu wissen, schickt vorsorglich gleich mehrere Tarifmeldungen hintereinander. Wer auf dem Hammelsberg bei Perl unterwegs ist, wird ganz automatisch zum Grenzgänger. Das Naturschutzgebiet liegt auf deutschem und französischem Gebiet. Seit rund 25 Jahren betreut die Naturlandstiftung Saar (NLS) zusammen mit ihrem französischen Pendant "Conservatoire d'espaces naturels Lorraine" (CEN) das Gebiet, das zum Natura 2000-Netz gehört (siehe Infokasten). Trockenrasenwiesen, auf denen sich seltene Insekten- und Orchideenarten tummeln, zeichnen es aus.


Mit einem Pferde-Beweidungsprojekt im lothringischen Weinbaugebiet Toul fing alles an, erinnert sich Axel Didion, Biologe bei der NLS. Die Stiftung machte dorthin eine Exkursion, um sich über das Projekt des CEN zu informieren. Man kam ins Gespräch und knüpfte Kontakte. Gut 25 Jahre später laufen Didion und Pierre Wernain, Landschaftspfleger beim CEN, als alte Bekannte über den Hammelsberg und sinnieren über die gut funktionierende Zusammenarbeit. Viele Führungen haben sie bereits im deutsch-französischen Tandem geleitet. Wernain, der durch seine elsässischen Wurzeln und Praktika in Deutschland sehr gut Deutsch spricht, sorgt dabei dafür, dass den französischen Teilnehmern nichts entgeht. Er wird spontan zum Simultan-Übersetzer.

Wernain kümmert sich um die Pflege des 48 Hektar großen Südhangs des Hammelsbergs, auf dem sich ein Teil des orchideenreichen Trockenrasens befindet. Der andere Teil erstreckt sich über das Berg-Plateau. Es gehört zu dem insgesamt 34 Hektar umfassenden deutschen Gebiet, dem Nordhang. Der regelmäßige Erfahrungs- und Informationsaustausch ist ein wesentlicher Bestandteil dieser grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. So denkt Wernain darüber nach, einen Teil des Südhangs wieder beweiden zu lassen, Didion wird die Idee interessiert verfolgen.



"Der Trockenrasen braucht eine besondere Pflege, weil er sonst mit Gebüschen wie Schlehe und Weißdorn zuwächst", erklärt Biologe Didion. Dass er überhaupt noch existiert, ist vor allem der Europäischen Union zu verdanken: Sie lieferte für die Wiederherstellung des Terrains die entscheidenden finanziellen Zuschüsse.

Die Schachbretter, die über die buntblumige Wiese tanzen, scheinen es ihr zu danken. Wie zahlreiche andere Schmetterlingsarten finden sie hier ausreichend Nahrung. "Über 70 verschiedene haben wir hier gefunden", sagt Didion stolz. Die meisten Insekten, die auf dem Hammelsberg lebten, brauchen Wärme und Trockenheit. Daher werden die Wiesen regelmäßig gemäht

"Im August kann man hier auch das seltene Weinhähnchen hören", sagt Didion. Die unscheinbare Grillenart ist 50 bis 100 Meter weit zu hören und zeichnet sich durch einen wohlklingenden Singsang aus.

Auch von den insgesamt 43 Orchideenarten, die im Saarland vorkommen, finden sich hier 17, darunter die Pyramidenorchis, die Bocks-Riemenzuge oder die seltene Bergaster. Zurzeit dominiert der Mückenhändelwurz, die Blütezeit der anderen Orchideen ist schon vorbei.

Immer wieder kreuzen Wanderer den Weg der Naturschützer, kein Wunder: Über den Hammelsberg führen der Saar-Hunsrück-Steig sowie der Panoramaweg Perl . Infotafeln, deutsch-französisch versteht sich, geben ihnen einen Einblick in die Geschichte und das Artenreichtum des Naturschutzgebiets. Holzbänke am Wegesrand laden zum Verweilen ein und lassen auf das Moseltal, französische Weinberge sowie bis ins luxemburgische Schengen blicken. "Europäischer geht's kaum", kommentiert Didion.

Zum Thema:

Hintergrund Natura-2000-Gebiete sind ein Netzwerk von Schutzgebieten in der EU, durch das gefährdete oder typische Lebensräume und Arten erhalten, gefördert oder wiederhergestellt werden sollen. Die Natura-2000-Flächen umfassen Vogelschutzgebiete und die so genannten FFH-Gebiete. FFH steht für Fauna-Flora-Habitat, also für Lebensräume von Tieren und Pflanzen. Im Saarland gibt es 118 FFH-Gebiete mit einer Fläche von 26 319 Hektar (10,2 Prozent der Landesfläche) und 41 Vogelschutzgebiete mit 23 680 Hektar (9,2 Prozent), die als Natura 2000-Gebiete ausgewiesen sind. Da sich diese Gebiete teilweise überschneiden, besteht das Natura-2000-Netz im Saarland insgesamt aus 126 Gebieten mit einer Fläche von 29 940 Hektar (11,6 Prozent). FFH- und Vogelschutzgebiete werden im Saarland als Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen. Quelle: Naturwacht Saar/Umweltministerium.

Die Pyramidenorchis ist eine der 17 verschiedenen Orchideenarten, die auf dem Hammelsbeg wachsen. Foto: Axel Didion
Die Pyramidenorchis ist eine der 17 verschiedenen Orchideenarten, die auf dem Hammelsbeg wachsen. Foto: Axel Didion FOTO: Axel Didion
Die Blumenpracht auf dem Trockenrasen bietet zahlreichen Insektenarten einen optimalen Lebensraum. Foto: Axel Didion
Die Blumenpracht auf dem Trockenrasen bietet zahlreichen Insektenarten einen optimalen Lebensraum. Foto: Axel Didion FOTO: Axel Didion