Katastrophenjahr abgewendet

Vorgestern hat im Saarland die Weinlese begonnen. Viele Trauben sind in diesem Jahr dem schlechten Wetter und dem Pilzbefall zum Opfer gefallen. Doch die Sonne der vergangenen Wochen hat die Winzer versöhnlich gestimmt.

Aufatmen heißt es für die Winzer der Großregion und Weinliebhaber: 2016 hat zwar ziemlich schlecht angefangen, doch trockene August- und Septembermonate konnten einiges wiedergutmachen. "In den letzten Wochen war das Wetter wirklich gut, deshalb hat sich die Situation wieder zum Guten gewendet und wir können Entwarnung geben", erklärt Winzer Helmut Herber aus Perl . "Die Qualitätsaussichten sind sehr gut, allerdings wird es weniger Wein geben. Die Verluste durch den Falschen Mehltau im Juni waren nicht mehr wettzumachen", sagt er. Nicht nur auf diesen Pilz, sondern auch auf das schlechte Wetter zu Beginn der Saison sei zurückzuführen, dass die Ernte "voraussichtlich um rund 20 Prozent geringer ausfallen wird als in einem durchschnittlichen Jahr", schätzt der Präsident des Saarländischen Winzerverbandes, Gerd Petgen.

Was die Qualität des 2016er Jahrganges angeht, sei er zuversichtlich: "Die Trauben sind in einem sehr guten Zustand." Dass auch 2017 eine Weinprämierung stattfindet, daran habe er keine Zweifel. Vor ein paar Monaten hatte sich die Prüfstelle für Qualitätswein der Landwirtschaftskammer (LWK) diesbezüglich noch besorgt gezeigt (wir berichteten). Nach einem hervorragenden Spätsommer änderte sich aber nun die Prognose. "Die Ernteverluste belaufen sich derzeit an der Obermosel auf rund 20 Prozent, bezogen auf das langjährige Mittel. Wir sehen die Weinprämierung 2017 aber nicht gefährdet", stellt Kathrin Hermes von der LWK fest.

Die geringere Ernte kann man "nicht unbedingt am Preis festmachen", sagt Gerd Petgen. Dennoch sollten Verbraucher mit einer leichten Preiserhöhung im Weinregal rechnen. "In den vergangenen zehn Jahren waren die Preise der Saar-Weine sehr stabil. Eine kleine Preisanpassung stand also schon länger an, sie wird aber im überschaubaren Bereich bleiben", so der Chef der saarländischen Winzer.

Gesamtproduktion bleibt stabil

Teurer könnte auch der Crémant aus dem Elsass werden, meint Pierre Bernhard, Vorsitzender des 450 Mitglieder starken Verbandes der unabhängigen elsässischen Winzer. Wieviel teurer, will er zwar nicht verraten; er berichtet aber, dass vor allem die der Crémant-Herstellung dienenden Weiß- und Grauburgunder vom starken Regen und von Angriffen durch den Falschen Mehltau betroffen waren. "Im Gegensatz dazu haben die Rebsorten Riesling, Silvaner und Gewürztraminer wenig Verluste gehabt", sagt Bernhard. Die gesamte Weinproduktion aus dem Elsass sei stabil geblieben. "In den beiden letzten Jahren war die Ernte bereits niedriger ausgefallen als in einem Durchschnittsjahr. Schuld war aber im Gegensatz zu diesem Jahr eher die Trockenheit."

Im Elsass sowie auch in manchen Teilen des Départements Moselle hat die Weinlese bereits vergangene Woche begonnen. Die saarländischen Winzer sind am gestrigen Montag gestartet, nachdem der Leseausschuss, in dem Vertreter der Winzer, der Gemeinden und der LWK den Zeitpunkt für den Erntebeginn bestimmen, grünes Licht gegeben hatte.

In Luxemburg werden ab Mitte dieser Woche die ersten Trauben geerntet. Dort liegen die Verluste durch Spätfrostschäden und den Falschen Mehltau bei 40 Prozent. "Mit einer geschätzten Erntemenge von rund 80 000 Hektolitern würde dies in etwa 60 Prozent einer normalen Ernte von 130 000 Hektolitern entsprechen", präzisiert Serge Fischer vom Weinbauinstitut in Remich. Auch er will das Glas halb voll sehen: "Die Qualität der verbliebenen Trauben ist wegen des guten Wetters im August jedoch exzellent."

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