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Heckenschnitt-Aktion mit Kohlpharma schafft Lebensraum für Hase und Co

Borg : Neuer Lebensraum für Niederwild

Mit Unterstützung der Firma Kohlpharma wurden rund um Borg dringend erforderlich Rückschnitte an wuchernden Hecken erledigt.

Gemächlich nähert sich Stefan Meiers mit der Säge am Bagger dem Gehölz, rollt weiter nach vorne und tippt leicht gegen die Steuerung, um die Säge kurz vor den Stöcken und Ästen zu positionieren. Noch ein Stück, dann passt es und die Säge macht sich an die Arbeit. Nach und nach stutzt Meiers so die Hecken auf wenige Meter herunter – setzt sie somit wieder auf Stock, damit die alten und verwilderten Hecken durch einen starken Rückschnitt vor dem Austrieb regeneriert werden. Das Totholz bleibt als Witterungsschutz und Brutplatz liegen.

Tagelang war Meiers Ende Februar, noch vor der Corona-Krise, damit beschäftigt, einzelne Flächen auf den Feldern rund um Borg auf Stock zu setzen. Die Flächen gehören der Ortsgruppe Mettlach-Perl des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), wie dessen Vorsitzender, Kurt Robinius, erklärt. Flächen, die nicht mehr von den Eigentümern gepflegt werden, können an den Nabu übertragen werden, „auch können wir die Flächen kaufen. Wir haben jedoch nicht die Möglichkeiten, sie zu pflegen“, sagt Robinius. Es fehle an den Ehrenamtlern, die mit anpacken. Die Folge: Die Hecken und Bäume wachsen wild nach oben, sind am Boden licht und bieten für Niederwild keine Rückzugsmöglichkeit. Auch der Lebensraum von Vögeln ist so gefährdet.

Eine Entwicklung, die auch der Jäger und stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Kohlpharma, Philipp Kohl, in seinem Jagdrevier Borg bemerkte: „Feldlerche und Kiebitz sind komplett weg“, erzählt Kohl, der sich aufgrund dessen fragte, wie es um die Artenvielfalt bestellt sei und woran die Verarmung des Lebensraums für alle Bewohner der Feldfluren liege.

Beteiligten sich am Heckenschnitt für mehr Lebensraum für Niederwild (v. l.): Kurt Robinius, Vorsitzender Nabu-Ortsgruppe Mettlach-Perl, Philipp Kohl, stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Kohlpharma, Sascha Schmitt, Berufsjäger und Stefan Meiers. Das Foto entstand vor der Corona-Krise. Foto: leis/Tina Leistenschneider

Er nahm deswegen Kontakt zur lokalen Ortsgruppe des Nabu auf und bot an, dass das Unternehmen Kohlpharma die Arbeit übernehme, die der Nabu nicht leisten kann: einige der Hecken wieder auf Stock zu setzen und die Streuobstwiesen zu pflegen, um so etwas für die Artenvielfalt von Vögeln, Wildbienen, Hasen und anderem Niederwild zu tun.

„Wir fühlen uns mit der Natur verbunden und müssen sie schützen“, sagt Philipp Kohl. Zusammen mit Sascha Schmitt, dem Berufsjäger von Edwin Kohl, führte man im vergangenen Jahr eine Zählung auf der Revierfläche durch, um herauszufinden, wie es um die Vegetation bestellt ist. Das Ergebnis? „Viele Arten, die hier leben könnten, werden gefressen, weil es auf dem großen, kahlen Acker keinen geschützten Bereich gibt“, erzählt Kohl. Um für Vögel und Niederwild ausreichend Schutz zu bieten, müssen die Hecken untenrum dicht sein, damit die Prädatoren ihre Beute nicht direkt erfassen können.

Durch eine intensive Raubwildjagd im vergangenen Jahr und das Auf-Stock-Setzen vor dem Austrieb erhoffen sich die Beteiligten, dass die Artenvielfalt wieder zunimmt. „Die Hecken sollten alle fünf bis sechs Jahre gestutzt werden, um sie vital zu halten“, sagt Sascha Schmitt. Dadurch bilde sich eine neue Hecke, die dicht verwächst – bereits im September soll laut Schmitt die Hecke wieder mehrere Meter hoch sein. Außerdem wolle man mit den Landwirten rund um Perl zusammenarbeiten, um gemeinsam etwas für die Artenvielfalt auf der Landfläche zu tun.