Haftbefehl gegen Algerier bei Fußballspiel in Perl vollstreckt

Haftbefehl vollstreckt : Fußballspiel in Besch wird nach Festnahme abgebrochen

In der Halbzeitpause eines Spiels der Verbandsliga am Sonntag hat die Polizei einen Haftbefehl gegen einen 35-jährigen Algerier vollstreckt.

Ein Spielabbruch der besonderen Art hat sich am Wochenende beim letzten Spieltag vor der Winterpause in Besch zugetragen. Die SG Perl/Besch und der FC Kandil Saarbrücken trafen in der Verbandsliga Südwest vor rund 100 Zuschauern aufeinander, zur Halbzeit ging es beim Stand von 3:1 für die SG in die Kabinen. Alles lief auf einen harmonischen Sonntag hinaus.

Als sich die Spieler in der Halbzeitpause in Richtung Kabine begaben, tauchten jedoch vier Polizisten auf. Stephan Laßotta, Sprecher des Landespolizeipräsidiums, erklärte auf Anfrage der SZ, dass die Polizei im Vorfeld einen anonymen Hinweis erhalten habe. Die daran anschließenden Ermittlungen hätten ergeben, dass gegen einen 35 Jahre alten Kandil-Spieler aus Algerien sowohl ein Abschiebehaftbefehl als auch ein Zahlungshaftbefehl vorlag. Laßotta führt weiter aus: „Wir haben ermittelt, wo man ihn antreffen kann.“ Und das sei eben der Fußballplatz gewesen.

Sven Reinig, Trainer der SG Perl/Besch, schilderte die Situation: „Plötzlich war hier nur noch Tumult.“ Reinig hatte als Augenzeuge den Eindruck, dass die Polizisten genau wussten, wen sie suchten. Sie seien zielstrebig vorgegangen.

Angeblich sei jemandem aufgefallen, dass der Gesuchte bei Kandil spielt, berichtete Reinig. Der Algerier selbst hatte laut dem Trainer „keine Anstalten gemacht und sich nicht gewehrt“. Er sei noch in Trikot und Fußballschuhen abgeführt worden.

Der SG-Vorsitzende Christian Henkgen ergänzte, dass ein Mitspieler des Verhafteten die Polizisten beleidigt und daher von Schiedsrichter Dominik Spang aus St. Ingbert die Rote Karte kassiert habe. Reinig bestätigt das und berichtet von „Ausfälligkeiten“ gegenüber der Polizei. Am Schauplatz der Festnahme habe sich zudem ein Pulk gebildet. Henkgen beschrieb die ganze Szenerie wie folgt: „Die Emotionen sind übergeschwappt.“

Der FC Kandil, der die zweite Halbzeit nach dem Platzverweis nur noch mit zehn Mann hätte bestreiten dürfen, verzichtete nach dem dramatischen Vorfall in der Halbzeitpause auf die Fortführung der Begegnung. Reinig erklärte, dass sich Kandil „aus emotionalen Gründen“ gegen die Fortsetzung der Partie entschieden habe. „Bei den ganzen Emotionen und der Aufgebrachtheit der Spieler und Verantwortlichen von Kandil war das jedoch die vernünftigste Entscheidung“, befindet Reinig.

Wie das Spiel gewertet wird, ist noch unklar. Der Klassenleiter der Verbandsliga Süd-West, Martin Thieser, erklärte auf Anfrage der SZ: „Darüber entscheidet die Rechtsabteilung.“ Wann das der Fall sein wird, konnte er nicht sagen. Dazu, wie es mit dem verhafteten Algerier weitergeht, sagte Laßotta: „Wir haben ihn an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) überstellt.“ Das Bamf ist für die Durchführung von Asylverfahren zuständig und entscheidet über das Aufenthaltsrecht von Flüchtlingen.

Der Trainer des FC Kandil, Jean-Paul Wundrack, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.