| 20:22 Uhr

Leserbrief
Förderunterricht auf dem Flur

Schule Besch

Was heißt überdurchschnittlich gut? „Vor allem die Bedingungen im Bereich der Nachmittagsbetreuung nannte Wagner hervorragend.“ Die Nachmittagsbetreuung ist, Zitat der Mitarbeiter vor Ort: „voll bis unters Dach“. Um dem Raumbedarf nur ansatzweise gerecht zu werden, wurde ein Werkraum im Keller zum Betreuungsraum umfunktioniert (Funktionsräume: minus 1). Eine Warteliste für Kinder, die keinen Platz bekommen konnten, gibt es trotzdem. „Was Größe, räumliche Gegebenheiten und vorhandene Sachmittel angeht, ist die Grundschule Dreiländereck im Landesvergleich überdurchschnittlich gut aufgestellt.“ Förderunterricht muss mangels passender Räumlichkeiten mitunter auf dem Flur stattfinden. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es an Schulen aussieht, die im Landesvergleich nicht „überdurchschnittlich gut“ aufgestellt sind.



Aber was heißt eigentlich überdurchschnittlich gut? Ein Beispiel: Wenn der Durchschnitt der Bevölkerung 30 Kilogramm Übergewicht hat, ich habe aber nur 10 Kilogramm Übergewicht, bin ich überdurchschnittlich schlank, Übergewicht habe ich trotzdem. Oder um im schulischen Bereich zu bleiben: Wenn die Schüler bei einer Klassenarbeit durchschnittlich 8 von 20 möglichen Punkten erreicht haben, mein Kind hat 10 von 20 Punkten, hat es überdurchschnittlich gut abgeschnitten, hat aber trotzdem nur die Note „4“.

Es sollte nicht der Durchschnitt als Maßstab für die Qualität einer Schule zugrunde gelegt werden, sondern wie nah sie an den Idealfall heranreicht.