1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Perl

Landwirt profitiert von Positionierungs-Satelliten

Borg : Satelliten lenken den Traktor übers Feld

Landwirt Stephan Rauen aus Borg lässt als erster im Land seine Schlepper mittels aufwendiger Satellitentechnik rangieren (wir berichteten).

Ein Traktor zieht seine Bahnen auf einem Feld nahe Borg. Was der Beobachter nicht sieht: Der Mann in der Kabine des Traktors, Getreidebauer Stephan Rauen, lenkt die Maschine nicht selbst. Der Schlepper, wie Rauen die Zugmaschine nennt, fährt völlig eigenständig über den Acker. Welcher Route die Maschine dabei folgt, hat der Landwirt zuvor mit seinem Computer selbst festgelegt. Dies funktioniert nun wesentlich präziser als noch einen Tag zuvor. Zu verdanken hat er dies dem Zugriff auf Sapos, den Satellitenpositionierungsdienst der deutschen Landesvermessung (siehe Infobox). Die Verwendung des Satellitensystems hat dem Landwirt das saarländische Agrarministerium ermöglicht. Am Mittwochnachmittag gab Minister Reinhold Jost den Startschuss für das zweijährige Pilotprojekt, mit dem der Sapos-Dienst in bis zu 20 landwirtschaftlichen Betrieben im Saarland getestet werden soll. Rauen ist damit der erste im Saarland, der mit diesem Positionierungsdienst arbeitet.

Rauen zeigt sich begeistert von der Präzision, mit der seine landwirtschaftlichen Fahrzeuge nun fahren. „Ich arbeite bereits seit vier Jahren mit autonomen Schleppern, aber diese erreichten nur eine Genauigkeit von etwa 10 bis 20 Zentimetern. Mit Sapos fahren meine Maschinen bis auf einen Zentimeter genau“, erläutert der Landwirt. Der Unterschied ist enorm, sagt Rauen, der den Sapos-Dienst mit seinem Traktor bereits am Mittwochmorgen kurz ausgetestet hatte. Auch seien die Spuren, denen die Maschinen folgen, nun absolut gerade. Diese Genauigkeit kommt beim Abfahren des zu bearbeitenden Geländes zum Tragen: In allen Arbeitsschritten fährt der autonome Schlepper immer in „Spuren“, wie der Landwirt verrät, und je enger die Maschinen „von Spur zu Spur“ fahren können, desto weniger wird verschwendet, da es keine Überlappung gibt. Egal ob Platz auf dem Acker, Diesel, Dünger oder Pflanzenschutzmittel – das autonome Fahren spare dem Betrieb Geld und schone gleichzeitig die Umwelt.

Dabei ist die Verwendung neuester Technik in der Arbeit auf Feld und Flur für Stephan Rauen nichts Neues, wie er erzählt. „Das erste Mal habe ich 2010 mit Positionierungs-Technologie gearbeitet“, erinnert sich der Landwirt, „damit konnte ich mir die Spur, die zu fahren war, genau anzeigen lassen, aber ich musste noch selbst lenken. Das war dann quasi wie das Fahren im Auto mit Navigationssystem, allerdings deutlich genauer.“ Seit 2014 habe er einen Schlepper, der völlig autonom steuere. Dennoch müsse aus Sicherheitsgründen nach wie vor jemand auf dem Traktor sitzen und den Ablauf der Arbeit überwachen. Rauen kann seine Maschinen also nicht einfach wie eine Drohne unbemannt losschicken.

Dennoch stellt die Automatisierung für den Landwirt eine vor allem mentale Arbeitserleichterung dar, wie Rauen sagt. „Ich muss mich bei der Arbeit auf dem Acker nicht mehr um das Fahren der Spur Sorgen machen, sondern sitze deutlich entspannter in der Kabine.“ Die neue Technik erleichtert dem Bauern die Arbeit auch dadurch, dass das Positionierungssystem alle getanen Arbeitsschritte und jeden gefahrenen Meter aufzeichnet. So kann Rauen, wie er erläutert, seine Arbeit analysieren und herausfinden, ob und wie er beim nächsten Mal noch effizienter vorgehen kann. Ebenso kann er jeden Arbeitsschritt bereits in Ruhe am Rechner voraus planen.

Die Verwendung der selbstständigen Lenkung ist dabei nicht ohne Tücken, wie Stephan Rauen zu berichten weiß. Denn die Daten tauscht sein Schlepper per Mobilfunk mit den Referenzstationen aus. „Und hier im Grenzgebiet haben wir nicht die beste Netzabdeckung“, sagt der Landwirt. Allerdings könne die Technik auch einige Minuten ohne Mobilfunkverbindung überbrücken, versichert Rauen.

 Landwirt Stephan Rauen aus Borg.
Landwirt Stephan Rauen aus Borg. Foto: Ruppenthal
 Der Schlepper von Landwirt Stephan Rauen fährt dank Sapos nun hochprazise über das Feld.
Der Schlepper von Landwirt Stephan Rauen fährt dank Sapos nun hochprazise über das Feld. Foto: Ruppenthal
 Gesteuert per Satellit, zieht dieser Trecker bei Borg seine Bahnen auf dem Feld.
Gesteuert per Satellit, zieht dieser Trecker bei Borg seine Bahnen auf dem Feld. Foto: Ruppenthal

Aufgrund der Kosten für die Nutzung des Positionierungsdienstes lohnt sich die Verwendung von Sapos erst ab einer gewissen Größe der Schläge, sprich der zusammenhängenden Ackerflächen, wie Minister Reinhold Jost sagte, als er am Mittwoch das Projekt vorstellte. Im Gegensatz zur Landwirtschaft etwa im Osten Deutschlands hätten saarländische Betriebe oft nur klein strukturierte Agrarflächen. Anders gesagt: Je größer die Ackerfläche, desto eher rentiere sich die Nutzung des Positionierungsdienstes. Dies sei auch mit ein Grund, weswegen der Dienst erst jetzt im Saarland getestet werde. Die Funktionsweise dieser autonomen Steuerung  demonstrierte Rauen bei einer Fahrt auf dem Acker. Mit seinem Traktor zog der Landwirt eine Sähmaschine über die gelockerte Erde auf dem Feld. Dieses Gerät bringt Saatgut vollautomatisch in den Boden. Der Minister nahm auch in der Kabine des Schleppers Platz, um sich die neue Technologie genau anzusehen. Jost zeigte sich  überzeugt. „Wir wollen den Landwirten mit diesem Projekt unter die Arme greifen“, sagte er, „das kostet uns einiges, aber wir lassen es uns gerne was kosten. Denn man braucht heutzutage einen gewissen Standard an Technik, und Sapos bietet der Landwirtschaft eine große Chance.“