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Ein Rechtspfleger will es in Perl richten

Ein Rechtspfleger will es in Perl richten

SZ-Redakteurin Margit Stark sprach mit dem Bürgermeisterkandidaten der CDU über seine Ziele für die Gemeinde Perl. Für Ralf Uhlenbruch steht fest: Bürger sollen in weitreichende Einscheidungen eingebunden werden.

Papa, Melanie habe ich erledigt", meldet Leonie in Tettingen-Butzdorf voller Stolz - ein Enthusiasmus, über den Ralf Uhlenbruch und Wahlhelfer Christian Müller schmunzeln. Bremsen will der Bürgermeisterkandidat den Eifer seines knuffigen Blondschopfes nicht. Doch versäumt der Christdemokrat, der Verwaltungschef Bruno Schmitt beerben will, nicht, der sympathischen Nachbarin und ihren Freundinnen die Hand zu drücken. Während Mama Heike Leonies Zwillingsschwester Mara wegen eines Wettkampfes zum Turn-Training nach Remich chauffiert, begleitet die pfiffige Maus ihren Papa beim Straßenwahlkampf in Tettingen-Butzdorf, dem Heimatort der Familie. Ganz vorsichtig trägt die Achtjährige die Kühltasche, in der sich Pralinchen stapeln - eine kleine Aufmerksamkeit, die Uhlenbruch für die Damen auf eine Visitenkarte klebt. Derweil schleppen der Papa und seine Parteifreunde Christian Müller und Abert Kohl die Taschen mit Kugelschreibern und Flyern.
Pralinchen für die Damen

Um den Kandidaten zu begrüßen, unterbricht Fabio seine Tour, die der Dreijährige mit seinem Rädchen in der Hofeinfahrt gestartet hat. "Als wir vor kurzem nach Perl zum Einkaufen gefahren sind, hat Fabio die Wahlplakate von Dir gesehen und gestaunt: ‚Ganz viele Ralfs'", erzählt Mama Anja Donkel. "Enttäuscht war er, als wir in Merzig unterwegs waren und er kein Plakat von Dir entdeckt hat." Dem Schmunzeln folgt eine süße Überraschung für die Mutter des Dreikäsehochs und deren Schwester, Luftballons gibt es für Fabio, Leon und die dreijährige Mia.

"Wir wissen, wen wir wählen", machen ihm die Frauen Mut - und weiter geht's. "Ich bin stolz, der Kandidat der Christdemokraten zu sein", gesteht Uhlenbruch. Was ihn freut: "Die gesamte Partei steht hinter mir und unterstützt mich - ob bei meinen Hausbesuchen oder bei meinen Wahlkampftouren", weiß er sich vom Gemeindeverband getragen. "Das ist schon sehr gut." Über seine Chancen, am 28. Juni den Sieg davonzutragen, sagt er nur soviel: "Ich denke, es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen, eine Entscheidung noch offen." Natürlich mache er sich Hoffnungen, doch wenn es nicht klappe, gehe die Welt auch nicht unter.

Derweil gerät Christian Müller, ein Zugezogener wie er sich bezeichnet, über die intakte Dorfgemeinschaft in dem Perler Ortsteil und die Nachbarschaftshilfe ins Schwärmen, ebenso über die Art seines Parteifreundes.
Plausch vor der Haustür

"Er hat eine so ruhige und bescheidene Art an sich, er und seine Frau sind immer da, wenn man sie braucht" - bevor Uhlenbruch das Lob bescheiden abwehrt, öffnet sich eine weitere Haustür. "Ich kandidiere für das Amt des Bürgermeisters und will mich vorstellen", sagt Uhlenbruch, steckt einen Kugelschreiber an seine Visitenkarte und überreicht ihn. "Dann habe ich was zu schreiben", sagt Christian Rech und nimmt dankend den Luftballon für Söhnchen Finn entgegen. Derweil treibt eine Anwohnerin die Parksituation in der Bahnhof- und Saarburgerstraße in Perl um - eine Katastrophe, wie sie findet. Der Christdemokrat nennt die Parkplatzsituation ein bekanntes Problem, das behoben werden muss, notiert trotzdem eifrig ihre Beschwerden mit. Derweil drängt das Töchterchen zur Eile: "Wir müssen weiter." An der nächsten Haustür klingelt das Wahlkampfteam vergebens - niemand öffnet. "Die arbeiten in Luxemburg", weiß Albert Kohl. "Da kommen sie später nach Hause." Oft sei es reine Glückssache, Leute anzutreffen, weiß Uhlenbruch mittlerweile aus Erfahrung mit dem Klinkenputzen, ganz egal, zu welcher Tageszeit. Der Kandidat klemmt einen Kuli an einen Flyer, öffnet den Briefkasten, wirft ihn ein. "Damit die Familie weiß, dass ich da war", sagt er und wendet sich der nächsten Haustür zu. Dem kurzen Plausch mit einer Seniorin folgt eine Unterhaltung mit Rita und Peter Keren. "Das ist doch Leonie." Vater und Tochter nicken zustimmend. "Mara trainiert für einen Wettkampf", verrät er dem Ehepaar. Dass die Kleine einen sechsten Platz bei der Landesmeisterschaft ergattert hat, macht den Vater stolz. Noch ein paar Notizen, was zu erledigen ist, weiter geht es die Hauptstraße entlang. Kurz vor Ende der Tour konfrontiert ein Paar ihn und seine Wahlkampfhelfer Kohl und Müller mit einem Problem: Wegen der Kanalarbeiten in der Zerfasstraße ist der Eingang zum Haus seit Tagen blockiert.
Hilfe, um Hürden zu beseitigen

"Wir haben dem Chef der zuständigen Baufirma und die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung informiert. Nichts passiert", klagen die Luxemburgerin und ihr Partner. Uhlenbruch macht sich Notizen, sagt zu, sich dem Problem anzunehmen. "Das geht nicht, dass den Leuten der Weg zur Haustür verbarrikadiert wird."

Welche Probleme sind Ihrer Ansicht nach die größten in der Gemeinde Perl?

Ralf Uhlenbruch: Wir haben in unserer Gemeinde viele Projekte begonnen, diese werden aber nicht zeitnah umgesetzt. Es fehlen mitunter durchdachte Konzepte, etwa ein Gemeindeentwicklungs-Konzept. Viele Bürger beklagen sich über unzureichende Polizeipräsenz vor Ort. Insoweit werde ich mich für eine stärkere Polizeipräsenz und eine internationale Polizeistation in Perl einsetzen. Ein weiteres Problem ist die Verkehrssituation. Diese muss neu analysiert und in einem Gesamtkonzept zukunftweisend geregelt werden. Da der demographische Wandel auch an Perl nicht spurlos vorbei geht, muss unsere Gemeinde eine familienfreundliche Gemeinde werden, in der sich alle Generationen wohl fühlen und gut betreut sind. Es muss uns auch gelingen, Neubürger stärker in unsere Gemeinde einzubinden. Nur wenn sie sich wohlfühlen, bleiben sie hier. Auch aufgrund der anstehenden Änderungen in den Verwaltungsstrukturen ist es geboten, eine solide Finanzpolitik zu betreiben. Die Erhaltung der Dorfkerne muss nachhaltig gefördert werden. Bauland muss weiter erschwinglich bleiben.

Was würden Sie anders als Ihr Vorgänger machen, wenn Sie Bürgermeister wären?

Uhlenbruch: Mit mir als Bürgermeister wird ein neuer politischer Stil einziehen - eine offene, glaubwürdige und transparente Politik für alle Bürger . Parteipolitik bleibt außen vor. Die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat werde ich transparenter gestalten, Ratsmitglieder und Bürger besser informieren. Hierzu gehört insbesondere, dass die Fraktionen ihre Meinungen im Amtsblatt der Gemeinde veröffentlichen dürfen. Unterlagen stünden den Ratsmitgliedern zeitnah, auch in elektronischer Form, zur Verfügung. Bürger werden in weitreichende Entscheidungsprozesse einbezogen, Bürgersprechstunden angeboten. Man muss mit Bürgern sprechen, um zu wissen, wo der Schuh drückt. Ein weiteres Instrument wäre: elektronische Eingaben auf der Internetseite der Gemeinde. Das Fachwissen unserer Bürger werde ich stärker nutzen und die Schaffung einer "Ideenwerkstatt" fordern und fördern. Interessierte könnten mit den Mitgliedern der Orts- und Gemeinderäte Ideen entwickeln, die für unsere Gemeinde wichtig sind. Ich werde dafür sorgen, dass die von den Räten gefassten Beschlüsse zeitnah umgesetzt werden. Als Handelsfachwirt weiß ich, wie man Bilanzen liest und was Kundenfreundlichkeit bedeutet. Der Kunde ist König. Ich sehe die Bürger als Kunden und werde eine "bürgerfreundliche Verwaltung" schaffen.

Welche Lösung favorisieren Sie für den Sportplatz und das geplante Hotel mit Seniorenresidenz in der Ortsmitte von Perl?

Uhlenbruch: Dass der Sportverein nunmehr auf die gegebenen Versprechen pocht und eine zeitnahe Lösung fordert, ist mehr als verständlich. Schließlich befinden sich nicht nur die Umkleidekabinen in einem desolaten Zustand. Auch das Clubheim und die Flutlichtanlage sind renovierungsbedürftig. Für den Sportverein ist es nicht mehr hinnehmbar, weitere Jahre auf eine endgültige Regelung zu warten. Die Argumente der BI gegen das geplante Vorhaben sind nachvollziehbar und dürfen nicht unter den Teppich gekehrt werden. Auch wenn der Investor sein Vorhaben bereits den stärksten Einwänden angepasst hat: Sollte die BI alle Möglichkeiten ausschöpfen, so ist nicht absehbar, wann die Baugenehmigung für das Projekt erteilt werden kann. Ich favorisiere die Umsiedlung des Sportplatzes Perl zur Fläche am Schengen-Lyzeum. Die bisherige Fläche des Sportplatzes sollte die Gemeinde erschließen und als Baugebiet für Einfamilienhäuser ausweisen. Käme es zu dieser Lösung, stünden zusätzliche Einnahmen durch den Verkauf der Bauplätze zur Verfügung, der Investor könnte sein Vorhaben an anderer Stelle in Perl umsetzen. Somit gingen der Gemeinde keine Arbeitsplätze verloren. Der Verkehr im Bereich des jetzigen Sportplatzgeländes würde nicht weiter belastet werden. Jedenfalls muss eine zeitnahe Entscheidung her.

Welche Stärken besitzt Ihrer Meinung nach die Gemeinde?

Uhlenbruch: Wir in unserer Gemeinde verfügen über eine gute Vereinsstruktur. Kinder unterschiedlicher Nationen treffen zusammen, hier wird "Europa" gelebt. Unsere Gemeinde ist für ihren hervorragenden Weinbau länderübergreifend bekannt. Aufgrund der Nähe zu Luxemburg haben wir seit Jahren eine sehr geringe Arbeitslosigkeit. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden haben wir ein Bevölkerungswachstum. Wir verfügen über gut ausgebaute Wanderwege, hohe Wohnqualität, gute Infrastruktur. Wir haben die Chance, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Sachen Sport, Bildung und Sicherheit weiter auszubauen. Unsere Gemeinde verfügt über einen hervorragenden Schul- und Bildungsstandort und eine gute Ansiedlungsdichte mittlerer Unternehmen.

Ergänzen Sie folgenden Satz: Ich lebe gerne in der Gemeinde Perl, weil. . .

Uhlenbruch: . . . sie meine Heimat ist, und ich mich mit ihr verbunden fühle. Hier ist meine Familie, mein Lebensmittelpunkt, mein Zuhause. Hier möchte ich dauerhaft leben.

Vor dem Hintergrund der Kommunalreform, die für 2019 angekündigt ist: Was werden Sie tun, um die Eigenständigkeit der Gemeinde zu erhalten?

Uhlenbruch: Um die Eigenständigkeit unserer Gemeinde zu erhalten, ist es besonders wichtig, eine solide Finanzpolitik zu betreiben, möglichst ohne Schulden zu Lasten unserer Kinder. Aufgrund der angespannten Haushaltslage halte ich es für geboten, eine freiwillige Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden zu prüfen. Synergieeffekte sind zu erzielen, um den Bürgern ein größeres Leistungsspektrum anzubieten. Kosten sind zu sparen, um effizienter zu werden. Sinnvoll wäre eine Zusammenarbeit für die Bereiche der Datenverarbeitung, der Lohn- und Gehaltsabrechnung. Eine gemeinsame Nutzung und Neuanschaffung von Geräten, Maschinen und des Fuhrparks ist denkbar. Die interkommunale Zusammenarbeit begreife ich als Chance. Verwaltungsabläufe sind zu optimieren und die Organisationsstruktur zu überprüfen.

Zum Thema:

Zur PersonRalf Uhlenbruch, geboren am 22. Dezember 1972 in Mettlach, arbeitet als Rechtspfleger im gehobenen Dienst am Amtsgericht Merzig. Mit Ehefrau Heike und seinen achtjährigen Töchtern Leonie und Mara wohnt er in Tettingen. Nach dem Abschluss der Hauptschule in Orscholz absolvierte er ab 1988 eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann und hängte ab 1998 eine Fortbildung zum Handelswirt an, ab 2001 eine Fortbildung, die zur Ausbildung für Berufe in der gewerblichen Wirtschaft berechtigt. Als Soldat auf Zeit bei der Luftwaffe erwarb er von 2002 bis 2003 an der Bundeswehrfachschule in Koblenz die Fachschulreife, dann die Fachhochschulreife für Wirtschaft. Von 2004 bis 2007 folgte ein Studium der Rechtspflege. Seit 2007 arbeitet er als Diplom-Rechtspfleger, ist mittlerweile stellvertretender Geschäftsleiter und Ausbildungsleiter. Als Hobbys nennt Uhlenbruch Radfahren, Wanderungen mit seiner Familie und das Heimwerken. mst

Zum Thema:

Auf einen BlickRalf Uhlenbruch von der CDU und Michael Fixemer von der SPD wollen den Sozialdemokraten Bruno Schmitt an der Spitze der Gemeindeverwaltung ablösen. Am heutigen Montag, 15. Juni, 19 Uhr, treffen sie im Perler Vereinhaus aufeinander. Sie diskutieren Themen, die für die Kommune an der Obermosel wichtig sind, und liefern sich womöglich einen Schlagabtausch. Thomas Gerber, SR, und Wolf Porz, SZ, moderieren. Fragen sind auf redmzg@sz-sb.de einzureichen. red