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150 Jahre St.-Michaels-Kapelle
Ein traditionsreicher Ort für das stille Gebet

Ein Bild der Verwüstung: Die Michaels-Kapelle Büschdorf nach der Zerstörung im Jahr 1939.
Ein Bild der Verwüstung: Die Michaels-Kapelle Büschdorf nach der Zerstörung im Jahr 1939. FOTO: Kurt petry / Kurt Petry
Büschdorf. Die Michaels-Kapelle im Perler Ortsteil Büschdorf wird in diesem Jahr 150 Jahre alt. Die SZ blickt zurück in ihre Geschichte.

Die St.-Michaels-Kapelle wurde im Jahre 1867 aus graugelben Kalksandsteinen aus den Sandbrüchen von Keßlingen von der Firma Peter Spanier aus Orscholz im neuromanischen Stil erbaut. Doch ehe es soweit war, gab es unter den damaligen „Gemeinderäthen von Büschdorf“ erhebliche Auseinandersetzungen über den Ankauf der Grundstücke für den Neubau. Man brauchte Anfang des Jahres 1865 insgesamt drei Sitzungen, „ehe sämtliche sechs Mitglieder des Rathes, die alle anwesend waren, für die Aquisition des Bauplatzes stimmten“ (so steht es im Beschlussbuch des Gemeinderates über die Sitzung am 9. März 1865).



Dieses kleine Kirchlein in Büschdorf dürfte wohl weit und breit eine Rarität darstellen: Es gehört nicht wie üblich dem Bistum, sondern der Gemeinde. Ebenfalls ungewöhnlich ist, dass die Michaelskapelle bei ihrem Bau 1867 einen anderen Namenspatron bekam und nicht den der alten Kapelle, die in einer Parallelstraße stand. Die alte Kapelle war dem heiligen Bernhard geweiht, ihr Entstehungsdatum ist nicht mehr genau zu ermitteln. Eine Inschrift auf dem Altar der Bernhard-Kapelle besagt, dass dieser Altar am 16. September 1705 durch Weihbischof Johann Peter Verhorst konsekriert worden war. Dieser Altar wurde in der neuen Michaels-Kapelle eingebaut und stand dort bis 1882.

Eine kleine Straße heißt heute noch die „Bernhards-Gaß“. Aber auch das war wohl nicht die erste Kapelle in Büschdorf, denn bereits 1569 wurde durch einen Notar eine Kapelle in Büschdorf beurkundet. Diese Urkunde bezieht sich auf einen noch älteren Visitationsbericht über eine „Nikolaus-Kapelle“ in Büschdorf. Zwar ist St. Bernhard auch in einer Altarnische der heutigen Kapelle vertreten, aber Patron des Kirchleins ist der heilige Michael. Der heutige Hochaltar wurde 1864 nach den Entwürfen des Baumeisters Himpler für die Schlosskapelle der Familie „von Boch“ in Wallerfangen gefertigt. Diese wurde jedoch 15 Jahre später wieder abgebaut und in Mettlach neu errichtet.

Der Altar wurde offenbar dort nicht mehr eingebaut und kam 1882 nach Büschdorf. Ob er damals von der Familie von Boch an die Gemeinde verkauft wurde oder vielleicht als Geschenk an die Büschdorfer gegeben wurde, ist unklar. Aber unbestritten ist, dass „dem alen Modesch Marie sei Papp“ (Johann Müller) den Altar damals mit seinem Fuhrwerk von Mettlach heraufbrachte. Die Heiligenfiguren wurden, damit sie nicht mit dem holprigen Fuhrwerk transportiert wurden und eventuell Schaden dadurch erlitten, auf einer Hotte auf dem Rücken nach Büschdorf getragen.

Was ebenfalls noch überliefert ist: Die beiden zwölfjährigen Peter Ollinger und Peter Bohr hatten 1867 in der neuen Kapelle die erste Messe als Messdiener „gedient“.

Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte die Kapelle auch ein etwas anderes Aussehen: Der Turm war bedeutend anders und „passte besser zum Kapellenbild“, wie einige Bewohner von Büschdorf heute noch meinen. 1939 hat die Wehrmacht das Kapellentürmchen abgesprengt, „um den Franzosen das Einschießen auf Büschdorf zu erschweren“. Turm und Glocke waren verschwunden, schwere Schäden an Dach, Mauerwerk und Decke waren entstanden. Es dauerte bis 1953, ehe die Gemeinde die Beseitigung der Schäden in Auftrag geben konnte. Der Turm wurde nicht mehr im alten Stil aufgebaut, sondern durch einen Dachreiter aus Sandsteinquadern ersetzt. Auch eine neue Glocke wurde gegossen, die 1954 geweiht wurde.

Mitte der 60er Jahre gab es erneut größere Veränderungen. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil waren die Priester gehalten, die Messe mit dem Gesicht zum Volk zu lesen. Dies erforderte in vielen Kirchen, so auch in der Kapelle in Büschdorf, Änderungen an den Altären. So wurden in Büschdorf die Heiligen-Figuren entfernt und irgendwo gelagert.

Als 1998 der Motor des Läutwerkes defekt war, stieg ein Elektriker hinauf und entdeckte oben auf dem Dachboden mehrere Heiligenfiguren. Es handelte sich um die Figuren, die in den 60er Jahren vom Altar abgebaut und seitdem verschollen waren. Der damalige Ortsvorsteher Martin Ollinger nahm sich der stark beschädigten Figuren an; in vielen Arbeitsstunden gelang es ihm schließlich, die Figuren mitsamt den Postamenten wieder in einen ansehnlichen Zustand zu bringen. Im Rahmen der Michaelsmesse im September 1999 wurden die Figuren mit einer neuen Marienfigur wieder in der Kirche an den Seiteninnenwänden angebracht und neu eingesegnet.

Seit den 1980er Jahren wurden von der Gemeinde umfangreiche Renovierungen der Kapelle vorgenommen: Das Sichtmauerwerk wurde außen vollkommen neu verfugt, so dass keine Nässe mehr eindringen kann, und auch im Innern wurden einige Renovierungen und Neuanstriche vorgenommen. Die Glocke erhielt 2011 eine neue Aufhängung aus Eichenholz, gleichzeitig wurde ein neuer elektronischer Antrieb installiert. Manches wurde im Rahmen der Dorferneuerung finanziert, anderes über Dorffeste sowie über Spenden und Zuschüsse abgedeckt.

Seit dem Jahre 1962 steht die Kapelle unter Denkmalsschutz, denn in diesem Jahr wurde sie in das „Verzeichnis der geschützten historischen und kunsthistorischen Denkmäler des Kreises Merzig-Wadern“ aufgenommen. Für die Büschdorfer war und ist die kleine Kapelle jedoch nicht mehr als ein Gebetsort: Ab und zu mal eine Messe oder noch seltener findet hier mal eine Trauung statt. Tünsdorf ist der „Hauptort“ der Katholiken von Büschdorf; hier besucht man die Messen und auch der Friedhof ist in Tünsdorf.

Der Innenraum der historischen Michaels-Kapelle heute.
Der Innenraum der historischen Michaels-Kapelle heute. FOTO: Kurt Petry