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Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung Dreiländereck

Kostenpflichtiger Inhalt: Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung im Dreiländereck : Europa im Kleinen erlebbar machen

Merziger, Mettlacher und Perler wollen mit Kommunen aus Frankreich und Luxemburg im Tourismus enger zusammenarbeiten.

Drei Nationen, zwölf Kommunen, ein Ziel – die Idee eines vereinigten Europas lebendig werden zu lassen, wenn auch nur im Kleinen. Darauf haben sich am vergangenen Freitag im Europamuseum in Schengen die Bürgermeister der beteiligten Gemeinden und Kommunen aus Frankreich, Luxemburg und Deutschland (siehe Info) geeinigt.

Die Unterschrift besiegelt die Grundlage der Europäischen wirtschaftlichen Interessenvereinigung „Dreiländereck E.W.I.V.“. Deutsche Partner der neu beschlossenen Vereinigung sind die Gemeinden Mettlach und Perl sowie die Kreisstadt Merzig.

Die Idee zum engeren Zusammenschluss auf interkommunaler Ebene im Grenzgebiet der Großregion Saar-Lor-Lux wurde bereits im vergangenen Mai geboren und nun in einem Vertrag festgeschrieben. Vor allem im touristischen Bereich wollen die Gemeinden in Zukunft enger zusammenarbeiten und gemeinsame Strategien und Projekte entwickeln, um die Region für die eigenen Bewohner, aber auch über die Grenzen der Großregion hinweg, attraktiver zu machen: „Wir haben so viele Sehenswürdigkeiten und Attraktionen vorzuweisen, uns fehlt derzeit leider noch das richtige Konzept, um unsere Region richtig zu vermarkten und mehr Menschen in die Region zu ziehen“, sagt der Bürgermeister von Perl, Ralf Uhlenbruch. Auch Marcus Hoffeld, Bürgermeister von Merzig, ist vom großen Potenzial im Dreiländereck überzeugt: „Wir haben die Chance und die Mittel, hier etwas ganz Besonderes zu schaffen und Europa im Kleinen zu verwirklichen und mit Leben zu füllen.“

Es sei ein großes Geschenk und eine Besonderheit, dass man quasi vor der Haustür zwei befreundete Nachbarnationen habe, mit denen man gut und gerne zusammenarbeite: „Wo, wenn nicht in Schengen, ist der passende Ort, um so ein Projekt auf den Weg zu bringen“, betont Hoffeld selbstbewusst. In Schengen sei ja schließlich die Europäische Union am 9. Mai 1950 mit der Schumann-Erklärung aus der Taufe gehoben worden. „Leider ist die Europäische Union häufig zu weit von den Menschen entfernt und nicht sichtbar, deshalb braucht es Projekte wie dieses, bei denen die beteiligten Personen auf der untersten Ebene im Kleinen gemeinsam arbeiten und handeln“, sagt Uhlenbruch.

Das sieht auch Hoffeld so, denn die beteiligten Bürgermeister kennen und vertrauen sich gegenseitig und stehen zudem in regelmäßigem Kontakt miteinander, was für eine Zusammenarbeit unabdingbar ist: „Klar haben wir die Großregion mit ihren Arbeitsgruppen und verschiedenen Organen, aber die sind vor Ort leider nur wenig erlebbar und präsent, gemeinsame Projekte zu entwickeln ist da nur sehr schwer“, sieht Hoffeld das bisherige Problem. Auch ist seiner Meinung nach die neue Interessenvereinigung kein Widerspruch oder Gegenmodell zur Großregion, vielmehr eine Ergänzung, zum weiteren Zusammenwachsen der Partner: „Im Kreis Merzig-Wadern können ja Nachbargemeinden auch bei Projekten zusammenarbeiten, ohne dass der Kreis unnötig wird“, sagt Hoffeld.

Das große Potenzial liegt für Hoffeld und Uhlenbruch eindeutig in den handelnden Personen und dem Vertrauensverhältnis, das unter ihnen besteht. Dass es bislang an konkreten Projekten noch mangelt, müssen die Bürgermeister indes eingestehen, diese müssten erst noch entwickelt werden: „Wir stehen ja ganz am Anfang und sind berufstätig, die Konzepte müssen erst noch entwickelt werden“, erklärt der Perler Bürgermeister. Ein gemeinsames Logo hat die neu gegründete Vereinigung indes schon gefunden, es wurde sich auf das Kürzel „i“ hoch 3 geeinigt, was die Interessenvereinigung im Dreiländereck symbolisieren soll: „Ein erstes Vorhaben wird aber bereits umgesetzt, ein gemeinsamer Wanderweg, der von Perl aus auch durch Frankreich und Luxemburg führt, wird in Kürze ausgewiesen“, sagt Uhlenbruch.

Vorstellbar seien beispielsweise auch gemeinsame jährliche Feste, die abwechselnd in den Partnerkommunen stattfinden könnten, sinniert Hoffeld. Auch am Aufbau eines gemeinsamen Internetauftritts werde mit Hochdruck gearbeitet: „Das Zusammenwachsen in Europa ist ein Marathonlauf und kein Sprint, wir wollen nur den Anfang machen, der Prozess muss über Jahrzehnte weitergeführt werden“, weiß Uhlenbruch. Trotzdem müsse man für jede Idee und jede Initiative dankbar sein und sie als Chance wahrnehmen, betonen beide unisono. Der weitere Fahrplan sieht jetzt vor, dass sich alle sechs bis acht Wochen die Vertreter der Verwaltungen treffen und gemeinsame Ideen und Projekte entwickeln, die dann die Bürgermeister bei ihren Treffen beraten werden: „Denkbar sind gemeinsame Schulausflüge, Sportfeste, Konzerte und vieles mehr“, sagt Hoffeld.

Bereits heute bestünden vielfache interregionale Verbindungen, so benutzten luxemburgische Vereine Sporthallen in Perl, es gebe gemeinsame Einsätze der Feuerwehren der drei Länder, und Krankenhäuser würden interregional genutzt: „Auch Kinder wachsen vermehrt zweisprachig auf, so haben wir in Perl beispielsweise in den Kitas Kinder aus Frankreich und im schulischen Bereich haben wir das Deutsch-Luxemburgische Schengen-Lyzeum“, sagt der Perler Bürgermeister. Auch im Bereich der Notwasserversorgung arbeiten Perl und Schengen zusammen: „Die Möglichkeiten sind da, vor allem im touristischen und kulturellen Bereich, wir müssen sie nur nutzen“, sind sich beide einig.