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Feuerwehrgerätehaus statt Schule

Nicht nur die Schule in Perl-Besch, auch das Feuerwehrgerätehaus (links) ist ein Sanierungsfall. Foto: Ruppenthal
Nicht nur die Schule in Perl-Besch, auch das Feuerwehrgerätehaus (links) ist ein Sanierungsfall. Foto: Ruppenthal FOTO: Ruppenthal
Perl. Kaum ist die Grundschule in Perl-Besch geschlossen, wird das Gelände neu bebaut. Das hat der Perler Gemeinderat beschlossen. Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) will den Konflikt nicht juristisch lösen. Cathrin Elss-Seringhaus

Ist das nun eine Provokation oder Pragmatismus? Jedenfalls macht der Perler Gemeinderat kurz nach der Schließung der Grundschul-Dependance im Ortsteil Besch, die auch das Bildungsministerium nicht verhindern konnte, Nägel mit Köpfen. Am Dienstag beschlossen 15 von 24 Ratsmitgliedern gegen die mit Nein stimmende SPD-Fraktion , dass es auf dem Areal des alten Schulgebäudes einen Neubau geben wird - für ein Feuerwehrgerätehaus mit Dorfgemeinschaftsräumen. Ein Millionenprojekt sei das, bestätigt Bürgermeister Ralf Uhlenbruch (CDU ) der SZ, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Es sei jedoch noch nicht entschieden, wo der Neubau hinkomme und ob das Schulhaus abgerissen werde. Bereits bis Ende Oktober soll er eine beschlussfähige Kostenaufstellung vorlegen. Diese Eile überrascht die protestierenden Eltern nicht.



"Es passiert genau das, was wir vorhergesagt haben", sagt Michael Molnar. Die Schule habe, trotz genügend vieler Schüler, eben weg gemusst. Die Elterninitiative werde trotzdem das für 10. September geplante Schulhoffest durchziehen.

Doch wie erklärt sich der Widerspruch, dass Perl für die Sanierung der Schule kein Geld hat, für einen Neubau aber dann doch? Uhlenbruch erklärt dies mit unterschiedlichen Finanzierungs-Quellen. Während für Feuerwehr und Dorfentwicklung Landes-Fördergelder von über 800 000 Euro in Aussicht stünden, müsste die Gemeinde Schul-Sanierungen alleine stemmen. Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD ), der über Perl-Besch mit seinem Kabinettskollegen, Innenminister Klaus Bouillon (CDU ), in Clinch geriet, bezeichnet dies gegenüber der SZ als "eine furchtbar schräge Prioritätensetzung". Doch er schließt aus, dass es mit dem Innenministerium zu einem Rechtsstreit kommt: "Ich suche nicht nach einer juristischen Handhabe, ich suche nach der politischen Lösung des Konfliktes. Ich werde keine Klage gegen den Innenminister führen." Doch er werde "ein halbes Jahr vor der Wahl" auch nicht die "Koalitionskarte" ziehen und das Ganze zur Kampfabstimmung bringen. Für ihn als Bildungsminister sei vorrangig, dass es den Kindern in Perl gut gehe. Doch es sähe so aus, als müsse dort "gehörig nachgesteuert werden", etwa bei der Größe des Pausenhofs. Gegebenenfalls werde man dem Schulträger "Auflagen" machen. Commerçon abschließend: "Ich muss diese Entscheidung akzeptieren. Ich empfinde das nicht als Gesichtsverlust, im Gegenteil. Ich habe ein klares Profil gezeigt."