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In Bayern daheim, in Besseringen zuhause

In Bayern daheim, in Besseringen zuhause

Aus dem Grünen Kreis in die große, weite Welt: Die SZ hat sich auf die Suche nach "Exilanten" gemacht. Nach Menschen, die zwischen Perl, Beckingen und dem Hochwald aufgewachsen sind und jetzt zwischen Sydney und San Francisco leben. Eine Reise rund um den Globus. Heute: Alfons Kiefer in Unterschleißheim.

Unterschleißheim. Seine Bilder zieren Hochglanz-Magazine, Plakate, Buch-Cover oder Ausstellungswände in ganz Deutschland und sogar weltweit. Alle entstehen in seinem Atelier in Unterschleißheim bei München. Und der Künstler, der sie seit über 30 Jahren erfolgreich malt, stammt aus Besseringen. Alfons Kiefer ist Illustrator aus Leidenschaft, überzeugter Wahl-Bayer - und "durch und durch Saarländer geblieben".1979 zog es ihn nach einem Grafikdesign-Studium in Trier aus dem Merziger Stadtteil Richtung München. "Ich wäre auch gern im Saarland oder in Trier geblieben, aber ich musste dorthin, wo es viele Verlage und Werbeagenturen gab, denen ich meine Arbeiten anbieten konnte", erinnert sich der 58-jährige Freiberufler. Seine Wahl fiel nicht nur aus beruflichen Gründen auf die bayerische Metropole. "Ich kannte die Stadt, und sie hat mir schon immer gefallen. Heute möchte ich hier nicht mehr weg." Zumal seine Frau, die beiden Söhne und das einjährige Enkelkind auch in München leben. Beziehungsweise in Unterschleißheim, einer Stadt, die landschaftlich "fast wie im Saarland" viel Natur und Ruhe zu bieten hat. "Das schätze ich sehr, denn ich bin kein Stadtmensch", sagt Kiefer. "Das Voralpenland mit seinen Wäldern und Seen beeindruckt mich immer wieder."

Auch als Sportfreund kommt er in Bayern mit Skifahren, Fußball und Kanu auf seine Kosten. "Ich paddele auch manchmal auf der Regatta-Anlage, die für Olympia 1972 gebaut wurde. "Beindruckend." Beeindruckend ist auch die Auftragskunst, die Kiefer verkauft. Einen Querschnitt offenbart der Illustrator auf seiner Webseite. Aus seinem Atelier stammen zum Beispiel 15 Spiegel-Titelbilder, "von denen einige in einer Wanderausstellung 2004 um die ganze Welt gezogen sind", erklärt der Künstler. Sein Artwork wird in Magazinen und Zeitungen gedruckt, dazu für Werbekampagnen, Filmplakate (etwa "Highlander", 1986), Pin Ups oder Porträts. "Das besondere an den Arbeiten ist, dass ich noch analog male. Auf Leinwand oder Karton, mit Farbe und Pinsel. Ich brauche den Computer nicht." Das schätzen seine Kunden, die gar aus Japan und den USA kommen. Ausgestellt hat Kiefer auch schon, etwa 2010 im Schloss Fellenberg in Merzig. "Das hat mich sehr gefreut, weil ich in meiner Heimat mal zeigen konnte, was ich so mache."

Ganz weg sei er übrigens gar nicht, weil "das Saarland mir immer noch am Herzen liegt. Ich habe ja auch noch Verwandte dort, die ich regelmäßig besuche". Kiefer ist in Bayern daheim und in Besseringen zuhause, könnte man sagen. Vor Ort fühlt er sich längst heimisch, schätzt auch die kulturelle Vielfalt und die Mentalität der Bayern, die "gar nicht so anders ist als die saarländische. Die Menschen sind direkt, herzlich und ehrlich. Das mag ich", sagt er. Und: "Mich haben sie integriert, obwohl ich kein Bayerisch spreche." Dass er die Heimat nur selten vermisst, liegt nicht nur daran, dass er sich in Bayern wohlfühlt. Denn saarländische Errungenschaften hat der Pragmatiker exportiert: "Wenn ich hier grille, dann schwenke ich. Der Schwenker im Garten stammt aus dem Saarland.

www.alfons-kiefer.de

Auf einen Blick

"Exilanten" gesucht: Die Serie über die "Merzig-Waderner im Exil" lebt von der saarländischen Methode "Ich kenne einen, der einen kennt". Die SZ bittet ihre Leser um Mithilfe: Haben Sie Freunde, Bekannte oder Familienangehörige, die aus dem Landkreis Merzig-Wadern in die Welt gezogen sind? Dann melden Sie sich in der Lokalredaktion der SZ in Merzig und geben Sie uns einen Tipp! kes

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