Perl : Eiskalter Genuss im Morgengrauen

Auf Minus neun Grad fiel die Temperatur im Nordsaarland gestern. Gute Bedingungen für die Eisweinlese im Weingut Herber in Perl.

Eisig kalt war es zum Wochenanfang: Die Thermometer fielen am Montagmorgen auf bis zu minus neun Grad Celsius, und manch einer fror bei diesen Bedingungen mächtig. Nicht so Matthias Herber und seine Erntehelfer bei der Eisweinlese im Perler Hasenberg: Ganz im Gegenteil, den neun Männern und Frauen wurde richtig warm, als sie die tief gefrorenen Rieslingtrauben von den Rebstöcken sammelten.

Die eigens montierten Netzplanen waren dabei von großem Nutzen: Sie schützten nicht nur die Trauben und verhinderten den Vogelfraß, sondern erleichterten auch die Ernte. Zumeist mussten die tief gefrorenen Früchte nur noch heraus geschüttelt werden. Als Winzer Matthias Herber, Sohn des früheren saarländischen Winzerpräsidenten Helmut Herber, mit seinen Helfern loszog, war es noch dunkel. Der Blutmond schaffte sich bei der totalen Mondfinsternis gerade langsam wieder aus dem Erdschatten heraus, da gaben sie so richtig Gas, um die Eistrauben schnellstmöglich in die Körbe und in den Keller zu bekommen und sie dann auch sofort zu keltern.

Dick eingemummt schafften dies Ökonomierat Helmut Herber und seine Frau Gertrud mit ihren Helfern gerade rechtzeitig bis zum Sonnenaufgang. Der inzwischen wieder komplett zu sehende Mond verschwand gerade in seiner vollen Pracht hinter den Schengener Weinbergen auf der luxemburgischen Seite der Mosel, als der frühere Winzerpräsident zusammen mit den Helfern wieder ins nahe Weingut zurückkehrte. Offiziell ist er inzwischen Rentner, aber ein solches Ereignis wollte sich Helmut Herber auf keinen Fall entgehen lassen. Sohn Matthias, inzwischen Betriebsleiter im Weingut, stand bereits an der Kelter, um mit größter Sorgfalt den süß-sauren, nektarähnlichen Traubensaft aus den komplett vereisten Trauben heraus zu pressen.

Über ein Mostgewicht von gut 140 Grad Öchsle freuten sich Vater und Sohn. Beide waren sowohl mit der Qualität der Trauben als auch mit der Menge dieser frühmorgendlichen Eisweinlese sehr zufrieden. „Wir hatten schon gar nicht mehr daran geglaubt, dass das Wetter mitspielen würde“, gestand Matthias Herber ein, „aber unsere Geduld wurde doch noch belohnt.“ Als einziges Weingut im Saarland konnten sie am gestrigen Montagmorgen einen Eiswein ernten. Rund 175 Liter waren das erfreuliche Ergebnis dieses eisigen Ernteeinsatzes. Dadurch, dass die Trauben komplett gefroren sind, kann der Winzer nur die feinsten Extrakte aus ihnen herauspressen. Dieses Wechselspiel aus natürlichem Zucker und der Säure des Rieslings ergibt zusammen mit der mineralischen Note des Bodens den so begehrten Eiswein-Charakter.

In kleinen Flaschen abgefüllt, wird der neue Jahrgang frühestens Ende 2019 auf den Markt kommen. Aufgrund der geringen Mengen wird die Nachfrage sicherlich immens sein. Versteht sich von alleine, dass ein solch guter Tropfen dann auch etwas mehr kostet als die sonstigen Weine. Aufgrund der außergewöhnlichen Witterung des letzten Sommers reifen in den Kellern der saarländischen Winzer ohnehin ganz besondere Qualitäten heran. Der Jahrgang 2018 könnte ein ganz großer werden.

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