"Goldrichtig für die Trauben"

Perl. Die Sonne hat in diesen Tagen leichtes Spiel, den Morgennebel aufzulösen, der über der Mosel wabert. Kalte Nächte, sonnige Tage: Der Altweibersommer zeigt sich zurzeit von seiner schönsten Seite - einschließlich des Farbenspiels, ein untrüglicher Vorbote des Herbstes

Perl. Die Sonne hat in diesen Tagen leichtes Spiel, den Morgennebel aufzulösen, der über der Mosel wabert. Kalte Nächte, sonnige Tage: Der Altweibersommer zeigt sich zurzeit von seiner schönsten Seite - einschließlich des Farbenspiels, ein untrüglicher Vorbote des Herbstes. Die Weinblätter in den Wingerten, die sich über 125 Hektar in den Orten Perl, Oberperl, Sehndorf und Nennig erstrecken, verlieren allmählich ihr sattes Grün, schimmern in Gelborange - je nach Sonneneinstrahlung, Wärme und Licht, die auch die Früchte positiv beeinflussen. "Der Altweibersommer ist goldrichtig für die Trauben", sagt Peter Petgen vom Weingut Karl Petgen aus Nennig. "Die Kühle in der Nacht verhindert Fäulnis, durch die Sonne am Tag bilden die Trauben Zucker und bauen Säure ab." Noch hängen die Früchte, aus denen die Winzer aus dem kleinen, aber feinen Weinanbaugebiet ihren legendären Grauen und Weißen Burgunder keltern, an den Reben. "Ich denke, dass wir ihnen noch gut zwei Wochen Reifezeit lassen", sagt er. "Die Burgundertrauben können von dem spätsommerlichen Wetter nur profitieren." Wenn - wie im Leseausschuss der Gemeinde Perl beschlossen - am kommenden Montag die Hauptlese startet, werden nach Darstellung von Peter Petgen Auxerrois und Elbling als erste eingefahren. "Welche Traubensorte das ist, entscheiden wir an dem Tag."Eines ist für den Winzer jetzt schon klar: Einen guten Tropfen von hoher Qualität wird's geben. Die Erträge sind allerdings niedriger als im vergangenen Jahr - eine Aussage, die Winzer-Kollege Thomas Schmitt vom Weingut Schmitt-Weber aus Perl ebenfalls trifft. Als Grund nennt Schmitt die extremen Schwankungen des Wetters. "Während der Blüte im Mai war es sehr kalt. Die Folge: ein Defizit von gut 14 Tagen." Durch die extreme Hitze hätten die Früchte dies zwar aufgeholt. Dann aber folgte Mitte August bis Mitte September kühles Regenwetter. "Wir müssen mehr als in den vergangenen Jahren selektieren - die faulen Trauben aussortieren", sagt Schmitt. "Das ist für die Qualität des Weines ganz, ganz wichtig." Das bestätigt Inge Ollinger vom Weingut Ollinger-Gelz in Sehndorf. "Selektieren ist eine aufwendige Sache. Das ist alles Handarbeit." In den nächsten Tagen werde "Solaris" geerntet - eine frühreife Sorte mit guter Resistenz gegen Pilzkrankheiten. Ende der Woche sei Müller-Thurgau an der Reihe, sagt die Winzerin des bislang einzigen Bio-Weingutes im Saarland. Ende 2001 begannen Inge und Willi Ollinger mit der Umstellung auf ökologischen Weinbau, seit sechs Jahren gehören sie Ecovin an, dem Bundesverband ökologischer Weinbau.

Der Müller-Thurgau aus einer Jungweinanlage ist am Dienstag in die Körbe des saarländischen Winzerpräsidenten Helmut Herber aus Perl gewandert. "Das ist normal, dass die Trauben an jungen Stöcken früher reif sind als an alten Weinstöcken." Eines weiß er genau: 2010 wird der Ertrag schmäler werden. Um wieviel, vermag er noch nicht zu sagen. "Das ist noch zu früh." Sein Wunsch: Ein Altweibersommer wie aus dem Bilderbuch, der länger anhält. "Das Wechselspiel von warmen Tagen und kühlen Nächten macht unsere Weißweine so fruchtig", erklärt Herber. "Die Burgundertrauben können von dem spätsommerlichen Wetter nur profitieren."

Winzer Peter Petgen

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