| 20:26 Uhr

Kappensitzung
Kein Larifari bei der Weitener Safari

Die Botswana-Tigers begeisterten mit ihrer Aufführung das närrische Publikum in der Kaapesbauernhalle.
Die Botswana-Tigers begeisterten mit ihrer Aufführung das närrische Publikum in der Kaapesbauernhalle. FOTO: Kurt Petry
WEITEN. Einen karnevalistischen Steppenbrand verursachen die Weitener Narren bei ihrer Kappensitzung. Es gab viel Grund zur Heiterkeit.

In der Kaapesbauernhalle brannte die Steppe: Denn in Weiten gab´s kein Larifari, sie fuhren dieses Jahr auf Safari! Rund 80 Aktive präsentierten in der als Safaricamp wunderschön geschmückten Narrhalla ein stimmungsvolles vierstündiges Programm.


Und in der Steppe hatte sich das anscheinend rumgesprochen. Denn es wurden fast keine „großkopferten Tiere“ mehr gesichtet, außer zweien: Der Orscholzer Bürgermeister Daniel Kiefer (o pardon: natürlich der Mettlacher Bürgermeister, aber die Orscholzer wollten ja schon immer Zentralgemeinde sein) und der Landtags-Abgeordnete Stefan Thielen, die dann auch noch beide in die Safari-Bütt gingen!

Wie meinte der Bürgermeister: Besser auf Safari gehen als im Mettlacher Rathaus versuchen, Ordnung rein zu bringen! Kaum zu glauben, was ein Gemeindeoberhaupt so alles erlebt und aushalten muss. Seine Untertanen hatte Mitleid mit dem abgesetzten ersten Bürger der Gemeinde! Und auch der Thielen Stefan tauschte den Job im saarländischen Landtag gerne gegen die Teilnahme an der Weitener Safari, denn hier gibt es kein Larifari!

Und weil’s im Urwald auf so einer Safari auch gefährlich werden kann, hatten sich die Weitener den geistlichen Beistand in Personen von Pfarrer Hans-Thomas Schmitt nebst seinem Kaplan eingeladen, die offensichtlich Gefallen an diesem Safarileben hatten.

Doch der Reihe nach: Eröffnet wurde die Show beeindruckend durch die Musical-Melodien von König der Löwen. Als Rafiki stand Sarah Carl auf der Bühne, umgeben von der Vielfalt der Tiere, die man aus dem Urwald kennt. Im Kreis des Lebens fanden sie zusammen. Timo Wacht als Safarileiter erschien als Urwaldkönig und begrüßte das Publikum. Natürlich wurden die Gäste aus nah und fern zunächst mit dem Weitener Schlachtruf „Noun dae“ vertraut gemacht, denn auch im Safaricamp muss man sich verständigen können. Die Eröffnung wurde themengerecht durch den Live-Gesang von Amelie Michel, Julia und Timo Wacht mit dem Song „Waga-Waga“ beendet.



Zu Beginn zeigten die beiden Tanzmariechen Vivian und Madeline Lehnertz flink wie Gazellen ihren perfekt durch Julia Wacht einstudierten Gardetanz. Mit ihrer gekonnten Choreografie sorgten sie für einen beeindruckenden Auftakt der Kappensitzung und die erste Zugabe des Abends. Bereits im vergangenen Jahr präsentierte sich die jüngste Weitener Tanzgruppe, die Lollipop-Dancers auf der Bühne. Die acht- bis neun-jährigen Mädchen und Jungen präsentierten den Showtanz „Geistervolles im Urwald“ und machten dem Publikum viel Freude.

Die erste Büttenrede des Abends präsentierten die Publikumslieblinge „Mechthild und Margot“, die seit mehreren Jahren trotz ihres jungen Alters fester Bestandteil der Weitener Kappensitzungen sind. Ob Schule, Eltern, Nachbarschaft: Jeder bekam „sein Fett weg“, die abgehängte Decke der Narrhalla hob sich vor Begeisterungsstürmen.

Die Rainbow-Girls, trainiert von Diana Henn und Anja Schreiner, zeigten einen stimmungsvollen Showtanz. Mit der Musikauswahl, wie Despacito, Leben wie im Feuerwerk trafen sie den Geschmack des Publikums und durften ohne eine Zugabe die Bühne nicht verlassen.

Erstmals gemeinsam in der Bütt traten Franz und Siska, zusammen Franziska, auf und erzählten aus ihrem 25-jährigen langweiligen Eheleben, wie „Sag mal Schatz, die große Liebe ist doch was Wunderschönes.  Ja, mit dir ist es auch ganz nett.“ Und apropos geistlicher Beistand im Safaricamp: Die Siska kauft sich ja nur mehr katholische BH´s. Wenn man hinten den Haken aufmacht, fallen vorne zwei auf die Knie! So begeisterten sie mit viel Witz und Gestik das Publikum. Bei einer solch gelungenen Büttenrede bleibt zu hoffen, dass sie im nächsten Jahr wieder dabei sind.

Auch in diesem Jahr ließ es sich das Dreigestirn aus der Nachbargemeinde Freudenburg nicht nehmen, ihre Grußworte an die Weitener Narren zu richten. Bauer Edwin übte zunächst den Freudenburger Schlachtruf „Schien glaat“ ein und meinte dann: „Wann hat et daat schon mal genn: ein Urschelzer em Frädeburger Dreigestirn ob der Bühn en Weiten“, bevor er mit König und Jungfrau den Freudenburger Fastnachtsschlager zum Besten gab.

Zudem hatte das Dreigestirn ihre Königsgarde mitgebracht, die einen perfekten Gardetanz sehr zur Freude vor allem der Männerwelt im Safaricamp präsentierte. Mit viel Applaus wurden sie verabschiedet und leiteten damit auch die Pause im Programm ein.

Nach der Pause stand die Halle sogleich wieder Kopf. Die Dancing-Queens präsentierten ihren Tanz mit den Kölner Stimmungsliedern und erinnerten an die tolle „Kölsche Nacht“ vor einigen Wochen an gleicher Stelle. Das mitsingende Publikum ließ die Gruppe nicht ohne eine Zugabe von der Bühne.

Der „eingemeindete Fahaer“ von der Spvvg. Faha-Weiten, Stefan Thielen, kam auf die Bühne und erzählte, was ihm so alles auf seiner Großwildjagd durch die Savannen Afrikas passiert ist. Aber auch mit so einigen Jägergefährten aus Weiten hatte er so einiges auf Kleinwildjagd im heimischen Revier erlebt – wenn´s denn kein Jägerlatein war. Trotz seines Landtagsmandates ließ er es sich nicht nehmen, in der heimatlichen Bütt in Weiten für Stimmung mit einer pointenreichen Rede zu glänzen.

Auch die Aerobic-Gruppe ließ sich etwas Besonderes einfallen. Sie traten als Amazonen im Urwald auf. Ein Land, wo sich Gefahren verbergen und wilde Kriegerinnen hausen. Sie kämpften gegen alle Gefahren im Urwald an, um zum Schluss friedvoll unter dem Motto „Nur gemeinsam sind wir stark!“ zusammen zu finden. Eine mitreißende Choreografie, einstudiert von Jürgen Kremer, verzauberte das Publikum. Passende Musik und Lichteffekte brachten den erhofften Erfolg. Rakete und Zugabe waren erforderlich.

Und wieder waren sie dabei: De Klees und de Pitt von Herker, zwei Urgesteine der Weitener Fastnacht. Viel gab es wieder zu erzählen seit dem letzten Jahr. Ob Tratsch, Klatsch oder auch viele Neuigkeiten aus dem Dorf - alles kam auf den Tisch. „Sag mal Pitt, wie war denn die Party gestern?“ – „Oh Klees, wenn ich meine Hose gefunden hätte, wäre ich viel früher gegangen“. So folgte ein Witz dem anderen, die beiden nahmen kein Blatt vor den Mund und auch Pastor, Bürgermeister und Ortsvorstehen blieben nicht verschont. Sie wussten auch, dass der Weitener Ortsvorsteher in seinen Mallorca-Urlaub die falschen Sachen mitgenommen hatte: ja, seine Frau! Trotz später Stunde brachten sie den Saal zum Kochen. Sie sind Garant für viel Spaß in der Weitener Kappensitzung.

Die Männertanzgruppe leitete wie in jedem Jahre das Ende der Kappensitzung ein. Als Urwaldstamm der Botswana-Tigers waren sie Augenschmaus für die Gäste im Saal. Sie zeigten spektakuläre Hebefiguren auf rockige Lieder; gemixt mit tänzerischen Elementen brachten sie eine perfekte Show auf die Bühne. Am Ende wurden sie mit einer Rakete belohnt, Zugabe natürlich inbegriffen trotz vorgerückter Stunde nach Mitternacht.

Und dann war es wieder Zeit, das Finale einzuleiten, diesmal mit einer „Weltpremiere“, der neuen Weitener Fastnachts-Hymne. Der Refrain ging sofort ins Blut der Narren über: „Ruft Naun-däe, denn so ruft man hier an Fasenacht. Ruft Noun-däe, das ist Weiten wie es singt und lacht. Ruft noun-däe, und lasst uns alle fröhlich sein, hebt euer Glas und trinket Bier, Schnaps und Wein!“. In diesem Sinne bedankte sich Timo Wacht im Namen des Fastnachtsteams beim Publikum und verabschiedete sich und sprach den Akteuren und allen Helfern seinen Dank aus. Damit endete eine tolle und humorvolle Kappensitzung in einem Dorf, in dem es überhaupt keinen Karnevalsverein gibt! Denn das Fastnachtsteam Weiten, das diese Veranstaltung schon seit über 20 Jahren durchführt, ist ein loser Zusammenschluss von Narren und Fastnachtsbegeisterten. Musikalisch begleitete Edgar Strupp das Programm.

Sie nahmen kein Blatt vor den Mund: Sascha Henn und Dietmar Zender. Foto: Kurt Petry
Sie nahmen kein Blatt vor den Mund: Sascha Henn und Dietmar Zender. Foto: Kurt Petry FOTO: Kurt Petry
(py)