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Literarischer Treffpunkt auf der Grenze

Literarischer Treffpunkt auf der Grenze

Zollhäuschen zwischen Perl und Apach wird seit einem Jahr als öffentlicher Bücherschrank betrieben und erfreut sich regen Zuspruchs.

Leseratten aus drei Ländern profitieren von einem neuen Bücherschrank, der mit etwa 200 Büchern in unterschiedlichen Sprachen gefüllt ist. Und dieser Bücherschrank ist ein ehemaliges Zollhäuschen, das nur wenige Meter von der deutsch-französischen Grenze entfernt an der Route de Trèves zwischen Perl und Apach seinen Standort hat. Aber auch die luxemburgische Grenze ist nicht weit weg, so dass das Dreiländereck an der Mosel eine weitere Besonderheit zu bieten hat, die in ihrer Art wohl einmalig auf der Welt ist.

Der Bücherschrank entstand im Rahmen einer Kooperation der Gemeinden im Dreiländereck und wurde größtenteils durch Spenden finanziert. Der Perler Bürgermeister Ralf Uhlenbruch sah anlässlich der Eröffnung und Freigabe des Bücherschrankes diesen als ein Symbol für das grenzenlose Zusammenleben. Sein Amtskollege Ben Homann aus Schengen merkte an, dass Bildung das Verständnis für die anderen Kulturen sei. Derweil betonte Patrick Gutiers, der gemeinsame Kollege aus der Gemeinde Apach, das Zollhäuschen könnte zu einem grenzüberschreitenden Kommunikationspunkt werden.

Seit dieser Freigabe ist nunmehr ein Jahr vergangen. "Im Großen und Ganzen ist die Umsetzung dieser grenzüberschreitenden Idee gut gelungen. Der Bücherschrank wird von der örtlichen Bevölkerung und von Gästen gerne angenommen", teilt Sylvie Schwendemann aus dem Rathaus der Gemeinde Perl auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung mit. Nutzer können beliebig viele Bücher entnehmen und behalten oder Bücher hineinstellen und verschenken. Sie sei die Bücherpatin. Viele der Gäste hätten diese Idee sogar sehr begrüßt und seien begeistert, sagt Schwendemann. Man höre nur positive Stimmen. Vielfach würden die Auto-Länderkennzeichen F, L und D dort gesichtet - also "Kundschaft" aus Frankreich, aus Luxemburg und natürlich aus Deutschland.

"Aber auch viele Touristen, Wanderer und Radfahrer habe ich beobachtet, die nicht ohne Halt vorbeifahren. Sie sind sich sehr neugierig", betont die Bücherpatin. Eine gemütliche Sitzecke ist ebenfalls im Bücherschrank eingerichtet. Diese lädt förmlich ein zum Miteinanderreden und Austausch. Der Grenzstandort leistet einen nicht unerheblichen Beitrag hierzu. Nahezu tagtäglich werden auch neue Bücher vorbei gebracht. "Oft ist es eine Herausforderung, was das Auf- und Einräumen der Bücher anbelangt", bleibt der Bücherpatin trotz dieser guten Idee eine kleine Schelte nicht erspart. Von daher hofft sie auf etwas mehr Verständnis bei den Leseratten.