„Für mich war es immer Pflicht, mich für die Bürger einzusetzen“

Interview : „Immer zuerst das Beste für den Bürger voranstellen“

Nach 45-jährigem Engagement in der Politik zieht sich der Christdemokrat Edmund Kütten aus Oberleuken zurück: eine Bilanz.

Was hat Sie bewogen, nicht mehr zu kandidieren und Ihr Amt zur Verfügung zu stellen?

EDMUND KÜTTEN Vor fünf Jahren habe ich mich dafür entschieden, als 70-Jähriger nicht mehr zu kandidieren. Jetzt ist es soweit. Die CDU ist eine große Volkspartei und hat viele gute, junge Leute. Man muss Platz machen, wenn man überzeugt ist: Die machen eine gute oder noch bessere Politik für unsere Bürger im Landkreis.

Wie lange haben Sie sich politisch engagiert?

KÜTTEN Ich engagiere mich seit 1974, also seit 45 Jahren. Ich war 30 Jahre im Ortsrat, 25 Jahre Ortsvorsteher der drei Dörfer der Gemeinde Perl, Oberleuken, Keßlingen und Münzingen, zwei Legislaturperioden im Perler Gemeinderat, insgesamt 25 Jahre im Kreistag, davon 17 Jahre Fraktionsvorsitzender, und acht Jahre im saarländischen Landtag.

Was bezeichnen sie als größten Erfolg in Ihrer politischen Karriere?

KÜTTEN Da gibt es viele Erfolge. Ich muss differenzieren. In jeder Funktion, die ich innehatte, gibt es solche. Aber es war nie mein Ansinnen, mich mit Erfolgen zu rühmen. Für mich war es immer Pflicht, mich für die Bürger einzusetzen und etwas Positives für sie zu erreichen. Ich bin stolz auf alles, was ich in den vergangenen 45 Jahren in den verschiedenen Funktionen erreicht habe.

Was bezeichnen Sie als größte Niederlage?

KÜTTEN Ich nenne es nicht Niederlage, sondern Enttäuschung, als einzelne Personen in der Partei im zweiten Jahr meiner schweren Erkrankung (Leukämie) die Gelegenheit nutzten, und kreisintern eine erneute Kandidatur für den Landtag meinerseits verhinderten.

Wie hat sich die politische Arbeit im Laufe der Jahre verändert?

KÜTTEN Nicht nur die politische Arbeit hat sich über die Jahre hinweg verändert, sondern auch die Gesellschaft und die mediale Berichterstattung. Ich hörte immer wieder, dass sich die Bürger wünschen, die Politiker sollen nicht als Parteien gegeneinander arbeiten, sondern für die Bürger gemeinsam die beste Lösung suchen und beschließen. Gleichzeitig interessiert sich die Gesellschaft besonders dafür, wenn es Streitereien und Uneinigkeit gibt, das wird als besonders interessant angesehen. Auf diese Veränderungen haben die Medien reagiert – auch die SZ – und berichten lieber über Streitereien miteinander als über Entscheidungen, die einvernehmlich getroffen wurden. Wir haben diese vertrauensvolle Kooperation im Kreistag mit der Landrätin parteiübergreifend praktiziert – ohne große Streitereien. Dies war nicht mehr interessant für die Medien, so wurde selten darüber berichtet. Obwohl es positive Berichte gewesen wären – über die gute Arbeit miteinander. Zu Anfang meiner Zeit im Kreistag wurde noch gegeneinander gearbeitet und miteinander gestritten. Zwei Tage später konnte man es dann in der Zeitung lesen. Von daher hat sich meiner Meinung nach die politische Arbeit im Kreistag ins Positive, in manchen Städte- und Gemeinderäten im Laufe der Zeit ins Negative verändert.

Welchen Rat geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

KÜTTEN Immer zuerst an die Bürger denken, egal, ob auf Orts-, Gemeinde, Kreis oder Landesebene und nicht die Parteiarbeit in den Vordergrund stellen, auch wenn es von den Mitbewerbern leider oft anders gesehen und praktiziert wird. Man darf sich beirren lassen. Immer zuerst das Beste für den Bürger voranstellen, dann erst kommt die Partei und dann erst an sich selbst denken. Ich bin überzeugt, es dauert, aber es zahlt sich aus.

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