1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Perl

„Landwirtschaft ist Pflege des Kulturraums“

„Landwirtschaft ist Pflege des Kulturraums“

In Büschdorf betreibt die Familie Hoffmann bereits in dritter Generation Landwirtschaft. Um nicht nur von einem Produktionszweig abhängig zu sein, gibt es Getreideanbau, Milchwirtschaft und eine Brennerei.

Eindrucksvoll liegt das denkmalgeschützte lothringische Bauernhaus in der Ortsmitte von Büschdorf . Gegenüber läuten gerade die Glocken der kleinen Dorfkapelle. Im Stall nebenan machen die neugeborenen Kälber ihre ersten Schritte. Die saarländische Bevollmächtigte für Europaangelegenheiten Helma Kuhn-Theis besucht an diesem Tag die Bewohner des Anwesens im Rahmen ihrer Sommertour. "Ich habe im Vorfeld im Gespräch mit der Landwirtschaftskammer über die Situation der saarländischen Bauern gesprochen. Immer wieder ist zu hören, dass die Landwirte eine Verramschung ihrer Produkte beklagen. Im Rahmen der Tour möchte ich vor Ort hören, wie die Lage ist und gleichzeitig damit bei den Verbrauchern für regionale Produkte werben."

Auf dem Hof in Büschdorf leben drei Generationen unter einem Dach. Opa Toni empfängt die Europa-Politikerin mit einer herzlichen Begrüßung an der Haustür. Sein Sohn Peter, der den Hof von ihm übernommen hat, führt Kuhn-Theis über das Gelände: "Viele Bauern spezialisieren sich heute auf nur einen Landwirtschafts-Zweig. Ich kann auf drei Standbeine zurückgreifen. Dadurch bin ich flexibler", sagt er. Durch diese Verteilung sei das Risiko, von nur einem Produktionszweig abhängig zu sein, spürbar gesenkt. In den Ställen und auf den weitläufigen Weiden rund um den Hof hat der Landwirt 180 Milchkühe untergebracht. "Der heiße Sommer macht uns zu schaffen", erzählt Hoffmann. Da viele Weiden vertrocknet seien, müsse das Vieh mit Futter versorgt werden, das eigentlich im Winter benötigt wird. Das dazu benötigte Getreide baut er selbst an. Von ähnlichen Problemen hat Kuhn-Theis tags zuvor bereits im Saarpfalz-Kreis gehört. Auch dort steht der Futter-Mais längst nicht in seiner vollen Höhe, was dem dortigen Landwirt mit Blick auf das Winterfutter Sorgen bereitet.

Hoffmann, derzeit mitten im Erntestress, kann an diesem Tag einmal durchatmen. Schlechtes Wetter zwingt ihn zu einer Unterbrechung. "Daher sehen wir uns heute einmal den weiteren Weg des Getreides an, nachdem es vom Acker kommt." Vorab präsentiert er der Europabevollmächtigten aber noch sein drittes Standbein, die kleine Brennerei. Wie schon bei der Milch- und Getreideproduktion arbeitet er auch hier nur mit regionalen Produkten. "Die Leute aus dem Ort bringen ihr Obst zu mir. Ich kaufe es ihnen dann zu einem guten Preis ab."

"Wie nehmen Sie den aktuellen Trend zu regionalen Produkten wahr?", erkundigt sich Kuhn-Theis. "Davon kommt bei uns Erzeugern nichts an." Klare Worte vom Landwirt. Den Grund dafür kennt Hoffmann: "Einerseits wollen die Menschen regionale und qualitativ hochwertige Produkte. Allerdings möchten sie dafür nicht mehr Geld zahlen." Nicht hinnehmbar für die Bevollmächtigte: "Die Produzenten müssen für ihre Arbeit auch angemessen bezahlt werden." Darum möchte sie bei den Verbrauchern wieder das Bewusstsein schärfen für regional erzeuge Produkte: "Landwirtschaft ist ein hartes Geschäft, oft ohne Wochenenden und von den Launen des Wetters gekennzeichnet. Die Produktionskosten sind enorm, die Erträge sinken" erklärt sie. Aber: "Landwirtschaft ist auch Pflege des Kulturraums. Wie sähe es bei uns aus, wenn die Felder nicht mehr bestellt, die Tiere von den Weiden verschwunden wären", fragt Kuhn-Theis. "Die Verbraucher können mit dem Konsum regionaler Produkte auch aktiven Umweltschutz betreiben, weil Milch oder Gemüse nicht erst tausende von Kilometern durch Europa gekarrt werden muss", erläutert sie. Sie erinnert daran, dass die Zahl der Milcherzeuger im Saarland innerhalb von 30 Jahren von 1084 auf heute 180 gesunken sei und in den nächsten zehn Jahren weitere 80 Betriebe schließen würden.Nach dem Gang durch die Brennerei in Büschdorf begleitet Kuhn-Theis Peter Hoffmann zum Futtermittelwerk nach Besch. Bauern aus dem Umkreis liefern auch über die Ländergrenzen hinweg hier ihr Getreide an. Von Annahme bis Verarbeitung läuft in der Anlage, die erst seit einem Jahr in Betrieb ist, beinah alles vollautomatisch.

Genau wie auf dem Hof spielt auch hier die Qualität eine entscheidende Rolle. "Das Getreide darf maximal eine Verunreinigung von zwei Prozent aufweisen", erklärt Mitarbeiter Andreas Donate. Nur vom Hauptturm aus lässt sich die gigantische Anlage mit ihren riesigen Silos überblicken. Die Europabevollmächtigte freut sich über diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit. "Dennoch ist es bedenklich, dass im Saarland nach Angaben der Landwirtschaftskammer knapp ein Fünftel der täglichen Backwaren weggeworfen werden." Dieser sorglose Umgang mit Nahrungsmittel sei ihrer Meinung nach bedenklich. "Wir als Konsumenten müssen dazu zurückkommen, Nahrungsmittel und die Grundlagen wieder höher zu schätzen. Gute Qualität direkt vom Erzeuger ums Eck ist nicht teurer, wenn man im Gegenzug weniger wegwirft", wirbt sie. Bereits in der Vorwoche war Kuhn-Theis in Saarlouis-Lisdorf bei der Salaternte dabei. "Es ist abenteuerlich, wenn ich höre, dass ganze Salatladungen von den Händlern zurückgeschickt werden, weil ein wenig Sand am Salat ist." Sie appelliert an die Verbraucher, Regionales wieder zu schätzen und auch bewusst zu kaufen: "Salat, Gurken, Zucchini, Tomaten, Kohl, Kartoffeln - all das kommt vom Acker aus unserer Region und nicht aus der Fabrik", sagt sie.

Nach dem Besuch der Höfe wird Kuhn-Theis ihre Eindrücke nochmals gemeinsam mit Vertretern der saarländischen Landwirtschaftskammer besprechen. Anschließend soll im Herbst dann ein Gespräch mit Vertretern in Brüssel folgen. "Es ist mir wichtig, dass wir die Rückmeldungen der Erzeuger vor Ort auch in Brüssel bei den Entscheidern anlanden", sagte die . Nur so kann nach erfolgreichen Instrumenten gesucht werden, die beispielsweise das Thema Regionalvermarktung aktiv unterstützen kann."