Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich melkt im Wiesenhof in Perl

Melken mit Hindernissen in Perl : Kuh schenkt Landrätin neues Blusenmotiv

Beim Testmelken passiert es: Eine Kuh lässt plötzlich ihrer Verdauung freien Lauf – schon kleckert’s von oben herab und trifft zum Glück nur klecksweise die Bluse von Daniela Schlegel-Friedrich. Sie nimmt’s mit Humor und wischt mit einem schallenden Lachen den Fleck weg.

Eigentlich hat Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich alles richtig gemacht. Die braun-weiße Milchkuh über ihr verdreht schon begeistert die Augen. Die korrekt angesetzte Melkmaschine pumpt bereits die Milch aus dem prallen Euter. Das allerdings beeindruckt eine Kuh auf der gegenüberliegenden Melkbahn wenig. Die lässt plötzlich ihrer Verdauung freien Lauf – schon kleckert’s von oben herab und trifft zum Glück nur klecksweise die Bluse der Landrätin.

Die nimmt’s mit Humor und wischt mit einem schallenden Lachen – so gut es geht – das unverhoffte Blusendekor weg. Zimperlich ist sie wirklich nicht im Melkstall des Wiesenhofs von Landwirt Alfons Wender in Perl, wo sich Schlegel-Friedrich in zünftigen Gummistiefeln ein eigenes Bild von den Betriebsabläufen eines modernen landwirtschaftlichen Unternehmens mit Milchkühen und Mastrindern machen wollte.

Vor einiger Zeit bereits drehte sich bei einem dienstlichen Gespräch der Landrätin mit Wender alles vordringlich um das aktuelle Thema „Blühwiesen“.

Gerade passiert: Der Landrätin bleibt jetzt nichts anderes übrig, als lachend die „Kuhkleckse“ von der Bluse zu wischen. Foto: a-n

Da bei dieser Gelegenheit auch die von vielen Tierschützern immer wieder beklagte Massentierhaltung in der Landwirtschaft zur Sprache kam, und Schlegel-Friedrich von Alfons Wender dazu gerne mehr erfahren hätte, verabredeten beide kurzentschlossen einen Melkeinsatz auf dem Wiesenhof in Perl. Die Familie des Landwirts betreut dort seit 35 Jahren immerhin rund 270 Milchkühe sowie deren Nachwuchs und dazu noch eine kleinere Zahl von Mastvieh.

„Rein zahlenmäßig kann man bei uns vielleicht von Massentierhaltung sprechen“, räumte der Landwirt offen ein, aber nach ihrem Melkeinsatz mit anschließendem Rundgang durch den modernen Betrieb nahm Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich die Überzeugung mit heim, dass es den Tieren auf dem Wiesenhof gut geht: „Ich habe hier viele, aber durchweg zufrieden wirkende Milchkühe mit Nachzucht gesehen, die ihre artgerechte Haltung mit einer erstaunlichen Milchleistung honorieren.“

Alfons Wender gab die durchschnittliche Milchproduktion auf seinem Hof pro Tag und Tier mit etwa 29 bis 30 Liter bester Qualität der S-Klasse an.

Wollte er dieses Aufkommen mit menschlicher Arbeitskraft bewältigen – „müsste ich dafür wahrscheinlich 20 Hilfskräfte und mehr einsetzen. Zu bezahlen wäre das gar nicht.“ Muss er auch nicht. Auf dem Wiesenhof hat der Landwirt viel Geld in modernste Technik investiert. Auf zwei parallelen Melkbahnen werden die Kühe in jeweils drei Gruppen morgens und abends von Maschinen gemolken, die auch den hygienisch einwandfreien Transport in die Sammeltanks gewährleisten.

Im Mittelgang erläuterten Wender und Schwiegertochter Marion die computergesteuerte Melkprozedur, bei der auch die Landrätin, der stets lauernden „Kleckergefahr“ zum Trotz, geschickt mit Hand anlegte.

Machten die zu melkenden Tiere dabei schon einen gelassenen, ruhigen Eindruck, bestätigte sich dieser Eindruck erst recht beim anschließenden Rundgang durch die Stallungen.

Viele Tiere zwar, aber offensichtlich alle artgerecht untergebracht – so ließ sich diese Besichtigung durch die landwirtschaftlichen Laien noch am treffendsten beschreiben. Auf dem Wiesenhof ruhen die Kühe im sogenannten „Weichbett“, womit eine Unterlage aus Stroh oder Sägemehl gemeint ist. Je nach Alter stehen jedem Tier dabei sechs bis sieben Quadratmeter zur Verfügung, wie Wender verriet. Und sollte es der einen oder anderen Kuh mal auf dem Rücken jucken, setzen Wender und seine Leute ganz nach Wunsch rollende Bürsten als Wohlfühlfaktor in Betrieb.

Klar, dass dort auch hochwertiges Futter exakt dosiert verabreicht wird, schließlich kommt die hohe Milchleistung nicht von ungefähr.

Insbesondere begeisterte sich Schlegel-Friedrich natürlich auch für die Kälber, die in Gruppen in geräumigen Stallbereichen untergebracht sind. Wender: „Wir kümmern uns bei den Milchkühen kontinuierlich um eigene Nachzuchten. Im Durchschnitt schenkt bei uns jede Kuh etwa fünf bis sechs Kälbern das Leben. Das muss letztlich auch so sein, denn ohne Kälber könnten wir nicht unsere Milchproduktion, mit der unser Betrieb nüchtern betrachtet wirtschaftet, dauerhaft gewährleisten.“

Kühe stehen auf einer Weide und reagieren auf die Kamera des Fotografen. Foto: dpa/Lino Mirgeler

Fast schon philosophisch erinnerte der Landwirt ferner daran, dass die Menschheit ohne die Landwirtschaft gar nicht existieren könnte.

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