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FC sauer auf Politik und Gemeinde

FC sauer auf Politik und Gemeinde

Der FC Perl fühlt sich im Streit um die Verlegung seines Sportplatzes von Gemeinde und Kommunalpolitik im Stich gelassen. Die Vereinsspitze betont: Es war die Gemeinde, welche die Umsiedlung angeregt hat.

Sie fühlen sich im Stich gelassen beim FC Perl : Am Sonntag ist Bürgermeisterwahl in der Obemoselgemeinde, eines der beherrschenden Themen im Wahlkampf ist der geplante (und umstrittene) Bau einer Seniorenresidenz mit Hotel auf dem Gelände des jetzigen Sportplatzes am Hammelsberg.

Wie die Rolle des Vereins in der Debatte um dieses Vorhaben mitunter dargestellt wird, ist für die FC-Verantwortlichen nicht akzeptabel. In einem Brief an die rund 300 Mitglieder macht der Vorstand deutlich: Der Anstoß dafür, den Rasenplatz auf die Fläche beim Schengen-Lyzeum zu verlegen, kam nicht vom Verein, sondern von der Gemeinde. Aber eben von dieser Gemeinde und manchen politischen Entscheidungsträgern ist der FC enttäuscht: Zusagen, die vor langem gemacht worden seien, würden in Frage gestellt, seit Jahren werde man hingehalten. Gegenüber der SZ findet Josef Streit, Schatzmeister des Vereins, noch drastischere Worte: "Wir fühlen uns verarscht!"

Es begann alles Ende 2004: Damals beantragte der FC bei der Gemeinde die Genehmigung zum Neubau eines Clubheimes. Das Gebäude befand sich schon damals in einem maroden Zustand, so dass der Verein einen Neubau (geschätzte Kosten: 335 000 Euro) für unausweichlich betrachtete. Die Reaktion aus dem Rathaus war unerwartet: Die politisch Verantwortlichen der Gemeinde, damals noch mit Bürgermeister Toni Hoffmann (CDU ) an der Spitze, unterbreiteten dem Verein den Vorschlag, die gesamte Sportanlage an den Ortsrand zu verlegen. Die Gemeinde habe zudem im Juli 2005 den Gestattungsvertrag gekündigt, der dem FC die Nutzung des Areals ermöglicht. Josef Streit: "Strenggenommen spielen wir seither ohne Gestattung dort." Allerdings sei diese Idee nicht auf ungeteilte Begeisterung gestoßen, so dass 2006 eine Mitgliederversammlung einberufen wurde, auf der die Umsiedlung diskutiert wurde. "Die Diskussion verlief sehr kontrovers, da die Mitglieder viel Eigenleistung und Herzblut in das Erstellen der jetzigen Sportanlage investiert hatten", so der Vorstand. Letztlich sei die Versammlung übereingekommen, dass der Verein "unter gewissen Voraussetzungen" einer Umsiedlung zustimmen könne. Seither habe es zahlreiche Beschlüsse des Gemeinderates gegeben, in denen immer wieder die Verlegung des Sportplatzes bestätigt worden sei. Nur konkret geschehen sei nichts. Der bauliche Zustand des Clubheims habe sich weiter verschlechtert: Das Mauerwerk sei feucht, die Decke des Clubheims nicht isoliert und zudem undicht. Als Folge davon breite sich Schimmel aus, die Heizung sei defekt, die sanitären Anlagen nicht mehr zeitgemäß.

Der Verein wehrt sich gegen den Vorwurf, dass er durch sein Beharren auf einer Umsiedlung die Gemeinde unter Druck setze: "Der FC Perl hat in all den Jahren niemals Forderungen an die Gemeinde gestellt, ist aber der Ansicht, dass es höchste Zeit ist, endlich Planungssicherheit zu bekommen." Investitionen in die mittlerweile in Teilen marode Sportanlage seien Jahr für Jahr aufgeschoben worden. Der Verein verlange von Politik und Verwaltung, dass sie endlich zu den wiederholt gemachten Zusagen stehen - zumal das die Gemeinde deutlich billiger komme als eine Sanierung der jetzigen Anlage.

Zum Thema:

Auf einen BlickDie Chronologie der Beschlüsse zum Sportplatzneubau, zusammengetragen vom FC Perl : November 2004: Antrag auf Genehmigung zum Neubau eines Clubheims. Juli 2005: Kündigung des Gestattungsvertrages durch die Gemeinde Perl . Juni 2006: Mitteilung an Bürgermeister Hoffmann, dass die Umsiedlung unter Bedingungen möglich sei. März 2007: Aufstellung eines Bebauungsplanes für Erweiterungsbau Schengen-Lyzeum, Neubau Rettungswache und Sportzentrum. "Es wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Verlegung des Sportplatzes des FC Perl in diese Planung einbezogen wird." Juni 2011: Beschluss des Gemeinderates (eine Enthaltung), in dem der Rat die Umsiedlung des Platzes befürwortet. März 2012: Gemeinderat beschließt die Einleitung eines Interessenbekundungsverfahrens zur Erschließung der jetzigen Sportplatzfläche. Oktober 2012: Nach Abschluss des Interessenbekundungsverfahrens zu Gunsten der Victor's-Gruppe Einleitung des Bebauungsplanverfahrens zur Errichtung einer Seniorenresidenz mit angegliedertem Hotel auf dem Sportplatz. Juli 2014: Erste Präsentation der Victor's-Pläne. Mai 2015: Nach Überarbeitung der alten Pläne stellt Victor's die neue Konzeption vor. cbe