Großer Bahnhof für die Glocken

Großer Bahnhof für die Glocken

Nennig. Heinz Motschall und Sohn Tobias leisten Präzisionsarbeit. Millimeter für Millimeter lenken sie die Kette ihres Krans über die Glocken, bis Nennigs Ortsvorsteher Karl Fuchs und seine Helfer diese mit schweren Bändern an dem Haken festmachen können. Vorsichtig hievt der Kran seine teure Last vor dem Kircheneingang auf einen fahrbaren Untersatz

Nennig. Heinz Motschall und Sohn Tobias leisten Präzisionsarbeit. Millimeter für Millimeter lenken sie die Kette ihres Krans über die Glocken, bis Nennigs Ortsvorsteher Karl Fuchs und seine Helfer diese mit schweren Bändern an dem Haken festmachen können. Vorsichtig hievt der Kran seine teure Last vor dem Kircheneingang auf einen fahrbaren Untersatz. Ein kurzer Blick vom Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Rudolf Gelz - schon befreien Johann Fos, Gerhard Zimmer, Diakon Benno Wolpertinger und Klaus Kolles die erste Glocke von den Seilen, schieben sie in die Pfarrkirche St. Martin. Gleiche Prozedur bei der zweiten Glocke. "In anderen Pfarreien des Bistums Trier werden Glocken abgebaut, in Nennig kommen zwei dazu", lacht Helfer Gerhard Zimmer. Aus der Ankunft der beiden Bronzeglocken, 500 und 250 Kilo schwer, gegossen Ende Januar in den Kunstwerkstätten Maria Laach, machen die Nenniger gestern Nachmittag ein Fest. "1942 haben Nenniger an gleicher Stelle gestanden und geweint, als die Glocken zu Kriegszwecken eingezogen wurden, heute ist ein Freudentag, weil weitere hinzu kommen", meint Chronist Waldemar Bach und macht eifrig Fotos. Für den Empfang der Glocken hat Karl Fuchs seinen Traktor samt Anhänger herausgeputzt: mit Palmzweigen, Tannen, rot-weißen und blau-weißen Fahnen. Mit Blumenkränzen garniert, gebunden von Anneliese Strupp und Erna Fos, fährt Fuchs die Glocken durchs ganze Dorf - mit an Bord der siebenjährige Marius Seiwert. Derweil haben Schwester Lena und Freundin Maren im Feuerwehrwagen Platz genommen, der dem Prunkwagen voranfährt. "Die werden wohl keine Ecke auslassen", schmunzelt Perls Bürgermeister Bruno Schmidt, der sich den Empfang ebenfalls nicht entgehen lässt. Ihr prunkvolles Chorgewand, mit denen sie die neuen Glocken am Bahnhof empfangen haben, haben Pfarrer Uwe Janssen und Diakon Benno Wolpertinger schnell abgelegt. "Ihre beiden älteren Schwestern werden so lange läuten, bis die Neuankömmlinge in der Kirche hängen", sagt Janssen und klärt mit Gemeindereferentin Birgit Wolsfeld und Sekretärin Trudi Rosche noch Details des Nachmittags. Derweil leistet Wolperdinger, mittlerweile im Schaff-Overall, mit den Helfern Schwerstarbeit. "Mein Papa wird ein paar Stücke auf der Orgel spielen", kündigt Leon, der pfiffige Sohnemann von Kantor Frank Kockelmann, an. Als die Glocken schließlich hängen, brandet Beifall auf, Kockelmann stimmt Lieder an. "Ich freue mich, wenn ihr am Sonntag, 15 Uhr, zum Pontifikalamt mit Weihbischof Robert Brahm kommt", wirbt Janssen. Seine Überraschung an die Kinder: Leon, Maren, Lena, Marius, Clara, Hanna und Ansgar dürfen die Glocken zum Klingen bringen.

Mehr von Saarbrücker Zeitung