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Perl
Ein Jahrestag, der Erinnerungen weckte

Die Gedenktafel der Pfarrgemeinde Perl für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs ist weitgehend verschollen. Klaus Lellig hat vor Jahren eines der wenigen noch existierenden Exemplare eingescannt.
Die Gedenktafel der Pfarrgemeinde Perl für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs ist weitgehend verschollen. Klaus Lellig hat vor Jahren eines der wenigen noch existierenden Exemplare eingescannt. FOTO: Klaus Lellig
Perl. Eine Gedenktafel hat einem Perler ganz persönliche Verbindungen zum Ende des Ersten Weltkrieges offenbart.

Der 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs hat für Klaus Lellig aus Perl einige sehr persönliche Erinnerungen geweckt. Denn seine Familie war einst von den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Frankreich ganz unmittelbar betroffen, erzählt der frühere Kämmerer der Obermosel-Gemeinde unserer Redaktion: Zwei Großonkel von ihm, „nämlich Peter Herber und Johann-Peter Herber aus Sehndorf“, seien während der Kämpfe in Frankreich gefallen – „Johann Peter Herber meines Wissens vor Verdun“, wie Lellig sagt. Der Ort Verdun, nur rund 80 Kilometer Luftlinie von Perl entfernt, steht wie kaum ein anderer für die Schrecken des Ersten Weltkrieges: Zwischen Februar und Dezember 1916 lieferten sich dort Truppen des Deutschen Reiches und Frankreichs eine erbitterte Schlacht, bei der Schätzungen zufolge fast 700 000 Soldaten ihr Leben verloren – die genaue Zahl konnte nie ermittelt werden. Die Schlacht von Verdun gilt als eine der grausamsten an der Westfront und steht als Sinnbild für die Sinnlosigkeit und Brutalität des Ersten Weltkrieges.


Der endete am 11. November 1918 nach über vier Jahren mit der Unterzeichnung eines Waffenstillstands-Abkommens im Walde von Compiègne in Nordfrankreich. Der Krieg hatte einen bis dahin für nicht möglich gehaltenen hohen Blutzoll gefordert. Das reichte bis in die kleinsten Gemeinden und Dörfer hinein, weiß Klaus Lellig: „Starben zum Beispiel im deutsch-französischen Kriege 1870/71 zwei Männer aus der Pfarrei Perl, so waren es jetzt 23.“ Die Pfarrgemeinde Perl, die seit 1803 die Orte Perl, Oberperl und Sehndorf umfasst, gedachte der Kriegsopfer nach Kriegsende mit einer Gedenktafel, auf der alle Gefallenen und Vermissten mit Foto, Sterbedatum und -ort verzeichnet waren. Diese Tafel hing allerdings nirgendwo an markanter Stelle aus. Vielmehr haben seinerzeit viele Hinterbliebene von Kriegsgefallenen solche Tafeln im Din-A4-Format bei der Pfarrgemeinde erworben, allerdings gebe es heute nur noch ganz wenige Exemplare. Lellig selbst erfuhr eher zufällig davon.

Lange sei ihm die Existenz dieser Tafel nicht bekannt gewesen, sagt Lellig. Erst ein Onkel seiner Ehefrau, der mittlerweile verstorben sei, habe ihm vor gut zehn Jahren eine Ausfertigung dieser Gedenktafel gezeigt. „Bei der Durchsicht stellte ich dann fest, dass darauf auch zwei Großonkel von mir, nämlich Peter Herber und Johann-Peter Herber aus Sehndorf verzeichnet sind.“ Seine Großmutter, eine Schwester der Gefallenen, habe ihm und seinen Geschwistern als Kinder gelegentlich von ihren Erlebnissen im Kriege erzählt und wie schwierig die Lebens- und Arbeitsbedingungen zum Beispiel in der Landwirtschaft ohne die Männer waren. „Dabei erwähnte sie auch mit einem gewissen Schaudern, dass man in Oberperl, wo sie seit 1909 wohnte, während der Monate der Schlacht um Verdun 1916 bei Süd-West-Wind den Kanonendonner als dumpfes Grollen hören konnte.“ All diese Erinnerungen sind ihm nun wieder ins Bewusstsein gekommen, sagt Klaus Lellig, als vor kurzem mit Gedenkveranstaltungen in ganz Europa dem Kriegsende gedacht worden sei. Und er ist sich sicher: „Viele ältere Bürger von Perl, Oberperl und Sehndorf werden auf der Tafel bestimmt noch den einen oder anderen Vorfahren, vielleicht Großvater oder Verwandten erkennen, da alle Gefallenen mit Bild darauf sind. Mir ging es ja auch so.“